Deutsche Bank-Türme

Kapitalquote soll gesenkt werden? Deutsche Bank im Umbaustress

Stand: 02.07.2019, 07:14 Uhr

Der deutsche Branchenprimus ringt weiter mit mehreren Baustellen. Jobabbau und Integration der Postbank sollen nun wohl beschleunigt vorangebracht werden. Und das Kapitalpolster möchte das Institut offenbar abbauen, um Frischgeld zu bekommen.

Die Bank diskutiert laut Insidern mit den Aufsichtsbehörden über eine Senkung des Kapitalpolsters, um den Umbau des Konzerns zu finanzieren. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg spricht die Unternehmensführung mit der Europäischen Zentralbank und auch mit der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über eine niedrigere Kernkapitalquote.

Keine Kapitalerhöhung nötig?

Am Ende des ersten Quartals 2019 lag die so genannte CET-1-Ratio der Deutschen Bank bei 13,7 Prozent, im laufenden Jahr sollen die 13 Prozent eigentlich nicht unterschritten werden. Doch europäische Wettbewerber haben deutlich niedrigere Werte. Würde die Deutsche Bank ihnen nacheifern, stünde mehr Kapital für den großangelegten Umbau zur Verfügung, der die Bank umtreibt.

Händler werten den Bericht positiv. Sollte die Bank wirklich mit den Regulierern reden und diese ein kleineres Kapitalpolster genehmigen, könnte eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Konzernumbaus womöglich verhindert werden.

Postbank-Eingliederung kommt voran

Auch an der Stellenabbau-Front gibt es neue Nachrichten. So soll die Eingliederung der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern 1.300 weitere Stellen einsparen. Auf einen Abbau in dieser Größenordnung im Bereich Operations einigte sich das Management mit Betriebsräten und Gewerkschaften, wie beide Seiten am Montag bekannt gaben. Im Frühjahr 2017 hatte sich die Deutsche Bank entschieden, die Bonner Tochter doch nicht zu verkaufen, sondern in ihr Privat- und Firmenkundengeschäft einzugliedern. Im Mai 2018 wurde die DB Privat- und Firmenkundenbank AG mit zuletzt 28.000 Vollzeitkräften im Handelsregister eingetragen.

Großer Kahlschlag?

Markus Gürne
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Kahlschlag bei der Deutschen Bank?

Am Wochenende waren zudem Meldungen umgegangen, die Bank wolle durch den Abbau von insgesamt rund 20.000 Stellen konzernweit ihre Ertragslage verbessern. Das entspräche mehr als einem Fünftel der gesamten Belegschaft. Schon innerhalb dieser Woche könnte es zu einer entsprechenden Ankündigung kommen, hieß es. "Wir sind zu harten Einschnitten bereit", hatte der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef Christian Sewing Ende Mai auf der Hauptversammlung weitere Kürzungen angekündigt. Wegen schwächelnder Erträge will das Geldhaus die Kosten deutlich kürzen.

Anfang Juni war die Aktie der Deutschen Bank auf ein Rekordtief von rund 5,80 Euro gefallen. Seitdem hat sie sich um rund 17 Prozent erholt. Am Dienstagmorgen ist das Papier mit leichten Verlusten bei 6,75 Euro in den Handel gestartet.

AB