Vezerrt gespiegeltes Deutsche Bank-Logo auf Hochhausfassade

Nach dem Sturz auf neues Rekordtief Deutsche Bank: Jetzt ein Kauf?

Stand: 29.10.2018, 15:31 Uhr

Am vergangenen Freitag ist die Deutsche Bank-Aktie auf ein neues Rekordtief gesunken. Damit haben sich die noch im Frühjahr geäußerten Hoffnungen auf ein Ende der Kursschwäche als Irrtum erwiesen. Und jetzt? Hat der Kurs seinen Boden gefunden oder geht es weiter bergab?

Die jüngsten Quartalszahlen haben bei den Anlegern für Ernüchterung gesorgt. Auch dem seit Anfang April amtierenden Vorstandschef Christian Sewing ist es bisher nicht gelungen, eine Trendwende einzuleiten. Zwar fiel der Gewinneinbruch in den Sommermonaten weniger heftig aus als erwartet, doch das eigentliche Dilemma der Deutschen Bank - die klaffende Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben - bleibt bis heute bestehen.

Denn auch im dritten Quartal sind die Erträge deutlich kräftiger gefallen als die Kosten. Im Vorjahresvergleich sanken die Einnahmen um neun Prozent, während die Ausgaben nur um ein Prozent zurückgingen. Die Folge ist ein um die Hälfte geschrumpfter Vorsteuergewinn.

Das verflixte vierte Quartal

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Diese Schere dürfte sich auch in den kommenden Monaten nicht schließen. Im Gegenteil: Das vierte Quartal ist traditionell für seine hohen Kosten berüchtigt. Wenn die Bank ihr Ziel erreichen will, im Gesamtjahr nicht mehr als 23 Milliarden Euro auszugeben, muss sie im laufenden vierten Quartal fast eine Milliarde weniger ausgeben - ein ehrgeiziges Ziel. "Wir werden alles dafür tun, dass es in diesem Jahr im vierten Quartal nicht den bislang typischen Kostenanstieg geben wird", verspricht Sewing.

Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings bereits jetzt, dass die Einnahmen weiter zurückgehen werden. Zwar ist der Schrumpfungsprozess teilweise gewollt, weil sich die Bank aus bestimmten Geschäften und Staaten zurückzieht.

Schrumpfprozess ist keine Strategie

Im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft leidet die Bank weiter unter der Zersplitterung der Bankenlandschaft mit ihren Sparkassen, Landes- und Volksbanken. Auch in der Vermögensverwaltung muss sie sich gegen die wachsenden Konkurrenten aus dem In- und Ausland behaupten. Die Fondstochter DWS leidet seit Monaten unter hohen Abflüssen, der Aktienkurs ist seit Börsengang im März von 33 auf zuletzt 25 Euro abgestürzt.

Der Rückgang der Einnahmen zieht sich also durch alle Sparten. Zudem ist der bereits von Sewings Vorgänger John Cryan angestoßene Schrumpfprozess keine in die Zukunft gerichtete Strategie, bleibt sie doch die Antwort auf die Frage schuldig, wie, wo und wann die Bank denn wieder wachsen will. Schlimmer noch: Auch bei ihren einstigen Stärken wie dem Investmentbanking hat sie in den letzten Jahren entscheidende Marktanteile verloren. Dabei zeigt sich erneut, dass die Erträge schneller sinken (minus 13 Prozent im dritten Quartal) als die Kosten (minus 3,2 Prozent).

Keine richtige Antwort

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

James von Moltke. | Bildquelle: Unternehmen

Bei einer Telefonkonferenz anlässlich der jüngsten Quartalszahlen weicht Finanzvorstand James von Moltke dem Problem aus: "Wir konzentrieren uns darauf, die Sachen zu kontrollieren, die wir kontrollieren können" - also die Kosten senken. Doch das ist keine Aussage, die Anleger zum Kauf der Aktie animieren könnte.

Das sehen die Analysten ähnlich. Die miserablen operativen Trends des dritten Quartals signalisierten, dass das laufende Umstrukturierungsprogramm der Bank nicht ausreichen dürfte, schrieb Analyst Jacques-Henri Gaulard in einer Reaktion auf die Zahlen. In die Aktien des Dax-Konzerns sollten Anleger nach wie vor nicht investieren.

Fusionsspekulationen sind "Bullshit"

Neben fundamentalen Gründen wird die Stimmung der Aktionäre auch von anderen Faktoren getrübt. Dazu zählt die ungewisse Haltung seines chinesischen Großaktionärs HNA. Nachdem dieser bereits im April seine Beteiligung an Deutschlands größtem Geldhaus auf weniger als acht Prozent reduziert hat, gab es zuletzt immer wieder Spekulationen über einen kompletten Ausstieg des schillernden Beteiligungsunternehmens.

Auch ein Befreiungsschlag in Form einer Fusion mit der Commerzbank ist zunächst nicht zu erwarten. Laut "Financial Times" hat Christian Sewing Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank in einer internen Telefonkonferenz mit Top-Managern als "Bullshit" bezeichnet.

Erster Überschuss angepeilt

Für die Deutsche Bank gehe es erst einmal darum, die Erträge anzukurbeln und die Lage der Bank zu verbessern. Das Argument von Managern der Deutschen Bank, die Commerzbank-Spekulationen erschwerten ihr Geschäft, dürfe nicht als Ausrede dafür hergenommen werden, dass interne Geschäftsziele nicht erreicht würden.

Allerdings kann niemand ausschließen, dass die Aktie nicht doch einen ähnlichen Aufschwung erleben könnte wie nach dem Herbst 2016. Damals hatte sich das Papier binnen weniger Monate von seinem Rekordtief bei 8,84 Euro auf über 17 Euro fast verdoppelt. Befeuert wurde der Aufstieg von der Aussicht auf eine Rückkehr in die Gewinnzone. Tatsächlich erzielte die Bank 2017 ein Ergebnis vor Steuern von 1,2 Milliarden Euro, nach einem Verlust von 810 Millionen Euro 2016.

Für dieses Jahr strebt Bankchef Sewing sogar den ersten Jahresüberschuss nach drei Verlustjahren an. "Wir sind auf gutem Wege, das Gesamtjahr 2018 mit einem Gewinn abzuschließen - zum ersten Mal seit 2014." Bisher scheinen die meisten Anleger dieser Aussage nicht zu trauen. Noch warten die Investoren auf ein entscheidendes Signal, das eine Trendwende einleiten könnte.

lg

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