Deutsche Bank und USA-Fahne nebeneinader

"Keine gut geführte Bank" Deutsche Bank: Erneuter Rüffel aus Amerika

Stand: 14.05.2020, 10:29 Uhr

Wenige Tage vor der Hauptversammlung haben die US-Finanzaufseher der Deutschen Bank erneut Defizite im Risikomanagement und bei der Geldwäschebekämpfung vorgeworfen. Keine guten Nachrichten für Vorstandschef Christian Sewing.

Auch die Aktionäre reagierten enttäuscht. Kurz nach Handelsbeginn verlor die Deutsche Bank-Aktie bis zu 3,5 Prozent und war kurz der größte Verlierer im Dax. Von dem Tagestief konnte sich das Papier zwar erholen, blieb jedoch einer der schwächsten Werte im Leitindex.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Abend aus einem internen Prüfbericht der US-Finanzaufseher berichtet, wonach die US-Niederlassung der Deutschen Bank nicht die Anforderungen einer "gut gemanagten" Bank erfülle. Es gebe in "signifikantem Umfang ernsthafte Schwächen" im Kampf gegen Geldwäsche und im Risikomanagement, zum Beispiel in der Steuerung von Liquiditätsrisiken. Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum von 2019 und Anfang 2020, also vor der Corona-Krise.

Bank erhält zweitschlechteste Note

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Ein Vorwurf der Behörde sei auch, so die Zeitung, dass es bei der Deutschen Bank immer noch ernste Probleme gebe, unsichere und ungesunde Bankgeschäfte zu erkennen und entsprechend zu adressieren. Außerdem habe die Bank Defizite und Verspätungen bei der Umsetzung von Maßnahmen, vor allem im Kampf gegen Geldwäsche und Sanktionsverstöße.

Insgesamt soll die Bank in dem Prüfbericht die Note vier erhalten haben, die zweitschlechteste Bewertung auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht). Es bestünden zudem Zweifel, ob die Deutsche Bank jemals als "gut gemanagt" eingestuft werden könne, was mindestens der Note zwei entspricht. Diese Note hat die Bank seit 2012 nicht erreicht. 

90 Tage Zeit, um zu reagieren

Ein unerwartet harsches Urteil, das Ende März dem Vorstand der Deutschen Bank zugestellt worden sei. Das Institut hat nun 90 Tage Zeit, darauf zu reagieren. Weder die Deutsche Bank, noch die Fed in New York, die für die Finanzaufsicht zuständig ist, wollten zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Aus Finanzkreisen verlautete lediglich, die Führungsspitze der Bank nehme den Rüffel der Behörde sehr ernst.

Die Aufseher stellen der Deutschen Bank damit erneut ein miserables Zeugnis aus. Bereits 2018 war bekannt geworden, dass das Geldhaus von Note drei auf vier abgerutscht war und damit automatisch auf die Liste der Problembanken der US-Einlagensicherung FDIC gerutscht ist. Dort werden Banken mit den zwei schlechtesten Bewertungen festgehalten.

Sewing räumt Defizite ein

Christiana Riley, Deutsche Bank

Christiana Riley, Amerika-Chefin Deutsche Bank. | Bildquelle: Unternehmen

Die Kritik der Aufseher wirft auch ein schlechtes Licht auf die im vergangenen Sommer von Bankchef Christian Sewing berufene Amerika-Chefin, Christiana Riley. Die hatte noch im Dezember gegenüber dem "Handelsblatt" betont, wie wichtig es für sie sei, die Beziehungen zu den Regulierungsbehörden zu verbessern. Dies habe oberste Priorität.

In seiner vorab veröffentlichten Rede anlässlich der Hauptversammlung der Bank kommenden Mittwoch räumte Sewing ein, die Bank habe viel in den Ausbau der internen Kontrollmechanismen investiert, sei aber noch nicht am Ziel. "Wir müssen uns hier weiter verbessern, müssen weiter in unsere Prozesse investieren – und das im engen Austausch mit unseren Regulatoren." Er hob hervor, die Bank habe 2019 erstmals beide Teile des Stresstests der US-Notenbank Fed bestanden.

lg