TGV und ICE
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Zug-Allianz Siemens-Alstom Der schwierige Partner Frankreich

Stand: 27.09.2017, 14:05 Uhr

Deutsche Konzerne, die in Frankreich zukaufen wollten, sind in der Vergangenheit oftmals am Veto der Regierungen gescheitert. Letztes Beispiel ist der Verkauf des Gasturbinengeschäfts von Alstom an GE im Jahr 2015. Siemens hatte das Nachsehen. Nun fusionieren die Münchner mit der Zugsparte von Alstom. Doch wer hat das Sagen?

Nachdem die Pläne nun offiziell vorgestellt wurden, sind Analysten und Politiker voll des Lobes für die Fusion der Bahntechnik von Siemens und Alstom. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nannte das Vorhaben eine "wichtige Zukunftschance" angesichts eines harten internationalen Wettbewerbs. Auch die IG Metall bewertet die Entscheidung als "potenzielle europäische Chance", ein fusionierter Konzern habe "gute Erfolgschancen im harten globalen Wettbewerb".

Analysten wie Guillermo Peigneux Lojo von der Schweizer Großbank UBS bezeichneten die Fusion als "wertsteigernd". Durch den Zusammenschluss entstehe ein bedeutender Mitspieler auf dem Markt, der sich gegenüber der Konkurrenz aus China besser behaupten könne.

China Paroli bieten

Tatsächlich wollen Siemens und Alstom der Konkurrenz aus China Paroli bieten. Das neue Unternehmen wäre nach Volumen der zweitgrößte Bahnbauer weltweit und der größte Hersteller von Signaltechnik. Er hätte einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro und 62.300 Beschäftigte in mehr als 60 Ländern. Nach Angaben der IG Metall betrifft die Fusion bundesweit über 13.500 Beschäftigte, davon voraussichtlich weit mehr als 5.000 in Bayern.

Trotzdem herrscht in Frankreich die Furcht vor einem Verlust von Arbeitsplätzen, weil die Werke von Alstom, vor allem das in der ostfranzösischen Stadt Belfort, nicht ausgelastet sind und bereits in der Vergangenheit von der Schließung bedroht waren. Dass dieses Werk noch nicht geschlossen wurde, ist einzig und allein der Intervention der früheren französischen Regierung unter dem sozialistischen Präsidenten Francois Hollande zu verdanken. Weil der Staat 20 Prozent der Anteile an Alstom hält, hat er bei der Debatte um die Schließung von Belfort sein Veto eingelegt.

Vierjährige Arbeitsplatzgarantie

Henri Poupart-Lafarge

Henri Poupart-Lafarge. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zwar soll sich daran zunächst nichts ändern - beide Konzerne haben sich auf eine vierjährige Arbeitsplatzgarantie geeinigt. "Natürlich sind Stellenstreichungen Teil der Synergien", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser am Mittwoch in Paris. Dabei gehe es aber um Funktionen in der Verwaltung, etwa in der Personalabteilung. "Was die Technik betrifft, werden wir unsere Kompetenzen bündeln, nicht reduzieren." Das Unternehmen wird vom bisherigen Alstom-Chef, Henri Poupart-Lafarge, einem Spross aus der Zementdynastie und Absolvent der Pariser Elitehochschulen, geführt. Seinen Sitz soll das Gemeinschaftsunternehmen in St. Ouen bei Paris haben.

Dennoch ist in Frankreich die Furcht vor einem möglichen Ausverkauf der französischen Spitzentechnologie in Sachen Bahntechnik groß. Denn Mehrheitseigner des neuen Gemeinschaftsunternehmens ist der Siemens-Konzern. Er hält 50,5 Prozent der Anteile.

Siemens hält die Mehrheit

Nach einer Wartefrist von vier Jahren kann er diesen Anteil aufstocken. Der französische Staat will sich an dem Gemeinschaftsunternehmen nicht beteiligen. Der ICE-Hersteller Siemens erhält so die Kontrolle über einen wichtigen europäischen Konkurrenten und stellt sich im weltweiten Wettbewerb besser auf. Das sehen französische Politiker ganz anders.

Die oppositionellen Republikaner werfen der Regierung von Präsident Emmanuel Macron zudem vor, ein Filetstück der heimischen Industrie zu "verramschen". Auch die rechtspopulistische Front National und die Kommunisten warnen vor einem Ausverkauf des "Tafelsilbers" an Deutschland.

Doch der Pariser Regierung waren bei den Fusionsverhandlungen die Hände gebunden. Zum Einen, weil Alstom dringend einen industriellen Partner braucht und zum Anderen, weil die deutsche Regierung erst im Februar einer Übernahme des Rüsselsheimer Autoherstellers Opels durch Peugeot-Citroën (PSA) zugestimmt hat. Ob der neue "Schienen-Airbus" ein Erfolgsmodell wird, bleibt abzuwarten. Gerade das Beispiel Airbus zeigt, dass es nicht einfach werden dürfte.

lg