Jeff Bezos und Amazon Prime Air Drohnen
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Amazon-Chef bald Herr der Lüfte? Der Drohnen-Traum des Herrn Bezos

von Angela Göpfert

Stand: 27.07.2018, 06:45 Uhr

Die Lieferung eines gekauften Produktes binnen weniger Minuten - das ist wohl der Traum eines jeden Konsumenten. Verwirklichen will ihn Jeff Bezos. Der Amazon-Chef setzt dazu voll auf die Drohnen-Technologie. Das gefällt aber nicht allen.

Jeff Bezos hat in seinem Leben schon viel geschafft. Als Gründer und Vorsitzender des Online-Händlers Amazon gehört er zu den erfolgreichsten Pionieren seit der Kommerzialisierung des Internets. Mit einem Vermögen von über 150 Milliarden Dollar ist er der reichste Mann der modernen Geschichte. Doch ist er auch der Mann, der den Paketversand revolutioniert?

Immer noch in der Testphase

Fakt ist: Amazon experimentiert unter Bezos Ägide bereits seit 2013 mit Drohnen, die Pakete transportieren können. Damals versprach Bezos vollmundig, dass man binnen vier oder fünf Jahren in der Lage sein werde, Pakete innerhalb von 30 Minuten via Drohnen zu versenden.

Der Jungfernflug fand am 7. Dezember 2016 statt: Damals bekam ein Kunde im britischen Cambridge seine Amazon-Lieferung binnen nur 13 Minuten zugestellt. In dem Paket waren eine Fire-TV-Box und eine Packung Popcorn.

Doch anderthalb Jahre später befindet sich das Projekt mit dem Namen "Prime Air" immer noch in der Testphase. Und das obwohl Bezos intern mächtig Druck macht.

Schneller und billiger

Schließlich liegen die Vorteile der Drohnen-Lieferung auf der Hand: Sie sind viel schneller und deutlich billiger als die Lieferung auf dem Landweg. Der Logistiker und Deutsche-Post-Konkurrent UPS hat jüngst geschätzt, dass er jedes Jahr 50 Millionen Dollar sparen könnte, wenn Drohnen die täglich gefahrenen Meilen pro Fahrer um nur eine Meile reduzieren könnten.

Jeff Bezos und Amazon Prime Air Drohnen
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Prime Air Drohnen

Amazon Prime Air Drohne

Amazon Prime Air. | Bildquelle: Unternehmen

Die Himmelsboten können zwar nur leichte Päckchen bis 2,5 Kilogramm tragen. Allerdings machen Päckchen dieser Größenordnung rund 90 Prozent der täglichen Amazon-Lieferungen aus.

Wenn die Medikamente doch bloß schneller kämen…

Die Drohnen-Technologie könnte Amazon überdies dabei helfen, völlig neue Kundenschichten zu erschließen. Laut einer Studie der Beratungsfirma McKinsey ist der Anteil der Konsumenten, die vor dem Online-Kauf eines Produktes wegen zu langer Lieferzeiten zurückschrecken, bei Lebensmitteln, Medikamenten sowie Medien (Bücher, CDs, DVDs, Videospiele) am größten.

Hier schlummert also noch viel ungenutztes Potenzial für den E-Commerce-Giganten. Da passt der jüngste Kauf von Pill Pack perfekt ins Bild. Anfang Juli kaufte Amazon das Start-up, das sich auf den Versand von Medikamenten spezialisiert hatte, für rund eine Milliarde Dollar.

Amazon kauft Pillpack

Das macht Sinn: Amazon schnappt sich Pillpack. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Misstrauische Konsumenten

Der Handel mit Medikamenten ist alleine in den USA ein 400 Milliarden Dollar schweres Geschäft. Ob Bezos daran künftig kräftig mitverdienen kann, ist aber noch nicht entschieden.

Denn jenseits regulatorischer und technologischer Beschränkungen dürfte eine Hürde für Bezos nur schwer zu überwinden sein: das Misstrauen der Konsumenten gegenüber der neuen Technologie. Wer will schon, dass ständig eine Drohne im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon landet!? Womöglich noch die sorgsam gepflegten Blumenrabatte zerstört, Kinder und Hund aufschreckt?

Große Vorbehalte in der Bevölkerung

Im Ernst: Die Vorbehalte in der Öffentlichkeit gegenüber der Drohnen-Technologie sind enorm. Laut einer Umfrage von Statista würden 17 Prozent der Deutschen die Möglichkeit, sich online bestellte Waren durch eine Drohne liefern zu lassen, "eher nicht" nutzen. 27 Prozent würden diese Möglichkeit sogar "bestimmt nicht" nutzen.

Umfrageergebnis zu Warenlieferungen durch Drohnen

Würden Sie sich durch Drohnen beliefern lassen?. | Bildquelle: statista, Grafik: boerse.ARD.de

Fazit: Wie beim autonomen Fahren gilt auch mit Blick auf den Versand via Drohne: Die dazu nötige Technologie existiert. Doch es dürfte noch Jahre dauern, das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen. Es liegt also noch viel Arbeit vor Jeff Bezos, bevor er sich - vielleicht irgendwann einmal - zum Herrn der Lüfte aufschwingen kann.

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Wie Amazon-Chef Bezos zum reichsten Mann der Welt wurde Gelobt als Visionär, getadelt als Chef

Jeff Bezos als Kind

Der Junge aus Albuquerque
Jeffrey "Jeff" Preston Jorgensen kam am 12. Januar 1964 in Albuquerque in New Mexico zur Welt. Nach einem Jahr trennte sich seine Mutter Jacklyn Gise von Jeffs Vater, dem Zirkusartisten Ted Jorgensen. Als Jeff vier Jahre alt war, heiratete seine Mutter den kubanischen Immigranten Miguel Bezos. Mit ihm bekam sie zwei weitere Kinder: Christina und Mark. Miguel Bezos adoptierte Jeff. Das erfuhr er mit zehn Jahren - doch...