Börse Madrid
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Dreierkampf um den spanischen Börsenbetreiber Der diskrete Charme der... Madrider Börse

Stand: 19.11.2019, 11:57 Uhr

Lange Zeit stand die Börse Madrid im Abseits - wie ein häßliches Entlein. Nun plötzlich wollen alle die unattraktive Braut haben - die Schweizer Börse, die Euronext und angeblich auch die Deutsche Börse.

Bolsas y Mercados Espanoles - für die meisten Europäer ist der Name der Madrider Börse schwer auszusprechen. Einfacher ist die Abkürzung BME. Künftig wird man den langen oder kurzen Namen in den Finanznachrichten öfter hören. Denn die Börse in Madrid ist zum begehrten Übernahmeziel der größten europäischen Börsenbetreiber geworden.

SIX will 2,8 Milliarden auf den Tisch legen

Die Schweizer Börse SIX bietet 2,8 Milliarden Euro für die BME. "Das ist der richtige Deal zur richtigen Zeit", sagte SIX-Chef Jos Dijsselhof am Montag. Die beiden Börsen könnten eine wichtige Rolle in der Konsolidierung der Branche spielen. Die SIX werde zwar auch Kostensenkungen ins Auge fassen, es gehe aber vor allem um Umsatzwachstum. Dienstleistungen der SIX sollen in Zukunft auch BME-Kunden angeboten werden und umgekehrt.

Neben der SIX buhlt auch die Mehrländerbörse Euronext um die BME. Die europäische Mehrländerbörse verhandelt eigenen Angaben zufolge mit dem BME-Verwaltungsrat über ein Übernahmeangebot. Euronext hat in den vergangenen Jahren mit einer ganzen Reihe von Transaktionen Gewicht gewonnen und betreibt nun Börsen in Norwegen, den Niederlanden, Belgien, Portugal, Frankreich und Irland.

Deutsche Börse erwägt Offerte

Nun könnte aus dem Zweikampf ein Dreikampf werden: Die Deutsche Börse will einem Zeitungsbericht zufolge in die milliardenschwere Übernahmeschlacht um die Börse Madrid einsteigen. Die Überlegungen des Frankfurter Dax-Konzerns seien noch in einem frühen Stadium, berichtete die spanische Wirtschaftszeitung "La Expansion" unter Berufung auf Finanzkreise. Die Deutsche Börse und die BME lehnten am Dienstag eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Der Frankfurter Börsenbetreiber steht nach der geplatzten Fusion mit London unter Zugzwang. Kämen die Schweizer mit dem größten Deal in der Firmengeschichte zum Zug, würden sie die Deutsche Börse als Nummer drei in Europa verdrängen.

Bolsas y Mercados Espanoles betreibt alle Börsen und Finanzmärkte in Spanien. Das Unternehmen kämpft seit einigen Jahren mit rückläufigen Umsätzen und Gewinnen: 2018 stand bei 304 Millionen Euro Umsatz unter dem Strich ein Nettoergebnis von 136 Millionen Euro.

Konsolidierung der europäischen Börsenbetreiber

Europäischer Marktführer ist die Londoner LSE, die selbst gerade mit der Übernahme des Datenanbieters Refinitiv beschäftigt ist. Nummer zwei ist Euronext vor der Deutschen Börse. Seit Jahren schließen sich in Europa und auch weltweit die ehemals nationalen Börsen zusammen, um Skalenvorteile zu heben. Die Deutsche Börse ist auch an Übernahmen interessiert, fokussiert sich dabei aber eigentlich nicht unbedingt auf Betreiber, die vor allem auf Aktienmärkte spezialisiert sind, sondern auf Handelsplattformen für Devisen und Rohstoffe. Hier hatte es zuletzt einen Rückschlag gegeben, da die Refinitiv-Tochter FXall nicht zu haben war.

Die Aktien der Börse Madrid ziehen am Dienstag um über zwei Prozent an – auf den höchsten Stand seit September 2015. Bereits gestern waren sie um fast 40 Prozent hochgeschnellt und notierten über dem Angebot des Schweizer Börsenbetreibers SIX von 34 Euro je Stück. Dies deutet Händler zufolge darauf hin, dass die Anleger ein höheres Angebot erwarten - entweder von SIX oder Euronext - oder von einem weiteren möglichen Bieter.

"Die Bedingungen des Angebots sind schwierig abzuweisen", erklärte die spanische Bank BBVA. Auch Citibank-Analyst Andrew Coombs bezeichnete den angebotenen Preis als überzeugend. Die Spanier äußerten sich zwar wohlwollend zur Offerte aus Zürich, bekannten sich aber noch nicht zu einer der beiden Seiten.

nb