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Bankhaus um Umbruch Die Skepsis bleibt

Stand: 26.10.2017, 07:42 Uhr

Während die Konkurrenz aus Europa und Amerika längst wieder Milliarden scheffelt und die Ranglisten der größten und teuersten Banken dominiert, fällt die Deutsche Bank weiter zurück. Und noch ist kein Ende der Schrumpfkur in Sicht. Das weckt Misstrauen.

Wie groß die Skepsis ist, zeigt ein Blick auf die Aktienentwicklung der letzten Monate. Nachdem sich das Papier seit dem Tief im September 2016 bis Mai diesen Jahres beinahe verdoppelt hatte, musste es seitdem kräftig Federn lassen. Das Minus beträgt fast 20 Prozent. Damit hat sich die Deutsche-Bank-Aktie deutlich schlechter entwickelt als der Dax. Auch die Titel der meisten amerikanischen und europäischen Konkurrenten sind den Frankfurtern davon geeilt.

Sie haben sich seit Mai zwar auch nicht als Kursraketen erwiesen, konnten aber ihre zwischenzeitlichen Verluste wieder wettmachen. Die Commerzbank-Aktie hat, getrieben von Übernahmegerüchten, sogar 30 Prozent zugelegt.

Skeptische Analysten

Glaubt man dem Analysten der Citigroup, ist die Deutsche Bank-Aktie mit gut 14 Euro immer noch viel zu teuer. So hat der Experte noch vor den Zahlen zum dritten Quartal seine Einstufung bestätigt, dass die Deutsche Bank-Aktie nicht mehr als 9,50 Euro wert ist und verkauft werden sollte. Das zweite Quartal in Folge seien die Kapitalmarkttrends in Europa schwach gewesen und es scheine, als habe sich das auch im Oktober fortgesetzt, schrieb Analyst Andrew Coombs in einer Branchenstudie am Montag.

Dass die einst stolze Deutsche Bank auch im europäischen Vergleich nur noch ein Leichtgewicht ist, zeigt ein Blick auf die Marktkapitalisierung. So bringt es die spanische Privatkundenbank Banco Santander derzeit auf ein Gewicht von 83 Milliarden Euro. Die französische BNP Paribas ist sogar 85 Milliarden Euro wert, die Schweizer UBS bringt 55 Milliarden Euro auf die Waage. Dagegen ist die Deutsche Bank gerade einmal 30 Milliarden Euro wert.

Hiobsbotschaften

John Cryan hatte es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht leicht: Zusätzlich zu dem ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld für die Banken prasselten in schöner Regelmäßigkeit Hiobsbotschaften über unzufriedene Großinvestoren und Querelen mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf ihn herein. Hinzu kamen Schlagzeilen, dass Cryan bis dato keine Zeit gefunden habe, bei seinem jüngsten Großaktionär HNA wenigstens zum Antrittsbesuch vorbeizuschauen, haben sich nicht für gute Stimmung gesorgt.

Zwar wagte sich kaum ein Kritiker namentlich aus der Deckung, doch dürfte die Welle schlechter Nachrichten der Bank kaum geholfen haben, verlorenes Terrain wieder gutzumachen. Zu allem Überfluss stufte Ende September auch noch die Ratingagentur Fitch die Bonitätsbewertung für das Institut um eine Stufe von "A-" auf "BBB+" ab - mangels Glauben an eine baldige Erholung.

John Cryan

John Cryan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kosten sinken schneller als die Erträge

Für Enttäuschung haben vor allem die Zahlen des zweiten Quartals gesorgt, offenbarten sie doch, dass der Umbau der Bank noch lange nicht beendet ist, sich als deutlich zäher erweist als gedacht. So sind die Erträge in allen wichtigen Sparten gesunken. Allein im Aktienhandel nahm die Bank 28 Prozent weniger ein als im Vorjahreszeitraum.

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Wie gefährlich ist die Deutsche Bank, Herr Cryan?

Über alle Sparten hinweg lagen die Erträge zwischen Anfang April und Ende Juni mit 6,6 Milliarden Euro um zehn Prozent unter dem Vorjahr. Einer der wichtigsten Gründe dieser Entwicklung war der schwächelnde Handel, vor allem mit Anleihen - lange Jahre eine sichere Bank für das Institut. auch in den Sommermonaten sind die Einnahmen weiter gesunken, erneut um zehn Prozent. Doch die Sparpolitik zeigt erste Früchte: Weil die Kosten stärker gesunken sind als die Einnahmen, nämlich um 14 Prozent, konnte die Bank entgegen den Erwartungen einen höheren Gewinn ausweisen.

Strategische Großprojekte

Doch es verbleiben wichtige Baustellen. Strategische Großprojekte wie der Börsengang der Vermögensverwaltung und die Integration der Postbank erweisen sich als zäher als erhofft. Auf Seiten einflussreicher Investoren wird die Kritik an Cryans Amtsführung aber auch mit Blick auf die Zahlen immer lauter: "Wenn der Vorstandschef der Deutschen Bank, wie er selbst sagt, mehr als die Hälfte seiner Zeit mit Kunden verbringt, dann muss sich das im Geschäft niederschlagen."

lg

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