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Nach dem Stresstest ist vor dem Stresstest Deutsche Bank - zu früh gefreut?

Stand: 22.06.2018, 12:46 Uhr

Endlich mal gute Nachrichten für die Deutsche Bank: Sie hat den ersten Stresstest der amerikanischen Notenbank bestanden. Sogar mit Bravour. Gut für die Aktie, Schnäppchenjäger greifen heute zu. Wenn das mal nicht zu früh ist.

In letzter Zeit ist die Deutsche Bank eigentlich auf Negativ-Meldungen abonniert. Gestern Abend kam zur Abwechslung mal eine gute: Wie die amerikanische Notenbank Fed mitteilte, haben alle 35 Großbanken den ersten Teil des jährlichen Stresstests der Finanzaufseher bestanden. Auch die US-Tochter der Deutschen Bank. Sie verfügt über genügend Kapitalreserven im Falle einer Rezession.

Laut der Fed erfüllte die US-Tochter DB USA die Vorgaben sogar deutlich. Selbst in einem sehr negativen Szenario würde die harte Kernkapitalquote (CET1) nicht unter 12,2 Prozent fallen. Der mindestens erforderliche Wert von 4,5 Prozent wurde also deutlich übertroffen.

Bankaktien steigen

An der Börse machte sich Erleichterung breit. Die Aktien der großen europäischen Geldhäuser in den USA legten zu. Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank gehörten zu den großen Gewinnern im deutschen Leitindex Dax.

Der europäische Branchen-Index des Stoxx 600 notierte ein Prozent im Plus und lag damit weit vorn im Branchentableau.

Allerdings muss man das Kursplus von rund 1,5 Prozent bei der Deutschen Bank relativieren. Denn gestern hatte die Aktie mehr als zwei Prozent verloren.

Verwarnung von Fitch

Ganz ohne Negativmeldungen ging es für die Deutsche Bank aber doch nicht. Die Ratingagentur Fitch warnte trotz bestandenem Stresstest vor substantiellen Risiken – und senkte ihren Ausblick auf „negativ". Das bedeutet, dass sie eine Herabstufung der Bonitätsnote erwägt.

Fitch begründete den negativen Ausblick mit dem laufenden Umbau des Konzerns, den der neue Deutsche Bank-Chef Christian Sewing angestoßen hat. Der Umbau bringe ein substantielles Risiko mit sich. Sollte es Deutschlands größtem Geldhaus nicht gelingen, das Geschäftsmodell durch die Restrukturierung zu stärken, würde eine Abstufung der Bonitätsnote folgen. Anfang Juni hatte bereits die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Deutsche Bank herabgestuft.

Die Problembank

Die Kursgewinne könnten auch voreilig sein, weil es erst im zweiten Teil des Stresstests spannend wird. Das Ergebnis wird nächsten Woche Donnerstag veröffentlicht. Hier fiel die Deutsche Bank in den Jahren 2015 und 2016 durch.

Im Stresstest Nummer 2 kommen die internen Kontrollen und das Risikomanagement der Banken auf den Prüfstand. Die Deutsche Bank könnte dabei wieder Schwierigkeiten bekommen. Einige Bankanalysten haben sich hier im Vorfeld skeptisch gezeigt. Vor allem der Derivatebestand, den die Deutsche Bank in ihrem so genannten Handelsbuch hat, gilt für viele Experten als sehr riskant.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,72
Differenz relativ
-0,44%

Laut Medienberichten wurde der US-Ableger des Geldhauses von der Fed bereits als Problemfall eingestuft. Die Deutsche Bank gehört zur Gruppe von Instituten, die von den Aufsehern wegen ihrer Größe, ihrer Vernetzung innerhalb des Finanzsystems und wegen ihrer Geschäfte besonders kritisch geprüft werden.

Auch die US-Einlagensicherung FDIC hatte einem Bericht der "Financial Times" zufolge die US-Tochter der Deutschen Bank im ersten Quartal auf eine Liste von "Problembanken" gesetzt. Vor einigen Jahren nannte der Internationale Währungsfonds sie sinngemäß die riskanteste Bank der Welt.

Das hatte den Dax-Titel Ende Mai stark belastet. Er war auf den tiefsten Stand seit Oktober 2016 gefallen und konnte sich seither kaum erholen.

Wie geht es weiter mit der Aktie?

Nun spekulieren Börsianer auf eine Trendwende. Nach dem Motto "schlimmer geht's nimmer" greifen einige Schnäppchenjäger zu. Unterstützung gibt es von Chartanalysten, die beim aktuellen Kurs von 9,50 Euro keinen Anlass zur Beunruhigung sehen.

Allerdings sind längst nicht alle Analysten überzeugt, dass es zwingend aufwärts geht. So hat das Analysehaus RBC Capital Anfang Juni sein Kursziel für die Deutsche Bank von 12,00 auf 8,00 Euro gesenkt. Seit ihrer Ersteinschätzung im Juni vergangenen Jahres habe sie gedacht, dass es für die Großbank nicht schlimmer kommen könne, schrieb Analystin Anke Reingen. Dies habe sich als Trugschluss erwiesen.

Die Meldungen, wonach das US-Geschäft für den dortigen Einlagensicherungsfonds als Problemfall gelte, habe die Sorgen vergrößert. Die Aufsichtsbehörden könnten in der Restrukturierung der Bank langsam die Geduld verlieren.

bs