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Erstes Umsatzminus seit 2009 Deutsche Autoexporte im zweiten Halbjahr eingebrochen

Stand: 27.02.2019, 11:10 Uhr

Die Zahlen sind beunruhigend: Die Ausfuhren der deutschen Autoindustrie sind im vergangenen Jahr gesunken. Auch die Umsätze gingen zurück - erstmals seit 2009. Schuld ist ein Einbruch der Exporte im zweiten Halbjahr, allen voran in zwei wichtigen Absatzländern.

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben sich im vergangenen Jahr als Hochrisikomärkte entpuppt. Beide Länder seien nicht nur Verkaufsmärkte, sondern auch Teil des internationalen Produktionsverbands etlicher deutscher Hersteller und Zulieferer, erklärt Constantin Gall, Leiter des Bereiches Automotive und Transportation bei der Unternehmensberatung EY und einer neuen Studie zu der Branche.

Den Zahlen zufolge gingen 2018 die Ausfuhren in die USA, dem wichtigsten Exportmarkt der deutschen Autoindustrie, um fünf Prozent auf 27,2 Milliarden Euro zurück. Immer wieder hatte Präsident Donald Trump gegen die seiner Ansicht nach "unfairen“ Handelsbedingungen der Deutschen geklagt. Autos aus den USA werden in der EU mit einem Zoll von zehn Prozent belegt, umgekehrt sind es etwa 2,5 Prozent.

Zuletzt hatte Trump darum mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent gedroht, was die deutschen Exporte in die USA im Jahr 2019 weiter belasten könnte. Am größten europäischen Exportmarkt Großbritannien gingen die Umsätze um zehn Prozent auf 22,5 Milliarden Euro zurück, das stärkste Minus von 25 Prozent verzeichnete der Zielmarkt Türkei.

Wachstumstreiber China

Kommt es zum ungeordneten Brexit, dürften die Exporte auf die Insel weiter leiden, prophezeien die Experten. Seit drei Jahren in Folge sinken die Ausfuhren nach Großbritannien mittlerweile. Wachstumstreiber blieb unterdessen vor allem China mit einem Plus von 14 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro zu. Damit landen die Chinesen erstmals vor den Briten. Ausgleichen konnten die gestiegenen Exporte nach China den Rückgang der anderen Märkte aber nicht.

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Zulieferer und Hersteller erwirtschafteten im Jahr 2018 zwar einen Rekordumsatz von 424,8 Milliarden Euro, auch die Beschäftigung erklomm mit 834.000 sozialversicherungspflichtigen Jobs ein neues Rekordhoch. Doch die Zahlen täuschen.

Nur Zulieferer wuchsen noch

Denn das Wachstum ging im vergangenen Jahr vor allem von den Zulieferern aus. Ihr Umsatz legte um 2,1 Prozent auf 81,5 Milliarden Euro zu. Und auch die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben stieg um 2,1 Prozent auf 311.000 Mitarbeiter.

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Die Hersteller mussten erstmals seit 2009 wieder ein leichtes Umsatzminus ausweisen. Vor allem, weil der Export stottert. 2018 sanken die Ausfuhren der deutschen Autoindustrie um 2,3 Prozent auf 229,7 Milliarden Euro. Vor allem im dritten und vierten Quartal gingen die Exporte zurück. Dadurch sanken die Umsätze der deutschen Hersteller in der zweiten Jahreshälfte um 3,3 Prozent.

Neuer Prüfzyklus belastete

Die Autohersteller hatten an mehreren Fronten zu kämpfen. Neben der Exportschwäche belastete auch die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP die Umsätze. Mehrere Bestseller mussten für den neuen Verbrauchstest neu homologisiert werden, und konnten darum über Monate nicht verkauft werden. Das belastete vor allem die Premiummarken Daimler, Porsche und Audi.

Die EY-Unternehmensberater äußern allerdings die Befürchtung, dass das derzeitige Beschäftigungswachstum nicht anhalten dürfte, weil es zu einem erheblichen Teil auf Sondereffekte wie das WLTP-Verfahren zurückzuführen sei.

Ein Viertel der Industrieumsätze

Wie abhängig Deutschland nach wie vor von der Autoindustrie ist zeigt ein anderer Vergleich. Etwa jeder vierte Euro der in der deutschen Industrie erlöst wird, kommt aus der Autobranche. Und rund 7,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands gehen direkt oder indirekt auf die Autoproduktion zurück.

Deshalb ist die Autoindustrie ganz entscheidend verantwortlich für den Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal 2018. Vor allem der Rückgang der Exporte und Umsätze wegen der WLTP-Umstellung wurde dafür verantwortlich gemacht.

lg