Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Schwaches Ergebnis Deutsche Bank: Aktionäre watschen Achleitner ab

Stand: 25.05.2018, 08:32 Uhr

Es war erneut keine schöne Hauptversammlung für Aufsichtsratschef Paul Achleitner und auch die Aktionäre der Deutschen Bank. Immerhin verpassten die Aktionäre Achleitner einen Denkzettel, den der Manager wahrscheinlich so schnell nicht vergessen wird.

Achleitner erhielt bei der Abstimmung über seine Entlastung lediglich 84,4 Prozent Ja-Stimmen, wie er selbst am gestern Abend kurz vor Ende der Hauptversammlung in Frankfurt mitteilte. Werte von unter 90 Prozent gelten als ein Affront gegen hochrangige Manager. Eine Entlastung oder Nicht-Entlastung hat keine rechtlichen Folgen, gilt aber als Vertrauens- beziehungsweise Misstrauensbeweis.

Dabei hatte es der Österreicher bei seiner Rede zu Beginn des jährlichen Aktionärstreffens mit Charme versucht. "Als Münchner ist es mir ein besonderes Bedürfnis, Ihnen zum Pokal zu gratulieren", sagt er an die Fans des Deutschen Fußball-Pokalsiegers Eintracht Frankfurt. "Auch im Zusammenhang mit der Deutschen Bank werden des Öfteren Fußball-Analogien bemüht - Champions- versus Europa-League, Team- versus Einzelspieler, Spieler- versus Trainerwechsel", stellt er fest. "Ich habe Ihnen daher heute ein selbst gemachtes Foto vom Samstag mitgebracht - an dem ich mich orientieren möchte, denn der Kampfgeist der Frankfurter hat mich sehr beeindruckt." Auf dem gezeigten Foto ist ein Spruch von Eintracht-Fans zu lesen: "Totgesagte leben länger."

Alle besser als Achleitner

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Doch die Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zeigte, wo die Aktionäre einen Hauptverantwortlichen für die Misere der immer noch größten deutschen Bank sehen. Denn im Gegensatz zu Achleitner wurde der Anfang April entlassene Ex-Vorstandschef John Cryan mit 94,78 Prozent der Stimmen entlastet, der seit 8. April amtierende neue Vorstandschef Christian Sewing, der schon seit 2015 Mitglied des Gremiums ist, bekam 94,58 Prozent der Stimmen. Die mit Ablauf der Hauptversammlung ausscheidende IT-Chefin Kim Hammonds wurde mit 94,76 Prozent der Stimmen entlastet. Sie war wegen ihrer Aussage, die Deutsche Bank sei das "dysfunktionalste Unternehmen", für das sie je gearbeitet habe, in Ungnade gefallen.

Die Aktionäre hatten, anders als von der Verwaltung vorgeschlagen, nicht geschlossen über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat für das Jahr 2017 abgestimmt. Stattdessen hatte es wie von einem Aktionär gefordert eine Einzelabstimmung über die Entlastung der jeweiligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder gegeben.

Die Deutsche-Bank-Aktie verlor gestern bis Handelsschluss 4,8 Prozent auf 10,38 Euro. Charttechnisch ist der Weg nun frei bis zum Allzeittief bei nur noch gut neun Euro.

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Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Kosten reduzieren
Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.

ME