Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Neuer Großinvestor Deutsche Bank: Erfolg für Sewing

Stand: 06.02.2020, 12:54 Uhr

Wer hätte das gedacht? Nur wenige Tage, nachdem die Deutsche Bank einen neuen Milliardenverlust verkündete, kann sie einen neuen Großinvestor präsentieren, Capital Group. Ein Vertrauensbeweis in den Kurs von Bankchef Christian Sewing.

Wie am Vormittag bekannt wurde, ist die US-Investmentgesellschaft Capital Group aus Los Angeles bei dem deutschen Geldhaus eingestiegen und hat 64 Millionen Aktien oder 3,1 Prozent der Anteile im Wert von rund einer halben Milliarde Euro gekauft.

Damit ist Capital Group einer der sechs größten Investoren der Bank. Unter anderem sind die Scheichs aus Katar über zwei Fonds mit insgesamt mindestens 6,1 Prozent beteiligt. Zudem halten der Finanzinvestor Cerberus und die US-Investmentfirma Blackrock größere Aktienpakete.

Aktie steigt zeitweise um zehn Prozent

An der Börse kam der neue Investor gut an. Die Deutsche-Bank-Aktie klettert zuletzt um knapp zehn Prozent auf über 9,00 Euro und ist damit mit Abstand größter Gewinner im Dax. Seit Anfang des Jahres gewann der Titel 24 Prozent an Wert, nachdem er im Sommer 2019 noch auf ein Rekordtief von 5,78 Euro eingebrochen war.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,89
Differenz relativ
+8,50%

Die Deutsche Bank begrüßte den neuen Großaktionär. "Wir freuen uns über alle Aktionäre, besonders über solche, die eine Erfahrung und Glaubwürdigkeit wie Capital mitbringen", sagte ein Sprecher. Capital Group wollte sich nicht äußern.

Vertrauensbeweis für Sewing

Die Überraschung ist Bank-Chef Sewing gelungen, hatte er doch erst in der vergangenen Woche einen milliardenschweren Verlust für das vergangene Jahr vermeldet. Allerdings haben Sewing und sein Finanzchef James von Moltke in vergangenen Wochen kräftig für den gut sieben Milliarden Euro schweren Umbau geworben. Das Geldhaus will sich stärker auf Firmen- und Privatkunden fokussieren und weniger im kapitalmarktabhängigen Investmentbanking machen, das immer wieder für hohe Verluste gesorgt hat.

Weltweit streicht das Institut in den kommenden Jahren 18.000 Jobs. Der Anleihehandel wird zurechtgestutzt, der Aktienhandel komplett dicht gemacht.

Langfristig orientiert

Capital Group verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von fast zwei Billionen Dollar. Die Gesellschaft gilt als langfristig orientierter Investor, der weder kurzfristig noch aktivistisch orientiert ist. Die Investmentgesellschaft sei früher bereits an der Deutschen Bank beteiligt gewesen, habe dann aber Anteile verkauft und sich gegen Ende des vergangenen Jahres für den Wiedereinstieg entschieden, sagt ein Insider.

lg/rtr