Türme der Deutschen Bank vor dunklem Himmel
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Jetzt kommen die Abstauber Deutsche Bank-Aktie trotzt Stresstest-Debakel

Stand: 29.06.2018, 09:27 Uhr

Blamabel für die Deutsche Bank: Als einzige durchgefallen beim Bankenstresstest, und sie operiert offenbar wie im Blindflug. Die Aktie steigt heute trotzdem, denn Abstauber nutzen die günstige Gelegenheit.

Die Börsenreaktion ist kurios: Nach dem Scheitern der US-Tochter beim Stresstest der US-Notenbank verbuchen Aktien der Deutschen Bank sogar Kursgewinne. Erstaunlich geringe Verluste angesichts der heftigen Kritik seitens der Fed.

Die Aufseher bemängelten "erhebliche Schwächen" an der US-Tochter des Geldhauses. Man habe "weitreichende und kritische Defizite" bei der Kapitalplanung des Instituts gefunden. Selbst bei Voraussagen über Einnahmen und Verluste gebe es offenbar Probleme. Die Fed sprach zudem von gravierenden Mängeln bei der Datenverarbeitung und bei internen Kontrollen.

Wie ein Flugzeug im Blindflug

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,37
Differenz relativ
+1,47%

David Hendler, Analyst bei der Beratungsfirma Viola Risk Advisors, verglich die Deutsche Bank mit einem Flugzeug, "das nicht sicher ist, weil seine Systeme nicht funktionieren. Wie kann eine Bank, die eine der größten Handelsadressen in der Welt ist, nicht die minimalsten Sicherheitsvorkehrungen haben? Das ist schon erstaunlich."

Es sei nun nicht zuletzt die Aufgabe der europäischen Aufseher, die Bank an die Kandare zu nehmen. "Es scheint fast so, als wollten die nicht die Verantwortung für diese Bank übernehmen und lassen die Fed den bösen Jungen spielen und mit dem Finger drohen."

Warum die Deutsche Bank-Aktie steigt

Die kuriose Börsenreaktion ist leicht erklärt: Die Aktie der Deutschen Bank hatte schon im Vorfeld kräftig verloren. Am Mittwoch hatte sie sogar ein Rekordtief erreicht. Denn allgemein sei erwartet worden, dass die US-Tochter den Test nicht besteht, sagte ein Händler. Die negativen Folgen für die Deutsche Bank seien aber vernachlässigenswert. Er nannte das erneute Scheitern gleichwohl "blamabel".

Analyst Jernej Omahen von Goldman Sachs sagte, das Scheitern ändere kaum etwas an seiner grundsätzlichen Einschätzung der Deutschen Bank. Die US-Notenbank habe schon längere Zeit einen kritischen Blick auf deren US-Tochter. Mit der geplanten Trennung von geschäftlichen Aktivitäten in den USA werde sich die Kapitalausstattung verbessern.

bs