Hingucker der Woche

Wochenausblick Der Börsenmotor erhöht die Drehzahl

Stand: 21.01.2018, 12:04 Uhr

Vor allem in den USA erreicht in der kommenden Woche die Berichtssaison für das vierte Quartal einen ersten Höhepunkt. Zahlreiche Schwergewichte legen dort ihre Bilanzen vor. Der Blick geht aber auch nach Frankfurt.

EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

EZB-Präsident Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Denn am Donnerstag ist mal wieder EZB-Tag. Zwar rechnet niemand damit, dass sich das Leitzinsniveau in der Eurozone bis auf weiteres ändern wird, zuletzt ist aber der Druck der Märkte auf die europäische Notenbank gestiegen, den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Zinspolitik, zumindest verbal, anzugehen.

Der marktführende Bund Future, der Anfang Dezember noch bei 163,67 Prozent stand, ist mittlerweile auf 160,56 Prozent gefallen. Die Renditen ziehen also schon an, wenn auch nicht in dem Ausmaß und auf dem Niveau wie in den USA.

EZB und die Kommunikation

Überhaupt, das Thema Kommunikation sollte bei den Mitgliedern des EZB-Rates und dessen Chef Mario Draghi immer bedeutender werden, wie das Beispiel der US-Notenbank Fed zeigt. Diese hat Jahre gebraucht, um die Märkte auf moderat steigende Zinsen vorzubereiten - mit Erfolg, wie man derzeit sieht. Die Ankündigung einer moderaten Straffung der Geldpolitik sendet keine Schockwellen durch die Märkte, im Gegenteil.

EZB-Gebäude am frühen Morgen

EZB-Gebäude. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ob Mario Draghi das auch schafft? Ob er zumindest in seiner Kommunikation bereits erste zarte Hinweise einstreut? Dies dürfte die Hauptfrage sein, auf die die Märkte mit Argusaugen blicken werden. Immerhin hat die EZB das Ausmaß ihres QE-Programms seit Jahresanfang von 60 auf 30 Milliarden Euro im Monat reduziert.

Postbank-Analyst Lucas Kramer erwartet ebenfalls keine unmittelbaren Zinsschritte am Donnerstag. "Gleichwohl müssen die Währungshüter in den kommenden Monaten entscheiden, wie sie angesichts des anhaltenden Konjunkturaufschwungs sowie der sich wieder näher am EZB-Ziel befindlichen Inflationsrate den Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik weiter vorantreiben werden."

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1387
Differenz relativ
+0,18%

Damit sind Draghi und Co aber im Dilemma. Denn zunächst müsste die EZB eigentlich die Zinsspekulation aus dem Markt nehmen, um die permanente Aufwertung des Euro zu stoppen. "Der Markt wird seine zu optimistische Sichtweise anpassen müssen", sagt Commerzbank-Analystin Antje Praefcke mit Blick auf die EZB-Sitzung. "Dies spricht für eine möglicherweise herbe Abwärtskorrektur des Euro-Kurses." Für Spannung ist also wie immer gesorgt, wenn die EZB im Spiel ist. Ein fallender Eurokurs könnte den Aktienmarkt jedenfalls unterstützen.

Vorschusslorbeeren - die Hoffnung der Bullen

Abseits der geldpolitischen Überlegungen wird die kommende Woche ein erster absoluter Höhepunkt der amerikanischen Berichtssaison und ein großer Stimmungstest für die Märkte sein. Viele Schwergewichte, gerade aus dem Leitindex Dow Jones, legen Zahlen vor (bitte vergleichen Sie unsere Chartserie zu den 'Hinguckern der Woche'). Die Börsenbullen setzen an der Wall Street angesichts der Hochkonjunktur im Land auf blendende Unternehmensergebnisse und haben schon im Vorfeld am Aktienmarkt viel Vorschusslorbeeren verteilt.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
24.564,66
Differenz relativ
+0,41%

Der Leitindex Dow Jones steht über 26.000 Punkte und auch die anderen großen Indizes markieren bekanntlich Rekordniveaus. Und der Dax? Mit den Zahlen der Unternehmen müssen wir hierzulande noch etwas warten, auch wenn vereinzelte Überraschungen (wie zuletzt die BASF-Eckdaten für 2017) schon positiv überrascht haben.

