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Notfallpläne ausreichend Deutsche Bank: Grünes Licht aus Amerika

Stand: 21.12.2018, 07:55 Uhr

Während die Deutsche Bank in Europa erneut Negativschlagzeilen produziert - Stichwort Anleihenkartell - bescheinigen die US-Behörden dem Geldinstitut, für den Notfall ausreichend gerüstet zu sein.

Die Pläne hätten zwar Schwächen, diese seien aber nicht so schwerwiegend, dass zusätzliche Auflagen nötig würden, teilten die Finanzaufseher der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Einlagensicherung FDIC mit. Die Deutsche Bank begrüßte die Entscheidung der Regulierer und versprach, sich mit deren Kritik zu befassen. Auch drei weitere europäische Banken, Credit Suisse, UBS und Barclays erhielten grünes Licht.

Hintergrund für die Überprüfung der Notfallpläne ist die Finanzkrise, als der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 die Weltwirtschaft erschütterte. In der Konsequenz sollen Großbanken im Krisenfall nie wieder dem Steuerzahler zur Last fallen. Um dies zu verhindern, müssen die Institute den US-Aufsehern seit 2012 detaillierte Pläne vorlegen, wie sie sich in einer Schieflage selbst abwickeln würden.

Absprachen beim Anleihehandel?

Das US-Geschäft hatte der Deutschen Bank in der jüngeren Vergangenheit viele Probleme bereitet. Mehrmals rauschte die US-Tochter durch die Stresstests der Fed. Zudem mussten in den letzten Jahren etliche hohe Strafen wegen diverser Rechtskonflikte in den USA gezahlt werden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Derweil hat die EU vier Banken - darunter die Deutsche Bank und die Credit Suisse - wegen des Verdachts auf Absprachen beim Handel mit Dollar-Anleihen ins Visier genommen. Die Geldhäuser sollen zwischen 2009 und 2015 mehrfach sensible Geschäftsinformationen ausgetauscht und die Preise für bestimmte Dollar-Anleihen abgesprochen und dadurch manipuliert haben. Die entsprechenden Kontakte der Händler untereinander seien hauptsächlich über Online-Chatrooms erfolgt.

Aktie auf Rekordtief

Die Absprachen bezogen sich demnach offenbar auf den Handel mit supranationalen, staatlichen sowie halbstaatlichen Anleihen in Dollar. Die vier Banken seien von der Kommission darüber informiert worden, dass sie damit möglicherweise gegen EU-Kartellvorschriften verstoßen haben. Ihnen droht nun theoretisch eine Strafe von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Die EU kann allerdings in einem solchen Verfahren demjenigen die Strafe erlassen oder diese abmildern, der die Verfehlungen anzeigt.

Das hat die Deutsche Bank offenbar getan. Das Institut, einer der weltgrößten Anleihehändler, erklärte, man rechne nicht mit einer Geldstrafe und habe "in dieser Sache proaktiv mit der EU-Kommission zusammengearbeitet". Daher sei dem Institut Immunität gewährt worden. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, wollte das größte deutsche Geldhaus keinen weiteren Kommentar zu dem Verfahren abgeben.

Dennoch hat der Verdacht, an einem Anleihekartell beteiligt zu sein, die Aktie der Deutschen Bank weiter unter Druck gebracht. Am Donnerstag markierte sie mit 6,99 Euro ein neues Allzeittief.

lg/dpa/rtr