ICO

Bitcoin und Blockchain machen blind Der gefährliche Hype um Fritz Nols

von Bettina Seidl

Stand: 29.12.2017, 15:39 Uhr

Was für ein Kurssprung: Die Aktie des Börsenmaklers Fritz Nols hat sich heute zeitweise verdoppelt. Anleger sind elektrisiert, weil der Finanzberater jetzt auch in bei Kryptowährungen mitmischt. Vorsicht ist geboten!

Es ist der größte Kurssprung seit fast sieben Jahren. Die Aktien des Finanzberaters für Unternehmen klettern heute an der Frankfurter Börse in der Spitze bis auf 1,40 Euro. Das entspricht einem Kursplus von 125 Prozent. Nachdem die Aktie in diesem Jahr zunächst über 40 Prozent an Wert eingebüßt hatte, macht sie diese Verluste auf einen Schlag wett.

Der Andrang war gewaltig. Allein in der ersten Handelsstunde wechselten 20 Mal so viele Nols-Papiere den Besitzer wie im Schnitt an einem gesamten Handelstag.

Geld einsammeln beim ICO

Was Börsianer lockte: Die Firma hatte am Donnerstagabend angekündigt, 2018 das "strategische Geschäftsfeld Kryptowährungen" zu starten. Konkret nimmt Fritz Nols das "Initial Coin Offering" (ICO) der virtuellen Währung Aeternum Coin im deutschsprachigen Raum in Angriff.

Bei einem ICO sammeln Unternehmen ähnlich wie bei einem Börsengang (IPO) Geld bei Investoren ein. Statt Aktien geben sie dabei neue virtuelle Münzen aus, Token oder Coins genannt, die dem Bitcoin ähneln. Man verkauft diese Münzen also im Vorfeld, bevor sie auf den Markt kommen. Der Markt lockt jede Menge schwarzer Schafe. Betrügereien sind Tür und Tor geöffnet, weil Anleger keine Möglichkeit haben zu überprüfen, wofür das eingesammelte Geld tatsächlich ausgegeben wird.

Kryptisch unterlegt

Das Erstemissionsvolumen soll 100 Millionen Euro betragen. Der Finanzberater hat laut eigener Auskunft in der Pre-Sales-Phase bereits Aeternum-Coins im Gegenwert von über einer Million Euro zu 0,75 Euro pro Coin platziert. Die virtuellen Münzen sollen voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 an einer führenden Krypto-Börse eingeführt werden, um dann für alle Marktteilnehmer handelbar zu sein.

Im Gegensatz zum Bitcoin sei der Aeternum Coin durch Assets hinterlegt, schreibt Fritz Nols. Das klingt erst einmal sicherer als viele andere Kryptowährungen, die durch nichts hinterlegt sind. Fritz Nols bemüht gar Vergleiche "mit dem Grundgedanken des Bretton Woods System und dem Gold Standard. Die Väter von Bretton Woods führten den Gold Standard ein, um die Wechselkurse zu stabilisieren und eine Aufblähung der Geldmenge entgegenzuwirken." Das führt aber in die Irre!

Vorsicht ist angebracht!

Von einer derartigen Sicherheit ist Aeternum weit entfernt. Wie von der Aeternum-Webseite zu erfahren ist, will der Initiator der Währung, Mining Tec, einen erheblichen Teil der ICO-Einnahmen für zweierlei verwenden. Zum einen für den Kauf von Mining Rigs - das Geld wird also in Rechenzentren zum "Schürfen" von Krypto-Währungen gesteckt. Zum anderen wird das Geld dem Aeternum Fonds zur Verfügung gestellt. Der wiederum investiert in verschiedene Kryptowährungen und nutzt dabei den Hochfrequenz-Börsenhandel. Der Fonds wird durch Nols-Chef Hendrik Klein verwaltet.

Fritz Nols schreibt in seiner Pressemitteilung, man werde ein Drittel der Assets im Hochfrequenzhandel und mit Handelssystemen in einer Tochter verwalten. Der Makler verspricht sich durch das Handelsmandat Erlöse aus Verwaltungsgebühren und Gewinnbeteiligungen. Wie Fritz Nols gestern bekannt gab, sicherte sich das Unternehmen außerdem eine Option zur Übernahme von 30 Prozent an dem Aeternum-Initiator in den nächsten zwölf Monaten.

Mining Tech oder Mining Tec?

Eine kleine Irritation: Fritz Nols nennt in seiner Pressemitteilung den Initiator von Aeternum namentlich nicht. Auf der ansprechend gestalteten Webseite aeternumcoin.com wird mal der Name "Mining Tech" genannt, mal auch "Mining Tec" - ohne h. Einfach nur ein Rechtsschreibfehler? Oder gibt es beide Firmen? Wer ist die Firma überhaupt? Ein bisschen Aufklärung tut hier Not.

Die überbordende Euphorie um die Fritz-Nols-Aktie ist denn auch ein klein wenig abgeebbt. Am Freitagnachmittag ging das Papier bei 0,94 Cent aus dem Handel, was aber immer noch ein Tagesplus von 51 Prozent entspricht.