John Cryan
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Bankchef Cryan setzt auf 2018 Deutsche Bank vertröstet erneut

Stand: 02.02.2018, 14:57 Uhr

Auch 2017 stehen bei der Deutschen Bank rote Zahlen in den Büchern. Dies zwar primär wegen der US-Steuerreform, aber auch sonst kann Bankchef John Cryan keine Aufbruchstimmung vermitteln. Die Anleger verlieren langsam die Geduld.

Denn unter dem Strich verbuchte die Deutsche Bank im abgelaufenen Jahr einen Nettoverlust von einer halben Milliarde Euro. Es ist das dritte Verlustjahr in Folge nach 6,8 Milliarden "Miesen" im Jahr 2015 und 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2016.

Vor Steuern hingegen drehte das Ergebnis mit 1,3 Milliarden Euro ins Plus, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 2,4 Milliarden Euro in den Büchern stand. Bereits Anfang Januar hatte die Bank die Märkte entsprechend informiert, so dass das Ergebnis eigentlich keine wirkliche Überraschung ist.

»Nur durch die Belastungen der US-Steuerreform zum Jahresende haben wir nach Steuern einen Verlust verbuchen müssen.«

Deutsche-Bank-Chef John Cryan

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Denn die Verluste der Vergangenheit kann die Bank in den USA wegen des von 35 auf 21 Prozent gesenkten Steuersatzes nicht mehr in gleicher Höhe auf die zukünftige Steuerschuld anrechnen lassen wie bisher. Die Verlustvorträge werden also "weniger wert" und müssen entsprechend auf den neuen Wert abgeschrieben werden, ohne dass die Liquidität des Unternehmens unmittelbar betroffen wäre. Im vierten Quartal fiel ein Verlust von 2,2 Milliarden Euro an, hauptsächlich durch die Steuereffekte bedingt.

Weniger Altlasten...

Neben der Steuerreform haben sich geringere Aufwendungen für Altlasten, also für die Sünden der Vergangenheit, positiv bemerkbar gemacht. Seit seinem Amtsantritt hat John Cryan darauf besonderen Wert gelegt. Langsam stellen sich hier Erfolge ein, besonders die Kosten für Rechtsfälle gingen zurück.

John Cryan

John Cryan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hinzu kam, dass die Bank Unternehmensteile verkauft hat, zum Beispiel Hua Xia Bank, Abbey Life oder das Geschäft in Polen. Unter anderem wegen der fehlenden Erträge dieser Konzerngesellschaften sanken die Gesamterlöse der Bank im Gesamtjahr um 3,6 Prozent auf 26,4 Milliarden Euro. Auf der Agenda steht derzeit der Börsengang von Teilen der Vermögensverwaltungssparte, die unter dem Namen DWS an die Börse kommen soll.

... aber auch weniger Geschäft

Operativ litt die Bank vor allem im wichtigen Investmentbanking unter den geringeren Handelsaktivitäten der Kunden. Diese hielten sich wegen der niedrigeren Volatilität an den Kapitalmärkten mit Aufträgen zurück. Die Erträge in der Sparte sanken um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Im Handel mit Anleihen und Währungen gab es ein Minus von 29, im Aktienhandel von 25 Prozent. Dies ist allerdings ein Branchenproblem, auch andere Investmentbanken mussten bei den Handelserträgen im Quartal Abstriche machen.

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Demgegenüber standen niedrigere Rückstellungen für notleidende Kredite, diese sanken um 62 Prozent auf 525 Millionen Euro. Im Schlussquartal fielen sie sogar um 74 Prozent auf 129 Millionen Euro. Insgesamt sprach die Bank von einer guten Kreditqualität. Das allgemein niedrige Zinsniveau sorgt aber weiterhin dafür, dass die Margen im klassischen Brot- und Buttergeschäft der Bank weiter gedrückt bleiben.

