Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner

Aktie nahe Rekordtief Deutsche Bank: Achleitner klebt am Sessel

Stand: 02.01.2019, 14:11 Uhr

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner schließt einen Rücktritt ungeachtet aller Kritik von Investoren aus. Der Kapitalmarkt hat unterdessen gezeigt, wie er die Zukunft des einst stolzen Instituts einschätzt.

"Das muss man aushalten", sagte Achleitner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" angesichts der nicht enden wollenden Kritik. Er denke nicht an Rücktritt, sei auch nicht amtsmüde. "Die Aktionäre haben mir ein Mandat bis 2022 anvertraut. Ich stelle mich der Verantwortung."

Und diese Verantwortung ist gewaltig. Jüngst haben die Marktteilnehmer klar gemacht, wie sie die Zukunft des einst stolzen deutschen Geldhauses einschätzen: Mit 6,678 Euro hat die Aktie am vergangenen Donnerstag den tiefsten Stand aller Zeiten erreicht.

Ertragsquellen Mangelware

Und das, obwohl Deutsche Bank-Chef Christian Sewing nach drei Verlustjahren für das abgelaufene Jahr wieder Gewinne versprochen hat. Aber wie will das Institut nachhaltig Geld verdienen, wenn im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft die Margen immer stärker unter Druck stehen und die Vermögensverwaltung schwächelt?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,53
Differenz relativ
+1,21%

Unter den Niedrigzinsen leiden alle Banken. Doch bei der Deutschen Bank sorgen immer neue Hiobsbotschaften oder auch drastische Fernsehbilder wie von der Geldwäsche-Razzia in den Frankfurter Doppeltürmen Ende November dafür, dass Kunden Vertrauen verlieren. Bliebe noch die einstige Paradedisziplin, das Investmentbanking: Allerdings sieht es auch hier alles andere als rosig aus. Die großen US-Konkurrenten sind meilenweit enteilt. So weit, dass es eine der ersten Entscheidungen Sewings war, sich zumindest teilweise aus dem - aussichtslosen - Wettrennen um Marktanteile und Gebühren in den USA zurückzuziehen.

Gleichzeitig wird massiv Personal abgebaut. Deutlich unter 90.000 Mitarbeiter sollen mittelfristig für die Bank arbeiten, bis Ende 2018 soll die Zahl auf 93.000 gesunken sein. Das bedeutet wie schon so oft zuvor teure Entlassungsrunden und die unklare Aussicht, ob "Robo Advisors" oder Künstliche Intelligenz im Risikocontrolling wirklich den Verlust an Humankapital wettmachen können.

Auch 2019 wird weiter über eine Fusion der beiden kränkelnden Geldhäuser Deutsche und Commerzbank spekuliert werden. Einen echten Befreiungsschlag sehen darin die Wenigsten. Anleger haben also gute Gründe, über einen Einstieg bei der vermeintlich günstigen Aktie zweimal nachzudenken.

la/rtr