Rote Ampel vor der Deutschen Bank
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Schlechteres Rating Deutsche Bank: Neues Misstrauensvotum

Stand: 29.09.2017, 09:25 Uhr

Die kritischen Stimmen gegen die Strategie der Deutschen Bank reißen nicht ab. Nach den Großaktionären verliert nun auch die erste Ratingagentur die Geduld. Damit wird der Druck auf Vorstandschef John Cryan noch ein Stück höher.

Auslöser ist die Ratingagentur Fitch, die kleinste des bekannten Trios, zu dem vor allem die US-Agenturen Moody's und Standard & Poors gehören. Fitch hat in der Nacht die Bonitätsnote der Deutschen Bank um eine Stufe gesenkt. Das Frankfurter Institut wird nunmehr mit BBB+ statt A- bewertet. Der Ausblick ist stabil.

Schriftzug von Fitch Ratings

Fitch Ratings. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Agentur begründete die Abstufung mit dem kontinuierlichen Druck auf die Ergebnisse der Bank, gepaart mit der sich hinziehenden Implementierung der Strategie. "Wir gehen nicht länger davon aus, dass die Erträge klare Hinweise auf eine Erholung dieses Jahr zeigen und wir erwarten, dass weitere notwendige Restrukturierungskosten das Nettoergebnis belasten werden", schreiben die Analysten von Fitch. Im Vergleich zu anderen globalen Banken habe die Deutsche Bank einen weiteren Weg bei der Restrukturierung vor sich.

Strategiewechsel sorgt für Verwirrung

Tatsächlich hat die Deutsche Bank mit ihren Strategie- und Führungswechselns für Verwirrung gesorgt. So ist ein Börsengang ihrer Fondstochter Deutsche Asset Management (bei Publikumsfonds bekannt unter dem Namen DWS) in diesem Jahr vom Tisch. Zwei Milliarden Euro sollte der Teilverkauf in die Kassen spülen und die Kapitalausstattung der Bank weiter verbessern. Der ursprüngliche Plan, die Postbank zu verkaufen, musste aufgegeben werden, weil sich für das wenig ertragreiche Institut kein Käufer fand - zumindest nicht zu den Preisvorstellungen der Deutschen Bank. Jetzt soll die Postbank in das Privat- und Firmenkundengeschäft integriert werden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wie weit der deutsche Branchenprimus von der "Normalität" entfernt ist, zeigt ein Blick auf die Konkurrenten. So hat Fitch das Rating der meisten Banken bestätigt, etwa JP Morgan, Citigroup, Societe Generale und Credit Suisse. Die Schweizer UBS wurde sogar auf A+ von A hochgestuft. Sie habe ihr Risiko durch bessere Kontrollen reduziert, was der Bank erlauben sollte, solide und weniger volatile Gewinne zu erzielen, so Fitch.

Aktie zuletzt erholt

Für die Deutsche Bank kommt die Herabstufung zur Unzeit, hat sich die Aktie des Instituts doch erst in den letzten Tagen von ihrem Jahrestief bei 13,21 Euro erholt. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Großaktionäre der Deutschen Bank offenbar unzufrieden mit Vorstandschef John Cryan sind.

Er habe in den zwei Jahren an der Spitze der Deutschen Bank "schlicht zu wenig" verändert, zitierte das "Handelsblatt" einen namentlich nicht genannten Investor. Ein anderer nicht namentlich genannter Großaktionär sagte dem Blatt, er glaube "zunehmend, dass er nicht mehr der Richtige ist". Die Deutsche Bank wollte laut "Handelsblatt" die Kritik nicht kommentieren.

Moody's ändert zunächst nichts

Ob Moody's und S&P demnächst ihr Rating ebenfalls verändern werden, bleibt abzuwarten. S&P, die weltgrößte Agentur, hatte erst im März die Deutsche Bank und die Commerzbank von BBB+ auf A- heraufgestuft, nachdem sich die Bank über eine Kapitalerhöhung acht Milliarden Euro besorgt hatte. In der vergangenen Woche verkündete die Agentur, an ihrem stabilen Ausblick für die heimische Branche festzuhalten. Begründung: Die gute Konjunktur komme den deutschen Banken zugute und helfe ihnen im schwierigen Zinsumfeld.

"Die aktuell förderliche Geldpolitik, außerordentlich niedrige Arbeitslosigkeit und moderate Lohnerhöhungen werden sich günstig auf den Inlandskonsum und die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte auswirken", sagte Bernhard Held Vize-Präsident und Senior Analyst bei Moody's. Dadurch würden Kreditnehmer stärker in der Lage sein, ihre Kredite zurückzuzahlen. Dies erhöhe die Stabilität in den Büchern der Banken.

lg