Theodor Weimer

Möglicher Nachfolger von Achleitner? Deutsche Bank holt Börsenchef in den Aufsichtsrat

Stand: 20.03.2020, 10:07 Uhr

Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer zieht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Eine Nominierung mit möglicherweise weitreichender Bedeutung.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank will den 60-jährigen Theodor Weimer bei der Hauptversammlung, die nach jetzigem Stand am 20. Mai stattfinden soll, zur Wahl vorschlagen.

Weimer soll die Nachfolge von Katherine Garrett-Cox (52) antreten, die ihr Amt zur Hauptversammlung 2020 niederlegt. "Mit Theodor Weimer, der neu in den Aufsichtsrat einziehen soll, gewinnen wir einen Kenner der deutschen und europäischen Finanzindustrie und herausragenden Banker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank,“ schrieb Paul Achleitner, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank.

Potenzieller Kandidat für den AR-Vorsitz?

Die Personalie lässt aufhorchen, denn Weimer gilt Insidern zufolge als potenzieller Kandidat für die Nachfolge von Achleitner, der 2022 aufhören will. Weimer gilt als bestens vernetzt in der Finanzwelt, war er doch vor seiner Berufung zum Börsenchef Vorstandsvorsitzender der HypoVereinsbank und Partner von Goldman Sachs in Deutschland.

Weimer hat die Führung der Deutschen Börse im Januar 2018 übernommen, nach einem turbulenten Jahr für den Börsenbetreiber. 2017 war der geplante Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) gescheitert, ein auf den damaligen Konzernchef Carsten Kengeter zugeschnittenes Vergütungsprogramm zog Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen möglichen Insiderhandels nach sich. Weimer schaffte die Trendwende und legte zuletzt für 2019 einen Milliardengewinn vor.

Weimers Vertrag läuft bis 2024

Achleitners reguläre Amtszeit endet zwar erst mit der Hauptversammlung 2022, doch ist es durchaus üblich, dass sich der AR-Chef der Deutschen Bank bereits lange vorher mit den Verhältnissen in dem Haus vertraut macht.

Allerdings wurde der Vertrag von Weimer als Börsenchef erst vor wenigen Wochen um vier Jahre bis zum 31. Dezember 2024 verlängert. Die Börse hatte bereits im Herbst Spekulationen über einen Wechsel Weimers an die Spitze des Deutschen-Bank-Aufsichtsrats zu dämpfen versucht, indem sie ihm schon damals eine langjährige Vertragsverlängerung in Aussicht stellte.

Nur halb so viel Boni wie im Vorjahr

Im Januar hatte die Deutsche Bank bereits Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel für ihren Aufsichtsrat nominiert. Gabriel wurde im März gerichtlich als Aufsichtsrat bestellt und wird sich bei dem Aktionärstreffen ebenfalls zur Wahl stellen.

Die Aktionäre sollen bei dem jährlichen Treffen auch über ein neues Vergütungssystem entscheiden, wie die Deutsche Bank in ihrem Geschäftsbericht ankündigte. Trotz eines Verlusts von mehr als fünf Milliarden Euro im vergangenen Jahr zahlt sich der Vorstand der Deutschen Bank für 2019 einen Bonus von insgesamt 13,3 Millionen Euro aus. Das ist rund halb so viel wie im Vorjahr, als die Vorstandsmitglieder 25,8 Millionen bekamen.

Corona könnte erhebliche Auswirkungen haben

Die konzernweit 88.000 Mitarbeiter erhalten für das vergangene Geschäftsjahr Boni von insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Das sind rund 22 Prozent weniger als für 2018 ausgeschüttet wurde. Jedoch hat sich die Deutsche Bank im Zuge ihres Konzernumbaus, dem insgesamt 18.000 Jobs zum Opfer fallen sollen, bereits von vielen üblicherweise hochbezahlten Investmentbankern getrennt.

583 (Vorjahr: 643) Mitarbeiter kassierten eine Gesamtvergütung von mehr als einer Million Euro, einer davon kam auf eine Summe von mehr als 13 Millionen Euro.

Die Auswirkungen der Corona-Krise lassen sich noch nicht beziffern, da die Dauer und Schärfe der Ausbreitung offen ist. Dennoch geht der Vorstand davon aus, dass durch einen anhaltenden Abschwung die Bank "in erheblicher Weise" negativ beeinträchtigt werde. So sei klar, dass die Risikovorsorge im Kreditgeschäft steigen werde.

lg