Die Kostenentwicklung enttäuscht

Im Ausblick erwartet der Dax-Konzern 2018 weitere Kostensenkungen und Aufwendungen beim zinsunabhängigen Aufwand, die mit 23 Milliarden Euro aber über dem bisherigen Ziel von 22 Milliarden Euro prognostiziert werden. Echte Fortschritte beim Kostenmanagement sehen da wohl anders aus.

Spiegelung des Deutsche Bank-Logos in einer Fassade

Deutsche Bank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis von Erträgen zu den Kosten, blieb mit 93 Prozent für das Gesamtjahr weiter sehr schwach, auch wenn sie im Vorjahr mit 98 Prozent noch katastrophaler ausgefallen war. Auf Dauer kann keine Bank, auch eine Investmentbank, mit diesen hohen Kosten leben.

Im Gegenteil, zunächst muss erst einmal weiter investiert werden, und zwar in die Investmentbanker. Der Bonuspool soll deutlich erhöht werden, ohne dass Cryan die genaue Höhe bekannt gab. Damit will er die Wettbewerbsfähigkeit der Bank im Investmentbanking stärken. Die Zahlungen verteidigte er als "einmalige Investitionen", die sich aber künftig wieder am Erfolg ausrichten sollen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Dividende? Vielleicht, vielleicht auch nicht

Den Aktionären muss das sauer aufstoßen, denn es ist fraglich, ob sie für 2017 überhaupt eine Ausschüttung erhalten sollen. Dazu will sich die Bank erst im März äußern, wie auch zur Höhe des Bonuspools. Angedacht war bisher, elf Cent zu zahlen. Schon im Sommer hatte John Cryan gezweifelt, ob es eine Dividende geben werde. Eine Null-Dividende sei "nun wieder eine Option für uns", sagte der Bankchef damals.

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tagesschau24 Mittagsbericht vom 02.02.2018

HNA Group-Logo auf einem Monitor durch eine Lupe gesehen

HNA Group. | Bildquelle: picture alliance / Wang Zhaofeng/Imaginechina/dpa

Damit vertröstet er die Anleger weiterhin, denn es sieht nun so aus, als ob auch 2017 unter die Kategorie "Übergangsjahr" fällt. Zur Erinnerung: Cryan ist seit dem 1. Juli 2015 im Amt und wollte Ende 2017 eigentlich besser dastehen.

Die Hoffnung ruht nun mal wieder auf dem nächsten, sprich laufenden Jahr. "Ich sehe ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 vor uns", sagte Cryan. 2018 wolle man auch nach Steuern wieder schwarze Zahlen schreiben. Aber machen die Aktionäre diese Hinhaltetaktik auf Dauer mit? Zweifel dürfen erlaubt sein.

Fusion nicht ausgeschlossen

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Und auch mit einem anderen Aspekt sorgt Cryan mehr für Unklarheit als klare Kante. Auf lange Sicht könne er sich eine Fusion mit einem anderen Institut durchaus vorstellen, sagte er. Daran sei aber derzeit nicht zu denken, erst müsse die Bank saniert und profitabler werden. Gleichzeitig bekräftigte er seine Einschätzung, dass es für die Bankenbranche in Europa durchaus sinnvoll sein könnte, wenn es zu mehr Fusionen und Übernahmen käme. Alles klar also?

Aktie am Dax-Ende

Die Anleger sind nicht begeistert von dem was sie hören und schicken das Papier deutlich in den Keller. Auch am frühen Nachmittag bleibt die Aktie schlechtester Dax-Wert und verliert über vier Prozent. In der Spitze war der Tagesverlust bisher schon höher ausgefallen. Dies trotz der Warnung vom Januar.

Aber Deutsche -Bank-Aktionäre müssen eben hart im Nehmen sein. Im gesamten Jahresverlauf schwankte das Papier zwischen gut 13 und 17,50 Euro. Zuletzt hatten Berichte über einen Liquiditätsengpass des größten Einzelaktionärs, der chinesischen HNA, den Kurs belastet. HNA hält rund zehn Prozent des Kapitals.

rm