Vezerrt gespiegeltes Deutsche Bank-Logo auf Hochhausfassade

Bericht der "Financial Times" Deutsche Bank im Visier der britischen Aufsicht

Stand: 02.03.2020, 10:19 Uhr

Hat die Deutsche Bank den Kampf gegen Geldwäsche vernachlässigt? Genau diesen Vorwurf erhebt offenbar die britische Bankenaufsicht - mit möglicherweise verheerenden Folgen.

Wie die "Financial Times" berichtet, sei die Bank von der Aufsichtsbehörde verwarnt worden, da sie ihr internes Kontrollsystem gegen Geldwäsche nicht ausreichend ausgebaut habe. Der Zeitung zufolge warnten die Aufseher die Bank, dass ihr nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union der Zugang zum britischen Markt verwehrt werden könnte.

Das wäre eine verheerende Entscheidung, gehört doch London neben New York und Frankfurt zu den wichtigsten Standorten der Deutschen Bank. 7.000 Mitarbeiter sind dort angestellt, viele von ihnen arbeiten im Investmentbanking. Zwar will die Deutsche Bank große Teile davon abwickeln, was allein in London bis zu 3.000 Menschen den Job kosten könnte. Dennoch bleibt ein Zugang zum Londoner Kapitalmarkt für den deutschen Branchenprimus unverzichtbar.

Monatlicher Bericht verlangt

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Allerdings macht die Zeitung keine konkreten Angaben zu ihren Quellen. In dem Artikel heißt es, die Bank of England verlange einen monatlichen Bericht, wie das Frankfurter Geldhaus seine internen Überprüfungen verbessern wolle. Bislang war ein vierteljährlicher Informationsaustausch vorgesehen.

Die Deutsche Bank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, erklärte aber, die Zahl der Mitarbeiter in dem Geschäftsbereich seit 2015 verdreifacht zu haben. "Risiko und Kontrollen sind ein Bereich, auf den sich alle Institute fokussieren. Wir investieren weiterhin stark in diese Bereiche." Die britische Aufsichtsbehörde FCA und die Bank of England waren zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

Auch in Danske Bank-Skandal verwickelt

Die Deutsche Bank steht seit einigen Jahren wegen Lücken in der Geldwäschebekämpfung und anderen Kontrollen verstärkt im Visier der Aufsichtsbehörden in den USA, Deutschland und anderen Ländern. In früheren Verfahren wegen Geldwäsche-Verstößen zahlte die Deutsche Bank in den USA und Großbritannien bereits Strafen von rund 700 Millionen Dollar.

Derzeit wird im Rahmen des weltgrößten Geldwäsche-Skandals bei der Danske Bank gegen die Deutsche Bank ermittelt. Sie war jahrelang als Korrespondenzbank für das dänische Institut zuständig.

Im vergangenen Jahr hatten Staatsanwälte und Beamte des Bundeskriminalamts deswegen Unterlagen in den Räumen der Deutschen Bank sichergestellt. Über die Filiale der Danske Bank in Estland waren in den Jahren 2007 bis 2015 verdächtige Zahlungen in einem Volumen von 200 Milliarden Euro gelaufen. Den Großteil davon wickelte die Deutsche Bank ab.

lg/rtr