Banken

Deutsche Bank Chefs Anshu Jain (rechts)  und Jürgen Fitschen

Hauptversammlung Deutsche Bank-Chefs werben um Vertrauen

Stand: 22.05.2014, 14:00 Uhr

Auf der Hauptversammlung der Aktionäre haben sich die Chefs der Deutschen Bank weitgehend selbst gelobt und die Fortschritte beim Umbau des Geldinstituts angepriesen. Dabei warben Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor allem um Geduld und Vertrauen, mussten sich jedoch harscher Kritik erwehren.

Kaum hat Co-Chef Jain seine Rede begonnen, beginnen Kapitalismuskritiker ihre Parolen zu skandieren: "Bei jeder Schweinerei ist die Deutsche Bank dabei." Der Bankchef hält inne, Aufsichtsratschef Paul Achleitner lässt sie ein paar Minuten gewähren, ehe die Sicherheitsleute die "Blockupy"-Demonstranten gemächlich aus dem Saal schieben - unter dem Beifall vieler Aktionäre.

Auch vor der Festhalle herrscht an diesem Donnerstag eher Jahrmarkt-Atmosphäre als aggressive Protest-Stimmung. Begrüßt werden die Aktionäre, die zur Hauptversammlung eilen, von einem großen Papp-Schwein. Das sei das "Grunzmobil", erklärt Carsten Halmanseder von der "Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt".

Drinnen loben Jain und Fitschen sich selbst. Deutschlands größtes Geldhaus sei bei der Umsetzung seiner "Strategie 2015+" auf Kurs, sagte Jain am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Dabei verwies er auf die zahlreichen Altlasten, mit denen sich Deutschlands größte Bank herumschlagen muss. "An dieser Stelle sagen wir ganz offen: Einige der Herausforderungen waren größer als wir erwartet hatten."

Erst Hausaufgaben machen

Fitschen fügte hinzu, die Bank wisse, dass eine Dividende von 75 Cent je Aktie - das Niveau stagniert seit Jahren - langfristig nicht zufriedenstellend sei. Zunächst müssten aber die Hausaufgaben gemacht werden. "Wir wollen Ihre Deutsche Bank in einer sehr kleinen globalen Spitzengruppe etablieren, die eine neue Ära der Bankenbranche prägen wird."

Die Deutsche Bank sei eine der wenigen europäischen Banken, die das Potenzial habe, auch künftig eine führende Rolle im internationalen Kapitalmarkt zu spiele, sagte auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Das Institut will anders als viele europäischen Konkurrenten an einem umfassenden Kapitalmarktgeschäft festhalten und damit den US-Banken Paroli bieten.

Kritik der Aktionäre

Einige Großaktionäre haben allerdings Zweifel an dieser Strategie. "Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine riesige Lücke", schimpft etwa Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Gemessen an ihrem Börsenwert rangiert die Deutsche Bank weltweit nur auf Rang 44 im Bankensektor." Der Absturz der Aktie um drei Viertel seit der Finanzkrise sei enttäuschend. Jetzt müssen sich die Investoren mit der neuen Kapitalerhöhung eine weitere Verwässerung gefallen lassen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,16
Differenz relativ
+1,45%

Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW nimmt der Bank den "Kulturwandel" noch nicht ab. Denn dazu zähle auch absolute Offenheit bei der Aufarbeitung der Rechtsstreitigkeiten aus der Finanzkrise. Genau das vermisse er aber. "Die Deutsche Bank ist heute eine gigantische Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft."

1.000 Rechtsstreitigkeiten

Tatsächlich musste Finanzchef Stefan Krause einräumen, dass die Deutsche Bank derzeit in 1.000 Rechtsstreitigkeiten mit einem Streitwert über 100.000 Euro verwickelt ist. Außerdem liefen 180 Verfahren mit Aufsichtsbehörden. Ob und in welchem Umfang die Bank ihre zuletzt rund zwei Milliarden Euro schweren Rückstellungen hochschrauben muss, wollte Krause nicht sagen. Die Deutsche Bank gehe an der Rechtsfront aber von anhaltendem Gegenwind aus. Hier eine Übersicht der größten Baustellen.

Hohe Kosten

Zuvor hatte sich Co-Chef Fitschen über die hohen Kosten der neuen Regulierungsvorschriften beklagt und diese für das Sparprogramm der Bank verantwortlich gemacht. Am offiziellen Ziel, bis zum kommenden Jahr 4,5 Milliarden Euro im Vergleich zu 2012 zu sparen, hielt er fest. Bislang habe der Konzern 2,3 Milliarden Euro an Einsparungen erreicht und liege damit zur Halbzeit des Programms über dem eigenen Plan. Um Zweifel an ihren Puffern gegen neue Krisen zu beseitigen, hatte das Institut am Sonntag eine weitere Kapitalerhöhung angekündigt.

Sie soll acht Milliarden Euro in die Kassen bringen und beschert dem deutschen Branchenprimus einen neuen Großaktionär in Person eines Scheichs aus Katar. Fitschens Partner an der Spitze der Bank, Anshu Jain, verteidigte diese Weichenstellung: "Wir reagieren entschlossen auf neue Kapitalregeln." Zudem verbessere das Institut damit seine Position im Vergleich zu den internationalen Konkurrenten und verschaffe sich Spielräume für neue Investitionen. Es ist die dritte Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank seit der Finanzkrise.

lg/rtr/dpa

Alle Kommentare (6)

Kommentar von "Don.Corleone" am 22.05.2014, 17:21 Uhr

Wenn d. Dt. Bank "Kohle" fehlt, wird einfach "Neue Kohle" generiert . Was wäre bei einer Zahlungsverweigerung ? einem Stillen Protest sozu- sagen ? Für diese miese Leistung bekommen d. CEO`u. Co.. soviel Kohle ? Irgendwie unverständlich , wo doch auch objektiv klar ist , das es sich bei Denen um "Nieten in Nadelstreifen" handelt . Fakten kann man Nicht wegretuschieren !

Kommentar von "reiner tiroch" am 22.05.2014, 17:10 Uhr

ach Goddele, die trauen sich um Vertrauen zu Werben? sie haben über 1000 prozesse wegen Betrug am Hals, und verdoppeln sich die Boni und Gehälter. als nächstes wird wie von Draghi gefordert die Bilanzregulierung gemacht wo der Bilanzschrott in den ESM und damit dem Steuerzahler und Bürger an die Backe geheftet werden. sind das 40% wie bei den LB´s die schon 735 MRD ablegten, oder sind es da 1-2 Billionen? ich Vertrauen euch nicht!!!

Kommentar von "mike301243" am 22.05.2014, 17:01 Uhr

Deutsche Bank und VERTRAUEN? Dank ihrer guten Anwälte musste bisher noch keiner aus dem Vorstand in den Knast! Die halbherzigen Vergleiche in der letzten Zeit zeigen doch nur, dass die DB jahrelang gegen bestehendes Recht gehandelt haben!

Kommentar von "Julius Anton" am 22.05.2014, 16:06 Uhr

In wieviel Rechtsverfahren steckt diese Bank? Das liest sich ja wie bei einer kriminellen Vereinigung. Die Bank sollte aus meiner Sicht den Namen "Deutsche" Bank ablegen. Hier wird ein ganzes Land in ein schlechtes Licht gerückt.

Kommentar von "Josef Harsch" am 22.05.2014, 15:38 Uhr

Eigenlob hat schon immer gestunken. Die Aktionäre müssen sich vera.... vorkommen.

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