HNA Group-Zentrale

Gerüchte um HNA Geht dem Großaktionär der Deutschen Bank das Geld aus?

Stand: 05.01.2018, 14:25 Uhr

Während sich der Dax zu neuen Höhen aufschwingt, gerät die Deutsche Bank-Aktie unter Druck. Grund sind Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des chinesischen Großaktionärs HNA.

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg haben mehrere Töchter des chinesischen Mischkonzerns und Deutsche-Bank-Großaktionärs HNA Zahlungen versäumt. Vier Banken hätten bislang keine für das vergangene Jahr fälligen Kapital- oder Zinszahlungen erhalten, hieß es. Dabei wollten die informierten Personen weder die Namen der betroffenen Töchter, der Banken oder das Volumen der ausstehenden Gelder nennen.

Damit seien die Zweifel an dem chinesischen Mischkonzern aus dem Dezember wieder hochgekocht, sagte ein Händler. HNA hält nach letztem Stand knapp unter zehn Prozent der Anteile am deutschen Branchenprimus. Anfang Dezember war bekannt geworden, dass die Finanzaufsicht BaFin untersucht, ob HNA beim Anteilskauf korrekte Stimmrechtsangaben gemacht hat.

Probleme mit chinesischen Banken

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die China Citic Bank hatte im vergangenen Monat erklärt, eine HNA-Tochter habe Schwierigkeiten mit der Rückzahlung einiger kurzfristiger Wechsel. Allerdings seien die Dinge im steten Fluss, hieß es nun. Untermauert werde dies etwa dadurch, dass eine Bank einige Kreditlinien bereits wieder geöffnet habe, nachdem HNA-Töchter zusätzliche Sicherheiten hinterlegt hätten. Im vergangenen Monat habe zudem die China Development Bank HNA eine Kreditlinie von umgerechnet 771 Millionen Dollar gewährt, von der bereits ein Teil in Anspruch genommen worden sei. Ein HNA-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

HNA ist vor allem durch seine groß angelegte Einkaufstour bekannt. So gab der Mischkonzern in den vergangenen zwei Jahren geschätzt mehr als 40 Milliarden Dollar für Zukäufe aus. Darunter waren große Anteilspakete an der Deutschen Bank (9,9 Prozent) oder der Hotelgruppe Hilton.

Unklare Finanzierungsstruktur

HNA Group-Zentrale

HNA Group-Zentrale. | Bildquelle: picture alliance / Da Qing/Imaginechina / dpa

Angesichts der zahlreichen Zukäufe ist die Frage aufgekommen, wie sich der vor allem in der Touristik und der Luftfahrt engagierte Konzern eigentlich finanziert und wer letztlich den Konzern kontrolliert. Was im Hauptsitz des Konzerns auf der südchinesischen Urlaubsinsel Hainan wirklich vor sich gehe, wisse niemand, berichtete im letzten Jahr das "Wall Street Journal" in einem bitterbösen Artikel.

So sei völlig unklar, woher Konzernchef Chen Feng die vielen Milliarden Dollar nehme, um sich weltweit in verschiedensten Firmen und Branchen einzukaufen. Interviewanfragen beantworte das Unternehmen nicht, Auftritte der Führungsriege seien selten.

Klagen deutscher Fondsgesellschaften

Schilder der Deutschen Bank und der Postbank

Deutsche Bank & Postbank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Deutsche Bank muss sich derweil auf Klagen von großen deutschen Fondsgesellschaften einstellen. Allianz Global Investors (AGI), Union Investment und Deka Investments fordern eine Nachzahlung, weil die Deutsche Bank ihrer Meinung nach bei der Postbank-Übernahme zu wenig gezahlt hat. Auch andere Anleger haben bereits Klagen wegen der Postbank-Übernahme eingereicht, das Volumen der Forderungen liegt inzwischen bei über 800 Millionen Euro.

lg