Deutsche Wohnen AG-Zentrale in Berlin

In Berlin bremst der Mietendeckel Deutsche Wohnen wendet sich München zu

Stand: 25.03.2020, 10:39 Uhr

Deutsche Wohnen hat 2019 durch den kräftigen Anstieg der Immobilienpreise in Berlin seinen Gewinn kräftig gesteigert. In diesem Jahr könnte sich das durch den Mietendeckel und die Coronakrise ändern - doch der Konzern hat eine Taktik.

Der Wert des Immobilienportfolios erhöhte sich 2019 um 1,4 Milliarden Euro. Das Mietwachstum lag bei 3,4 Prozent, wie der Berliner Wohnungskonzern am Mittwoch mitteilte. Der operative Gewinn (FFO I) stieg um 11,5 Prozent auf 538 Millionen Euro.

Für 2019 will Deutsche Wohnen nur rund 60 statt 65 Prozent des Ergebnisses an die Aktionäre ausschütten und begründete dies mit der Corona-Krise. Die Dividende je Aktie steigt dennoch auf von 87 auf 90 Cent. Mit dem durch die gesenkte Ausschüttungsquote frei werdenden Geld finanziere Deutsche Wohnen einen 30 Millionen Euro schweren Hilfsfonds, um Gewerbe- und Wohnungsmietern in der Corona-Krise zu helfen.

Auch wegen des kürzlich in Kraft getretenen Mietendeckels stellte das Unternehmen für 2020 ein stagnierendes operatives Ergebnis von etwa 540 Millionen Euro in Aussicht. In Berlin trat gerade ein Gesetz für einen Mietendeckel in Kraft. Damit werden die Mieten für 1,5 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt, die vor 2014 gebaut wurden, in den kommenden fünf Jahren eingefroren. Für Neuvermietungen gelten Obergrenzen.

Rückt der Mietendeckel in den Hintergrund?

Sowohl der gestiegene Nettoinventarwert 2019 als auch der Ausblick auf 2020 könnten am Markt positive Aufnahme finden, vermutete Analyst Julian Livingston-Booth von der Bank RBC.

Die Aktie stieg am Mittwochvormittag zeitweise um mehr als sechs Prozent. Damit hat das Papier mittlerweile gut die Hälfte des Kurseinbruchs in Folge des allgemeinen Börsen-Crash wieder aufgeholt.

Die Mietendeckelung in Berlin als Einflussfaktor könne derweil kurzfristig etwas in den Hintergrund treten, sollten die Mieten dort in Folge des Coronavirus zurückgehen, so der Analyst.

Deutsche Wohnen baut außerhalb von Berlin

Damit gibt sich Deutsche Wohnen aber offenbar nicht zufrieden. Stattdessen will der Immobilienriese den Bau neuer Wohnungen deutlich vorantreiben - außerhalb Berlins. Das Unternehmen habe sich mit dem Münchener Projektentwickler Isaria Wohnbau AG, einer Beteiligungsfirma des Finanzinvestors Lone Star, über den Erwerb einer Plattform für Projektentwicklungen sowie wesentlicher Immobilienprojekte geeinigt, teilte der MDax-Konzern am Mittwoch mit.

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen. | Bildquelle: Unternehmen

Der Abschluss des Kaufs soll in diesem Jahr erfolgen. Der Kaufpreis betrage 600 Millionen Euro, sagte ein Sprecher. Insgesamt sollen 2.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen. Die Hälfte der Projekte würde sich in München befinden, der Rest in Großstädten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt.

"Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in unseren Großstädten ist eine gesellschaftliche Herausforderung", sagte Unternehmenschef Michael Zahn laut Mitteilung. In den deutschen Großstädten müssten jährlich bis zu 400.000 Wohnungen gebaut werden.

Gegenwind für die Wohnungsvermieter

Insgesamt will die Deutsche Wohnen über drei Milliarden Euro in den Neubau von Wohn-, Pflege- und Büroimmobilien stecken. Den großen deutschen Wohnungsvermietern weht wegen anziehender Mieten ein immer stärkerer Gegenwind entgegen.

Erst jüngst verlängerte der Bundestag angesichts der anhaltenden Wohnungsnot die Mietpreisbremse um fünf Jahre und verschärfte sie zudem. Künftig können Mieter zu viel gezahlte Miete für bis zu zweieinhalb Jahre rückwirkend zurückfordern.

Die Berliner rot-rot-grüne Landesregierung will mit dem Mietendeckel den zuletzt starken Anstieg der Mieten bremsen. Dies trifft besonders Immobilienkonzerne wie Deutsche Wohnen und Ado Properties, die Immobilien überwiegend in Berlin besitzen.

tb