Exit-Strategie der Deutschen Bank
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EZB fordert Deutsche Bank muss Investmentbanking-Ausstieg durchrechnen

Stand: 16.04.2018, 11:00 Uhr

Seit langem fordern manche Analysten und Investoren die Verkleinerung oder gar die Abspaltung des Investmentbankings der Deutschen Bank. Nun fordert die EZB das Geldinstitut auf, die Kosten einer solchen Abwicklung durchzurechnen.

Gerade erst ist der deutsche Branchenprimus nach dem abrupten Chefwechsel etwas zur Ruhe gekommen. Sogar die Gewerkschaft findet Gefallen an dem neuen Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Verdi-Chef Frank Bsirske lobte ihn am Montag als "eine ausgezeichnete Wahl". Er schätze ihn "außerordentlich als klugen Strategen, der die unterschiedlichsten Bereiche der Bank aus eigener Erfahrung kennt, der breite internationale Erfahrung mitbringt und den Arbeitnehmern gegenüber sehr verantwortungsvoll agiert", sagte der Gewerkschaftschef. Das Kompliment dürfte Sewing runter gehen wie Öl.

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Doch schon droht an anderer Front neues Ungemach für die Deutsche Bank: Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) hat eine Anweisung erteilt. Laut einem Insider müsse die Deutsche Bank Angaben zu den Kosten einer Abwicklung ihres Investmentbankings durchrechnen. Das Geldhaus solle simulieren, wie sich der Wert des Kapitalmarkt- und Derivategeschäfts entwickelt, wenn sie als zahlungsfähiges Institut das Neugeschäft plötzlich einstellt.

Premiere bei der Bankenaufsicht

Es gehe dabei nicht um eine Abwicklung im Fall einer Pleite, die deutlich aufwendiger wäre, betonte der Insider. Die Berechnungen liefen schon seit einiger Zeit und stünden nicht im Zusammenhang mit dem Chefwechsel bei Deutschlands größtem Geldhaus, hieß es weiter.

Dennoch lässt die Nachricht aufhorchen. Denn es ist das erste Mal, dass die Aufsichtsbehörde eine solche Maßnahme für eine Großbank beschlossen hat. Die EZB sieht das offenbar recht nüchtern. Laut der "Süddeutschen Zeitung" sollen bald weitere Geldhäuser in Europa eine solche Simulation liefern.

Alles nur Routine?

Die Deutsche Bank selbst hält die Anweisung der EZB für einen Routinefall. Sie erklärte, sie berechne "für Regulatoren routinemäßig die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in unseren Handelsbüchern".

Nicht wenige Analysten und größere Anteilseigner fordern seit geraumer Zeit von der Deutschen Bank gezielte Schnitte im Investmentbanking und den Rückzug aus nicht profitablen Geschäftsfeldern. Das Geldhaus hat in dem Bereich weitere Marktanteile verloren - nicht zuletzt in den USA. Der neue alleinige Investmentbanking-Chef der Bank, Garth Ritchie, erklärte dagegen vor wenigen Tagen, er plane vorerst keine radikalen Schnitte bei der Sparte.

Investoren und Großaktionäre zeigen sich irritiert über die neue Machtverteilung bei der Deutschen Bank. Fondsmanager Ingo Speich von der Union Investment moniert eine gewisse "Unwucht" zwischen dem Vorstandschef Sewing, der aus dem Privatkundengeschäft kommt und dem Aufsichtsrat, in dem die Mehrheit aus dem Investmentbanking stammt.

Druck auf Achleitner steigt

Auf der Hauptversammlung in fünf Wochen wird sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner viele kritische Fragen anhören müssen. Der Kölner Investor Karl-Walter Freitag würde am liebsten Achleitner stürzen. Achleitner habe "in höchsten Maße unprofessionell" gehandelt und sollte durch einen Restrukturierungsexperten ersetzt werden, berichtete die "Financial Times". Freitag habe dem Unternehmen ein 55 Seiten langes Schreiben übermittelt, hieß es am Wochenende. Auf dem Aktionärstreffen am 24. Mai in Frankfurt wolle Freitag eine Entscheidung über die Zukunft von Paul Achleitner herbeiführen lassen. Freitag hält nur 0,01 Prozent des Aktienkapitals.

Auch andere Investoren sind mit der Arbeit des Aufsichtsratschefs nicht zufrieden. Laut der "Financial Times" wollen drei der zehn größten Anteilseigner der Deutschen Bank aber keinen Wechsel an der Spitze dieses Gremiums. Begründet werde dies damit, dass ein gleichzeitiger Austausch von Vorstands- und Aufsichtsratschef nicht sinnvoll sei.

Die Aktien der Deutschen Bank treten am Montag auf der Stelle. In den letzten drei Handelstagen hatten sie leicht zugelegt.

nb