Christian Sewing
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Moody's hat Zweifel Deutsche Bank - Jetzt gibts Saures

Stand: 30.04.2018, 08:58 Uhr

Die neue Schrumpfkur der Deutschen Bank überzeugt nicht. Mitarbeiter und Anleger kehren der Bank den Rücken. Und selbst die renommierte Ratingagentur Moody's äußert ihre Zweifel und droht mit einer schlechten Note.

Es ist erst einmal nur eine Androhung: Moody's prüft die Bonitätsnote der Deutschen Bank, ob eine Herabstufung nötig wird. Als erstes Signal wurde der Ausblick für das langfristige Einlagenrating auf "negativ" von "stabil" gesenkt. Die Herausforderungen für die Umsetzung der neuen Strategie, die der neue Bankchef Sewing am Donnerstag vorstellte, seien hoch. Es sei zwar positiv, dass die Deutsche Bank stärker auf die stabileren Geschäftsbereiche setzen wolle.

»Jedoch ist nicht klar, wie das Management eine stärker auf europäische Kunden ausgerichtete Investmentbank schaffen wird, die erfolgreich mit breiter aufgestellten globalen Wettbewerbern konkurrieren kann und gleichzeitig akzeptable Renditen über den Konjunkturzyklus hinweg erwirtschaftet.«

Moody's

Moody's sieht nur beschränktes Gewinnpotenzial. Anleger haben ebenfalls Zweifel. Die Aktien fielen am Freitag in der Spitze um fünf Prozent und notierten mit 11,26 Euro auf dem tiefsten Stand seit mehr als drei Wochen. Société Générale senkte das Kursziel auf nur noch acht Euro. Laut Analyst Andrew Lim sind die Pläne des neuen Managements mit großen Risiken behaftet. Die Rendite dürfte in ihrem Sumpf stecken bleiben.

"Die Bank hat einfach keinen Kredit mehr bei Investoren und Analysten", sagte ein Aktienhändler. "Keiner glaubt daran, dass der neue Chef Christian Sewing zaubern kann."

Daran glaubt er auch selbst nicht. Der neue Chef von Deutschlands größter Bank stellte seinem Geldhaus nicht das allerbeste Zeugnis aus. Er begrub die Ambitionen, mit den großen Wall-Street-Häusern in einer Liga zu spielen. Trotzdem versprach Sewing, dass die Bank nach drei Verlustjahren in Folge schwarze Zahlen schreiben wird. Daran hat aber beispielsweise Credit Suisse seine Zweifel, die Schweizer erwarten 2018 Verluste.

Auch die Mitarbeiter verlieren das Vertrauen. Man munkelt in der Branche, viele Mitarbeiter - vor allem im Ausland - seien auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Viele zweifelten, dass die Bank überhaupt überleben werde. Dem widersprach zwar ein Banksprecher. Aber Personalberater beobachten einen ähnlichen Trend.

Exit-Strategie der Deutschen Bank

Flucht auf allen Ebenene - die Deutsche Bank ist kein Vorzeigehaus mehr. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte am Donnerstag nach nicht einmal drei Wochen im Amt eine neue Strategie angekündigt. Nach einem Gewinneinbruch um 80 Prozent zu Jahresbeginn soll im schwächelnden Investmentbanking kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Das lange schon unter Druck stehende Geschäft in den USA, aber auch zum Teil das in Asien, wird zugunsten Europas stark verkleinert.

Neuer Glanz für Postbank

Abwertung fürs Investmentbanking, Aufwertung für das Privatkundengeschäft - und damit auch der Tochter Postbank. Die soll einem Pressebericht zufolge bereits im kommenden Monat integriert werden. Bereits Ende Mai wolle die Deutsche Bank ihre Privatkundensparte und die Postbank in einer gemeinsamen Rechtseinheit zusammenführen, berichtete das "Handelsblatt" (Montag) unter Berufung auf Finanzkreise.

bs