Deutsche Bank-Turm in Peking

Nach dem Börsengang der DWS Deutsche Bank: In Asien schlummert noch ein Juwel

Stand: 27.03.2018, 13:19 Uhr

Die Deutsche Bank bleibt auch in diesem Jahr in schwierigem Fahrwasser. Nach dem Börsengang der Fondstochter DWS könnte sich das Geldhaus im Fall akuter Geldnot auch von seinem Asiengeschäft trennen.

Zwar gibt es derzeit keinerlei Anzeichen für einen solchen Schritt, doch haben sich die Finanzexperten von "Bloomberg" die Stellung der Deutschen Bank in Asien angeschaut und festgestellt: hier schlummert ein Juwel. Dass der Konzern seine Stellung als führende Investmentbank der Region eingebüßt hat, mindert die Bewertung kaum. Denn noch immer ist das Geldhaus unter den ersten zehn, vor dem US-Platzhirsch Goldman Sachs und der Schweizer UBS.

Das zeigen auch die Erfolge im Kapitalmarktgeschäft. So war die Deutsche Bank zusammen mit Morgen Stanley entscheidend an der Umwandlung einer 6,6 Milliarden Dollar schweren Anleihe des japanischen Softbank-Konzerns in Aktien der chinesischen Alibaba Group beteiligt. Nach Berechnungen des Branchenmagazins IFR soll es sich dabei um einen der lukrativsten Deals in diesem Bereich seit langem gehandelt haben.

In der ersten Reihe

Auch im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sitzt die Deutsche Bank in der Region Asien-Pazifik in der ersten Reihe. So fungierte sie im Februar als wichtigster Berater für die chinesische Beteiligungsgesellschaft Orient Hontai Capital bei der 1,9 Milliarden Euro schweren Übernahme des spanischen Filmproduzenten Imagina Media Audiovisual.

Lebensmittelstände in Beijing, China

Lebensmittelstände in Beijing, China. | Quelle: picture-alliance/dpa

Es ist also nicht so, wie Beobachter derzeit glauben könnten, dass die Deutsche Bank mit dem Börsengang ihrer Fondstochter DWS über keine weiteren lukrativen Sparten verfügt. Das in Asien schlummernde Potenzial im Investment Banking hat natürlich auch die Führungsriege der Bank erkannt.

Riesiges Wachstumspotenzial

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
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So sagte der Co-Chef der Kapitalmarktsparte, Alexander von Mühlen, kürzlich der "Börsen-Zeitung": "Das größte Wachstumspotenzial liegt in Asien. Einige der größten IPOs werden aus dem nichtamerikanischen Markt kommen, in Form von Unternehmen, die hier noch nahezu unbekannt sind, deren Marktkapitalisierung aber die von einigen großen Tech-IPOs in den USA übertreffen könnte." Laut von Mühlen will die Deutsche Bank verstärkt asiatische Unternehmen bei der Expansion nach Europa begleiten. Konkrete Ziele nannte der Manager jedoch nicht.

Auch umgekehrt, sind immer mehr Firmen aus Europa daran interessiert, mit einem Geldhaus zusammenzuarbeiten, das sowohl in Asien als auch auf dem Heimatmarkt zu Hause ist. Die Deutsche Bank will deshalb ihr China-Geschäft stärken. "Wir überlegen derzeit, eine Vollbanklizenz in China zu beantragen", sagte Asien-Chef Werner Steinmüller dem "Handelsblatt".

Skyline von Hongkong

Skyline von Hongkong. | Quelle: colourbox

Vollbanklizenz beantragt

Diese Lizenz würde es der Deutschen Bank erlauben, über ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem lokalen Partner Investmentbank-Produkte anzubieten. "Wir könnten dann auf dem chinesischen Festland Fusionen und Übernahmen für unsere Kunden organisieren, Börsengänge begleiten und Panda-Bonds (von Ausländern in Renminbi denominierten Anleihen) begeben. Das wäre ein riesiger Schritt, mit dem ich persönlich erst in zwei bis drei Jahren gerechnet habe", sagte der Asien-Vorstand.

Werner Steinmueller

Werner Steinmueller. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Schritt kommt weniger als ein Jahr, nachdem sich die Deutsche Bank von ihrem Minderheitsanteil an der chinesischen Hua Xia Bank getrennt hat. Mit Hua Xia wollte Deutschlands Branchenprimus unter anderem ein Kreditkartengeschäft in China aufbauen. Doch weil sich die Hoffnungen nicht erfüllten, und die Deutsche Bank Kapital benötigte, verkaufte sie Ende 2016 ihre Beteiligung.

Auch wenn der deutsche Branchenprimus derzeit eine turbulente Phase durchlebt, zeigt das Beispiel Asien welches Potenzial in der Deutschen Bank schlummert.

lg