Exit-Strategie der Deutschen Bank

Neuer Strategieschwenk Deutsche Bank - Abkehr von der Digitalbank

Stand: 29.05.2018, 09:55 Uhr

Eigentlich wollte die Deutsche Bank eine neue Direktbank gründen, um jüngere Kunden zu locken. Doch nun hat sie es sich anders überlegt. Zu stark die Konkurrenz von ING-Diba, DKB und Comdirect.

Schon wieder ein Strategiewechsel: Die Deutsche Bank begräbt ihre Pläne für eine Digitalbank und setzt stattdessen auf eine auch für Produkte anderer Anbieter offene Plattform. "Anders als im Oktober 2017 angekündigt, wird die Deutsche Privat- und Firmenkundenbank Ende 2018 nicht mit einer neuen Digitalbank an den Start gehen", sagte ein Banksprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Jetzt lieber digitale Plattform

Eigentlich hatte der deutsche Branchenprimus einen Angriff auf ING-Diba, DKB und Comdirect geplant, um vor allem junge, internetaffine Kunden anzusprechen. Im Herbst 2017 verkündete die Deutsche Bank, Ende 2018 mit einer neuen Digitalbank an den Markt gehen zu wollen, in deren Mittelpunkt ein kostenfreies Konto stehen sollte.

Doch statt einer Direktbank gehe es nun in Richtung einer digitalen Plattform, die um neue Angebote erweitert werde, "die über das klassische Bankgeschäft hinausgehen", sagte der Sprecher. Geplant sind neue Angebote für die Kunden der Deutschen Bank und der Postbank, die über das klassische Bankgeschäft hinausgehen. Konkreter äußert sich der Konzern bislang nicht, Details will die Deutsche Bank erst im vierten Quartal nennen.

Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung ist man inzwischen offenbar der Überzeugung, dass in Deutschland keine weitere Direktbank gebraucht werde.

Konkurrenz durch Fintechs

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Bereits heute vermittelt die Deutsche Bank auf ihrem "Zinsmarkt" Sparer an andere Institute, die höhere Zinsen auf Festgeld zahlen. Auch andere Banken setzen angesichts der Herausforderungen durch Fintechs auf Online-Marktplätze, die Kunden auch an andere Anbieter vermitteln. Ihre Hoffnung dabei ist, dass Verbraucher auf den Plattformen der Banken bleiben und die Geldhäuser Provisionen verbuchen und die Daten nutzen können.

Die Deutsche Bank hat derzeit hart zu kämpfen. Der neue Bankchef Christian Sewing greift daher durch. Er kündigte vergangene Woche eine Schrumpfkur an und wird tausende Stellen streichen, vor allem im volatilen Investmentbanking. Auf der Hauptversammlung sorgte die schlechte Geschäftslage für reichlich Zündstoff.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger glauben nicht an baldige Besserung. Die Aktie ist nach dem Kurseinbruch in der Finanzkrise nicht wieder zur alten Höhe zurückgekehrt. Heute fällt sie unter 10 Euro, sie gibt mehr als drei Prozent nach bis auf 9,89 Euro. Nur 2016 sah es noch schlimmer aus, das Allzeittief lag bei 8,84 Euro. Das Rekordhoch aus dem Jahr 2007 lag bei 91,77 Euro.

bs

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Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Kosten reduzieren
Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.