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Gewinneinbruch im dritten Quartal Deutsche Bank: Rückschlag nicht ganz so schlimm

von von Lothar Gries

Stand: 24.10.2018, 09:41 Uhr

Wer erwartet hatte, dass die Deutsche Bank nach dem robusten zweiten Quartal allmählich wieder zu Kräften kommt, dürfte heute enttäuscht sein. Denn der Gewinn ist im Sommer deutlich eingebrochen, wenn auch nicht ganz so drastisch wie zunächst befürchtet.

Eine Überraschung sind die am Morgen veröffentlichten Zahlen nicht. Bereits Ende September hatte Finanzchef Ernst von Moltke auf einer Investorenkonferenz in London gesagt, dass er die Schätzungen der Analysten für das dritte Quartal teilt.

Zwar reagierte der Finanzmarkt damals nur mit einem leichten Minus, doch hinter von Moltkes dürren Worten verbarg sich eine weitere Hiobsbotschaft für das durch zahlreiche Skandale, hohe Strafzahlungen und drei Verlustjahre in Folge gezeichnete größte deutsche Geldhaus.

Weit abgeschlagen

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

James von Moltke. | Bildquelle: Unternehmen

Denn in den Prognosen der Experten für das Sommerquartal steckte ein Rückgang des Gewinns vor Steuern um zwei Drittel. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht gekommen. Dennoch brach das Ergebnis von 933 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 506 Millionen Euro ein. Unter dem Strich blieben dem Frankfurter Platzhirsch demnach sogar nur 229 Millionen Euro per Ende September übrig.

Das ist deutlich weniger als im zweiten Quartal. Damals hatte die Bank noch einen Reingewinn von 401 Millionen Euro ausgewiesen. Jetzt folgt also eine Rolle rückwärts, wenngleich die Zahlen etwas besser ausgefallen sind als erwartet. Analysten hatten einen Einbruch des Gewinns um zwei Drittel auf 138 Millionen Euro vorhergesagt. Im internationalen Vergleich steht die Deutsche Bank trotzdem weit abgeschlagen da. So hat der französische Konkurrent BNP Paribas allein zwischen April und Ende Juni einen Überschuss von knapp 2,4 Milliarden Euro erzielt.

An der Börse sorgen die Zahlen für Enttäuschung. Die Deutsche Bank-Aktie rutscht am Vormittag um über vier Prozent ab und fällt unter die Schwelle von neun Euro. Dabei stellte Konzernchef Christian Sewing für das Gesamtjahr einen Gewinn in Aussicht: "Wir sind auf gutem Wege, das Gesamtjahr 2018 mit einem Gewinn abzuschließen - zum ersten Mal seit 2014."

Hausgemachte Probleme

Dennoch ächzt die Deutschen Bank weiter unter ihren alten Problemen. So gelingt es dem Institut nicht, im Geschäft mit Privatkunden nachhaltig Geld zu verdienen. Das liegt einerseits an dem zersplitterten heimischen Markt, den sich die Deutsche Bank mit starken Konkurrenten wie Sparkassen, Volksbanken und Direktbanken teilen muss. Eine Eigenart, die es in anderen europäischen Staaten so nicht gibt.

Die Probleme der Deutschen Bank sind aber auch hausgemacht. So hat sich das Haus viele Jahre lang als Geschäfts- und Investmentbank verstanden, in dem private Kunden nur geduldet, aber nicht gefördert wurden. Zeitweise wollte sich die Bank von diesem Bereich komplett trennen. Ein Hin und Her, das der Konkurrenz genutzt, dem eigenen Haus aber geschadet hat.

Schleppende Integration

Davon zeugt auch der schleppende Prozess der Integration der Postbank. Finanzchef von Moltke musste im September eingestehen, dass die Bank mit der Integration zwar Fortschritte mache, aber "langsamer, als wir es uns wünschen würden". Angesichts dieser Gemengelage kann es also nicht verwundern, dass der Bank im Privatkundengeschäft vor Steuern nur magere 220 Millionen Euro übrig bleiben, nach 349 Millionen im Vorjahresquartal. Der Fondstochter DWS - durch Mittelabflüsse und den Abgang wichtiger Fondsmanager zuletzt belastet - geht es nicht wirklich besser. Auch im dritten Quartal haben die Kunden Gelder abgezogen. Doch der Gewinn legte zu.

Kräftige Einbußen gibt es zudem im Investmentbanking, dem wichtigsten Geschäftszweig der Bank. Vor allem der Handel mit Anleihen und Devisen schwächelte - ausgerechnet in den auch für die Deutsche Bank so wichtigen Disziplinen. Im ersten Halbjahr stammten rund ein Viertel der Erträge der Frankfurter aus diesem Bereich. Im dritten Quartal sanken die Erträge aus dem Anleihe- und Aktienhandel um jeweils 15 Prozent. Prozent. In der Folge brach das Vorsteuerergebnis der Investmentbank um über 60 Prozent auf 156 Millionen Euro ein.

Dauerproblem Kosten

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Im Investmentbanking, wie in der gesamten Bank, offenbart sich ein weiteres Dauerproblem der Deutschen Bank: die Kosten. Anders lässt sich kaum erklären, dass die Kosten lediglich um ein Prozent gesunken sind, während die Einnahmen um neun Prozent zurückgingen. Einige Analysten fordern deshalb, dass Konzernchef Christian Sewing die Investmentbank radikal verkleinert, mit einem Komplettrückzug aus den USA und aus dem Aktiengeschäft.

Immerhin bekräftigt die Bank nun ihr Ziel, die Kosten in diesem Jahr auf 23 Milliarden Euro zu senken. Im nächsten Jahr sollen es 22 Milliarden Euro werden.

Und was ist mit den Fusionsgerüchten?

Ob sich der Aufsichtsrat neben dem Zahlenwerk auch mit dem Thema "Fusion" beschäftigt hat, das die Bank zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen brachte, ist zunächst unklar. Bislang hat Sewing fast gebetsmühlenartig betont, dass er frühestens in 18 Monaten darüber nachdenken will - nach der Sanierung der Bank. Deren Fortschritt wird sich unter anderem an der Zahl der Mitarbeiter ablesen lassen. Zu Weihnachten 2019 sollen es "deutlich unter 90.000" sein. Ende des dritten Quartals gab es weltweit noch 94.717 Vollzeitstellen.

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Es handelt sich um eine genossenschaftliche Gruppe, die neben der börsennotierten Crédit Agricole S.A. 39 genossenschaftliche Regionalkassen umfasst. Die börsennotierte Muttergesellschaft ist allerdings noch zu 56,3 Prozent im Besitz der Regionalkassen. Die gesamte Crédit Agricole-Gruppe betreibt weltweit 11.500 Filialen und hat nach eigenen Angaben rund 54 Millionen Kunden.