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400 Millionen Euro Gewinn und stabile Erträge Deutsche Bank macht Fortschritte

Stand: 25.07.2018, 11:50 Uhr

Das größte deutsche Geldhaus kommt beim Umbau voran. Die lange wegbröckelnden Einnahmen haben sich im zweiten Quartal stabilisiert - vor allem im Privatkundengeschäft. Der Anleihehandel bleibt aber ein Sorgenkind.

Insgesamt sank zwar der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 401 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal 2018, als nur 120 Millionen Euro hängen blieben, ist das aber ein großer Fortschritt. Vor Steuern verdiente der deutsche Branchenprimus 711 Millionen Euro. Die vor zehn Tagen veröffentlichten Eckdaten wurden bestätigt.

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Dabei zahlte sich die Kostendisziplin aus. Die bereinigten Kosten gingen im Jahresvergleich um ein Prozent auf 5,6 Milliarden Euro zurück. Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing äußerte sich zufrieden mit dem Ergebnis: "Im zweiten Quartal haben wir den Umbau unserer Bank erheblich beschleunigt und gleichzeitig unter Beweis stellen können, wie stabil unser Geschäft weltweit ist", erklärte der 48-Jährige. Der Zusammenschluss des Privat- und Firmenkundengeschäfts mit der Tochter Postbank sei planmäßig abgeschlossen worden. Und auch der Umbau der Unternehmens- und Investmentbank komme voran. "Es gibt aber noch viel zu tun", sagte Sewing in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Erträge im Anleihehandel sacken weiter ab

Im Aktien- und Anleihehandel freilich konnte der Ertragsschwund nicht gestoppt werden. Im Aktiengeschäft, das Vorstandschef Christian Sewing massiv eindampfen will, sanken die Erträge zwischen April und Juni um sechs Prozent auf rund eine halbe Milliarde Euro. In der einstigen Paradedisziplin, dem Anleihenhandel, schrumpften die Erträge gar um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Sewing erklärte, er gehe davon aus, dass sein Institut im Handel mit Anleihen und Währungen gemessen an den Erträgen global die Nummer vier bleiben wird.

Besser lief es im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Hier konnten die Erträge nahezu stabil gehalten werden – bei rund 2,5 Milliarden Euro.

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Bei der Fondsgesellschaft DWS stiegen die Erträge sogar - um drei Prozent auf 576 Millionen Euro. Das bereinigte Vorsteuerergebnis kletterte um sieben Prozent auf 149 Millionen Euro. Allerdings verzeichnete m zweiten Quartal verzeichnete die seit März an der Börse notierte DWS erneut Mittelabflüsse von knapp fünf Milliarden Euro. Dies sei nicht erfreulich, sagte Vorstandschef Nicolas Moreau am Mittwoch. Die DWS-Aktien büßen 2,5 Prozent ein.

Zuversicht für das Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr rechnet Sewing weiterhin mit insgesamt stabilen Erträgen bei der Deutschen Bank: 2017 hatte das Geldhaus 26,4 Milliarden Euro oder zwölf Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr und zugleich das dritte Verlustjahr in Folge hinnehmen müssen.

Die Aktien der Deutschen Bank reagierten verhalten auf die endgültigen Zahlen. Zur Xetra-Eröffnung lagen sie 0,3 Prozent im Minus. Ein Börsianer sah keine neuen Impulse. Das Geldhaus mache zwar gute Fortschritte bei seinem Sparkurs, schrieb Analyst Kian Abouhossein von der Bank JPMorgan Cazenove. Über den Berg sei es aber noch nicht.

Trotz erster Fortschritte von Sewing & Co. könnte der Bank bald neues Ungemach drohen. Denn nach dem massiven Einbruch des Aktienkurses 2018 besteht die Gefahr, dass das Papier im Spätsommer aus dem europäischen Leitindex Euro-Stoxx-50 fällt. Dann müssten sich viele Fonds von der Aktie trennen.

nb

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Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.