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Schlechte Branchenstimmung Deutsche Bank auf Rekordtief

Stand: 27.06.2018, 12:15 Uhr

Die Vorschusslorbeeren für den neuen Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sind verbraucht. Am Mittwoch rutschte die Aktie des deutschen Branchenprimus zeitweise auf einen neuen Tiefststand.

Die Papiere der Deutschen Bank sackten auf unter 9,00 Euro und büßten zeitweise bis zu knapp fünf Prozent ein. Mit 8,755 Euro unterboten sie im Laufe des Vormittag das bisherige Rekordtief von Anfang Oktober 2016. Auch der Kurs der nach der Finanzkrise zeitweise als Wundermittel der Kapitalbeschaffung geltenden Zwangswandelanleihen (sogenannte Cocos) ist gesunken. An diesem Mittwoch sank der Kurs auf unter 89 Prozent. Die Papiere stehen bereits seit einiger Zeit unter Druck - allerdings ist der Kursverfall nicht so schlimm wie im Frühjahr 2016 als sie auf 70 Prozent gesunken waren.

"Anleger trennen sich von Risiken"

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Händler begründeten den Kursrutsch vor allem mit dem weiter fallenden Gesamtmarkt: "Anleger trennen sich von Risiken, und die liegen nach wie vor bei den Geldhäusern", sagte ein Händler. Der Dax hat seit Mitte Juni knapp acht Prozent eingebüßt. Vor allem die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des weltweiten Handelskonflikts lastet schwer auf der Börsenstimmung.

Das bekamen auch andere Kreditinstitute zu spüren: Der europäische Bankensektorindex war mit 1,6 Prozent am Vormittag größter Verlierer unter den Branchen. Auch die Aktien der Commerzbank verbilligten sich um über zwei Prozent und fielen auf den niedrigsten Kurs seit April 2017. "Anleger wollen ihre Risiken zurückfahren, und das trifft besonders die Banken", erläuterte ein Händler. Seit Jahresbeginn hat der Sektor 14 Prozent abgegeben.

Société Générale rät von Deutscher Bank ab

Öl ins Feuer goss die Société Générale in einer Bankenstudie. "Ein viel versprechender Jahresbeginn an den Finanzmärkten hat einem glanzlosen Ausblick auf den Rest des Jahres Platz gemacht", schrieb Analyst Andrew Lim. Gerade die Deutsche Bank berge große Risiken: Sie verliere Marktanteile und sei schwach mit Eigenkapital ausgestattet. Lim rät deshalb weiter zum Verkauf der Aktie.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
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Die Deutsche Bank sei unter den Investmenthäusern am schlechtesten mit Eigenkapital ausgestattet. Marktanteile büße das Institut vor allem im Aktiengeschäft ein. "Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich das Haus stabilisiert", schrieb der Experte. Im Investmentgeschäft verfüge die Bank nicht über die kritische Masse, um eine ausreichende Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erzielen.

Stresstest, Teil zwei am Donnerstag

Mit Spannung wird auch die Veröffentlichung des zweiten Stresstests der amerikanischen Notenbank Fed am Donnerstag nach Börsenschluss erwartet. Dabei kommen die internen Kontrollen und das Risikomanagement der US-Tochter auf den Prüfstand. Experten halten es durchaus für möglich, dass die Bank diese Latte reißt.

Sewing will Bank zurück in die schwarzen Zahlen führen

Mit einem verschärften Sparkurs will der seit April amtierende Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing den Konzern nach drei Verlustjahren in Folge wieder zum Erfolg führen. Geplant ist unter anderem, die Zahl der Vollzeitstellen von gut 97.000 auf unter 90.000 zu senken.

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Imago

Anfang Juni hatte sich Sewing nach einer Serie schlechter Nachrichten gezwungen gesehen, die Finanzstärke des größten deutschen Geldhauses zu betonen. "Auf Konzernebene steht unsere Finanzstärke außer Frage", erklärte Sewing. "Unsere Kredit- und Marktrisiken sind so gering wie selten." Für Unruhe sorgte seinerzeit unter anderem eine schlechtere Bonitätsnote des Ratingriesen Standard & Poor's.

Im Herbst 2016 war sogar über Staatshilfe für die Deutsche Bank spekuliert worden, weil dem Institut in den USA eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar für Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise drohte. Am Ende gelang es, die Strafe auf die gut Hälfte herunterzuhandeln. Doch der Aktienkurs kam seither nicht dauerhaft aus dem Keller.

nb