Auch hierzulande warten die Bullen wie in den USA auf gute Unternehmensergebnisse, um endlich auf den Rekordzug der Wall Street aufzuspringen. Bei den Nebenwerten hat das bereits funktioniert, MDax und Co. markierten vergangene Woche neue Rekordniveaus. Immer noch arbeitet sich aber der Leitindex Dax am Hoch aus dem November bei 13.525 Punkte ab.

Video

Was nächste Woche wichtig wird... [19.1.18]

Diese Höhen hat er seitdem nicht mehr erreicht, wenngleich es zuletzt in kleinen Schritten bergauf ging. Eine Aufwertungsbörse hat es eben ungleich schwerer als derzeit die Wall Street. Hinzu kommt der schwierige Prozess der Regierungsbildung in Berlin, der weiter über den heimischen und europäischen Märkten schwebt. Eine Einigung wäre sicher hilfreich.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.066,41
Differenz relativ
-1,58%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.003,77
Differenz relativ
-1,73%
SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.221,40
Differenz relativ
-1,92%

US-Schwergewichte im Blick

Zu den großen Namen, die kommende Woche Zahlen vorlegen, gehören unter anderem Größen wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson, Siemens-Rivale General Electric, Telekom-Riese Verizon, Triebwerksbauer United Technologies, Chiphersteller Intel oder der Mischkonzern 3M - alle aus dem Dow Jones. Hinzu kommen zahlreiche weitere Unternehmen wie Autobauer Ford, der Streaming Dienst Netflix oder die Kaffeekette Starbucks. Aus Europa legen unter anderem die Schweizer Großunternehmen UBS und Novartis sowie der britische Rohstoffriese Anglo American Zahlen vor.

Konjunkturdaten....

In Deutschland wird neben der EZB-Sitzung mit dem Ifo-Index am Donnerstag der wohl wichtigste deutsche Konjunkturindikator erwartet, hinzu kommt das GfK-Verbrauchervertrauen. Aus Europa und den USA gibt es darüber hinaus die Einkaufsmangerindizes für das Verarbeitende Gewerbe. Am Freitag werden dann aus den USA noch erste Daten zum BIP des vierten Quartals sowie Auftragseingänge langlebiger Güter erwartet.

... und das WEF

Donald Trump grinst

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Ein wichtiger Höhepunkt der kommenden Woche beginnt dann noch am Dienstag mit dem World Economic Forum (WEF) im schweizerischen Davos. Die Großen und Mächtigen aus Wirtschaft und Politik treffen sich traditionell zum Gedankenaustausch, das Treffen geht bis Freitag.

Zuletzt hatte kein geringerer als US-Präsident Donald Trump angekündigt zu erscheinen, um seine "America First"-Politik vorzustellen. Da geht schon im Vorfeld ein Raunen durch die versammelte Menge, denn schon die Überschrift seiner politischen Agenda macht deutlich, dass er nicht als Verfechter des Freihandels auftreten wird. Kommt es zum nächsten Eklat mit dem unberechenbaren Poltergeist aus dem Weißen Haus?

Eine Fußnote könnte da wichtig werden. Da in den USA derzeit mal wieder eine Haushaltssperre in Kraft ist, ist der Termin noch nicht endgültig. Der Präsident werde die Situation Tag für Tag neu beurteilen, erklärte dessen Haushaltschef Mick Mulvaney am späten Samstagabend.

rm

1/23

Die Hingucker der Woche US-Schwergewichte im Blick

UBS: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

UBS