Christian Sewing
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US-Geschäft auf dem Prüfstand Deutsche Bank vor harten Einschnitten

Stand: 24.04.2018, 14:25 Uhr

Der deutsche Bankenprimus hat kurz nach dem Amtsantritt von Christian Sewing nun auch einen neuen IT-Chef bekommen. Und möglicherweise wird in wenigen Tagen eine wichtige strategische Wende offiziell gemacht.

In einigen Medien sind die Pläne über "Insider" schon recht konkret durchgesickert. Reuters etwa beruft sich auf einen solchen mit der Meldung, dass die Deutsche Bank kurz davor steht, im Investmentbanking in den USA harte Einschnitte vorzunehmen. Dabei geht es laut der Agentur um das Handelsgeschäft mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten, aber auch um Dienstleistungen, die die Deutsche Bank in den USA für Hedgefonds erbringt.

Eine Festlegung, welche Bereiche wie stark abgebaut werden sollen, gibt es innerhalb der Bank offenbar noch nicht. Die Quelle wird aber mit den Worten zitiert: "Wir haben immer erklärt, dass wir eine mehr an den Bedürfnissen der Firmenkunden ausgerichtete Bank sein wollen." In den USA hat es die Bank mit den traditionellen Platzhirschen im Investmentbanking, Goldman Sachs, JPMorgan oder Morgan Stanley zu tun. Experten sind seit langem der Meinung, dass das Institut gegen die arrivierten Wall-Street-Größen ohnehin auf verlorenem Posten steht. Das Engagement koste zu viel Geld und bringe der Bank zu wenig ein, so das Argument.

Vorlage für die Quartalszahlen?

Der Argumentation scheint sich der neue Vorstandschef der Deutschen Bank Christian Sewing angeschlossen zu haben, auch wenn vom Unternehmen am Dienstag noch keine Bestätigung für die Kürzungspläne zu erhalten war. An diesem Donnerstag wird das Institut seinen Quartalsbericht vorlegen und dabei entsprechende Vorgaben verkünden. Laut übereinstimmenden Medienberichten wird innerhalb der Bank seit Wochen unter dem Projektnamen "Colombo" geprüft, welche Bereiche gestrichen oder umgebaut werden könnten.

Ob die Deutsche Bank damit ihren früheren Anspruch, ein "global Player" im internationalen Finanzwesen zu sein, aufgibt, bleibt abwarten. Sewings Berufung als Nachfolger von John Cryan an der Spitze der Bank war laut vielen Beobachtern bereits als Schritt in dieser Richtung zu verstehen. Sewing kommt aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft und sieht hier auch einen Schwerpunkt seiner Strategie.

IT als Chefsache

Dazu passt eine weitere Personalentscheidung, die die Deutsche Bank am Dienstag offiziell bekannt machte. Frank Kuhnke, ein langjähriger Weggefährte von Christian Sewing, soll die problematische IT des Geldhauses modernisieren. Kuhnke, der seit 1986 für die Bank arbeiten, wird als "Chief Operating Officer" die Nachfolge von Kim Hammonds antreten, die die Bank zur Hauptversammlung Mitte Mai verlässt. Allerdings wird Kuhnke nicht dem Vorstand angehören.

Kuhnke wird direkt an Sewing berichten. Damit wird die IT zur Chefsache innerhalb des Vorstands. Die Computersysteme gelten als Achillesferse der Deutschen Bank. Sie sind komplex, oft veraltet und damit am Ende teuer. Die bisherige IT-Chefin Hammonds hatte die Zahl der Betriebssysteme bereits reduziert, nach Ansicht von Kritikern allerdings nicht schnell genug.

Die Deutsche-Bank-Aktie hatte bereits auf die Nachricht vom möglichen Teilausstieg aus dem USA-Geschäft deutlich positiv reagiert. Von Händlern war auf dem Parkett zu erfahren, dass "weniger US-Geschäft" als "positiv" für das Bankhaus eingeschätzt wurde. Seit der Meldung über den Wechsel an der Spitze der Bank ist der Kurs der Aktie damit bereits um rund sechs Prozent gestiegen.

AB