Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Schützenswert für die Wirtschaft? Der nächste Schub für Facebooks Geschäfte

Stand: 30.10.2020, 06:51 Uhr

Die beschleunigte Digitalisierung sorgt dafür, dass Facebook eine Gewinnmaschine bleibt. Die Werbeeinnahmen sprudeln, weil große und kleine Unternehmen ihre Anstrengungen im Netz verstärken.

Eigentlich hatten Experten damit gerechnet, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die von der Pandemie besonders betroffen sind, ihre Ausgaben für Anzeigen zurückfahren, um die Kosten zu senken. Das ist nicht eingetroffen. Auch ein Werbeboykott in Zusammenhang mit dem Umgang mit Hassreden sowie der weltweite Wirtschaftseinbruch zeigte bei Facebook kaum Wirkung.

Facebook statt Wochenmarkt

Denn die Unternehmen gingen auf der Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten sogar verstärkt ins Internet. Auf die Pandemie hatte Facebook reagiert, in dem es schnell eine Handels-Plattform entwickelte.

Facebook Shops. | Bildquelle: picture alliance / ZUMA Press

Die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg nannte als Beispiel eine Familienfirma, die Seifen aus eigener Herstellung sonst auf Wochenmärkten verkaufte. In der Pandemie nutze sie nun Facebook als Plattform und habe ihr Geschäft ausgebaut.

Facebook profitierte also von der beschleunigten Digitalisierung, die eine stärkere Fokussierung auf Online-Werbung nach sich zieht. Facebooks Werbegeschäft sei vom beschleunigten Wandel vom traditionellen zum Online-Handel angetrieben worden, betonte Finanzchef Dave Wehner.

Jeder dritte Erdling ist an Bord  

In Zahlen übersetzt heißt das, dass der vor allem mit Werbung erzielte Umsatz des Online-Netzwerks im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar stieg. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 7,85 Milliarden Dollar übrig - ein Plus von 29 Prozent und eine fantastische Umsatzrendite. Dazu trug auch eine Steuergutschrift von gut 900 Millionen Dollar für Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei.

Inzwischen zählt der Facebook-Konzern, zu dem neben der gleichnamigen Plattform auch der Messenger Whatsapp und die Foto-Plattform Instagram gehören, monatlich 2,74 Milliarden aktive Nutzer. Dies entspricht in etwa mehr als jedem dritten Bewohner der Welt.

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
232,15
Differenz relativ
-0,19%

Wegen der Corona-Krise rechnet Facebook damit, dass die Zahl der Nutzer im Schlussquartal in den USA wie auch Kanada im Vergleich zum Vorquartal gleich bleibt oder sogar sinkt.

Wozu Privatsphäre? Hauptsache das Geschäft läuft!

Facebook behauptet, dass das Online-Netzwerk in der Krise eine schützenswerte Rolle für die Wirtschaft spiele. Vor diesem Hintergrund kritisiert Facebook unter anderem die Pläne von Apple für Privatsphäre auf dem iPhone, bei denen die Nutzer jeder App einzeln das Tracking für Werbezwecke erlauben sollen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg: Was gut für Facebook ist, ist auch gut für die Welt?. | Bildquelle: picture alliance / Steven Senne/AP/dpa

Das könnte Facebook daran hindern, Daten zu einem Nutzer quer über verschiedene Apps zu sammeln und damit die Werbung präziser zu personalisieren. Er sei besorgt, dass solche Einschränkungen oder EU-Datenschutzpläne "einen bedeutenden negativen Effekt für kleine Unternehmen und die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2021 oder darüber hinaus haben könnten", sagte Gründer und Chef Mark Zuckerberg.

ts