Heinz Hermann Thiele

Der neue Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele Der knorrige Selfmade-Milliardär

Stand: 17.06.2020, 12:01 Uhr

Mit einem Vermögen von 11,4 Milliarden Euro zählt Heinz Hermann Thiele zu den zehn reichsten Deutschen. Der 79-jährige Patriarch hat aus dem Mittelständler Knorr-Bremse einen Weltmarktführer geformt. Er mischt auch bei anderen Unternehmen mit - so zum Beispiel nun bei der Lufthansa. Wer ist dieser Mann?

Eigentlich könnte sich Heinz Hermann Thiele längst zurückziehen - auf seine Rinderfarm in Uruguay. Auf 13.000 Hektar weiden dort rund 10.000 Rinder. Der Betrieb ist rentabel. Oder er könnte auf seine Farm in Südafrika gehen, wo Avocados und Mangos angebaut werden.

Knorr-Bremse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Denn mit dem erfolgreichen Börsengang von Knorr-Bremse im Herbst 2018 krönte er sein Lebenswerk. Die Aktien notieren inzwischen gut 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 80 Euro.

Lufthansa als langfristiges Engagement

Aber der kantige Unternehmer - oder der knorrige Unternehmer (Vorsicht Wortspiel!) will sich "nicht in den Schaukelstuhl setzen". Er möchte weiter an der deutschen Wirtschaftsgeschichte mitwirken. Mitten in der Corona-Krise ist er mit seiner Familienholding bei Europas größter Fluggesellschaft, der Lufthansa eingestiegen. "Die Gesellschaft hat eine starke Marktposition mit ihrem Streckennetz … und einen modernen Maschinenpark", sagt Thiele im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das gelte es zu erhalten.

Thiele sieht den Einstieg bei der Lufthansa nicht als rein kapitalistisches Manöver, sondern als "langfristiges Engagement". Damit meint er einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren.

Beteiligung an Vossloh

Der Münchner Milliardär hat in den vergangenen Jahren offenbar traditionelle deutsche Logistik- und Transportfirmen neu entdeckt. So stieg der Firmenpatriarch beim Bahntechnik-Konzern Vossloh ein. Inzwischen hält seine Familienholding die Mehrheit an Vossloh. Thiele drängte als Großaktionär das Vossloh-Management dazu, sich ausschließlich auf die Bahn-Infrastruktur zu konzentrieren. Die Transport-Sparte wurde verkauft.

Ob Thiele bei der Lufthansa ähnlich Druck ausüben wird, um die Airline wieder auf Erfolgskurs zu bringen, ist ungewiss. Auf jeden Fall bringt der neue Lufthansa-Großaktionär viel industrielle Erfahrung mit. Und mit Sanierungen kennt er sich auch aus.

Knorr-Bremse zum Weltmarktführer gemacht

Ende 1985 übernahm Thiele die Mehrheit an der damals maroden Knorr-Bremse. Eigentlich sollte er im Auftrag der Deutschen Bank einen Käufer für den Bremsenhersteller finden. Da die Suche erfolglos blieb, bot ihm die Deutsche Bank an, Knorr selbst zu übernehmen – mit Hilfe von Krediten des Geldinstituts.

Der Jurist, der mit 28 Jahren bei Knorr als Sachbearbeiter in der Patent- und Rechtsabteilung angefangen hatte, wurde über Nacht zum Unternehmer. Das Experiment zahlte sich aus. Thiele richtete den Mittelständler neu aus und fokussierte ihn auf die Herstellung von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Außerdem expandierte Knorr-Bremse frühzeitig nach China und kaufte mit Bendix einen der attraktivsten Hersteller von Lkw-Bremsen.

Automatische Türen des ICE

Heute ist Knorr-Bremse die führende Adresse in der Eisenbahntechnik. Bei den Hochgeschwindigkeitszügen in China und Japan ist die Technik von Knorr-Bremse mit an Bord. Und die automatisch öffnenden Türen im ICE stammen ebenfalls von Knorr.

Thiele hat Knorr-Bremse zu einem der profitabelsten deutschen Zulieferer-Konzerne gemacht. Das Unternehmen macht inzwischen einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro mit 28.000 Beschäftigten.

Rotes Tuch für Gewerkschaften

Wegen seines autoritären Führungsstils ist Firmenpatriarch Thiele aber bei den Managern gefürchtet. Mehrere Vorstandschefs hielten es mit Thiele nicht lange aus. "Man wird von Thiele gefeuert – oder man bleibt", sagte einmal ein Insider gegenüber dem "Manager Magazin".

Besonders unbeliebt ist der knorrige Alte bei den Gewerkschaften. Die IG Metall hat es dem Unternehmer nie verziehen, dass er 2006 aus dem Tarifvertrag ausgestiegen ist. Heftigen Streit mit den Arbeitnehmervertretern gab es auch, als Thiele die Arbeitszeit in einigen Betrieben von 35 auf 42 Stunden erhöhen wollte.

Achtreichster Deutscher

Heute blickt Heinz Hermann Thiele entspannt auf sein Imperium. Aus dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Knorr-Bremse hat er sich längst zurückgezogen. Doch ganz kann er nicht loslassen. Ende Juni will er wieder in das Kontrollgremium von Knorr-Bremse gewählt werden – als ordentliches Mitglied.

Arbeiten bräuchte Thiele eigentlich nicht mehr. Mit dem Börsengang von Knorr ist er noch reicher geworden. Laut "Forbes" hat Thiele und seine Familie ein Vermögen von 11,4 Milliarden Euro. Damit ist er der achtreichste Deutsche – noch vor SAP-Mitgründer Hasso Plattner.

nb