Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Nach Donald Trumps verheerendem Auftritt Dem Dax droht Gegenwind

von Robert Minde

Stand: 10.06.2018, 14:22 Uhr

Normalerweise wäre das Thema für einen Börsenausblick gesetzt. Denn sowohl die US-Notenbank Fed als auch die EZB tagen. Aber die Politik, vor allem in Gestalt von US-Präsident Donald Trump, wird immer unberechenbarer.

Die Art und Weise jedenfalls, wie der cholerische Immobilienmann aus Queens die Vereinbarungen des G7-Treffens am Wochenende platzen ließ, ist nicht nur beispiellos in der Nachkriegsgeschichte, sondern lässt auch Böses für die Märkte erwarten.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Wie soll ein Unternehmen verantwortungsvolle Investitionsentscheidungen treffen, wenn keine verlässlichen politischen Rahmenbedingungen herrschen beziehungsweise sich nach Gutsherrenart ständig ändern? In einem G7-Staat wohlgemerkt, nicht in irgendeinem Schwellenland (!) - und ohne Investitionen bekanntlich auch kein Wachstum, ein Blick ins Lehrbuch genügt.

Eine Unsicherheit, die übrigens für US-Unternehmen ebenso gilt für alle anderen. Aber derzeit genügt ein Tweet des Donald Trump und alle Karten müssen neu gemischt werden. Die besonnenen Kräfte sind angesichts der Kraftmeierei aus Amerika fast schon zu bedauern.

Kim Jong-un

Nordkorea Kim Jong-un. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Welt blickt derweil schon auf das nächste politische Großergeignis in Singapur mit Trump in der Hauptrolle. Sollte sein Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim erfolgreich sein und zu einer nuklearen Abrüstung der koreanischen Halbinsel führen, könnte dies im Gegenzug für Entlastung in Asien sorgen.

G7-Nachklang

Die Anleger dürften aber zunächst noch reichlich geschockt sein, wenn am Montag die Märkte wieder eröffnen. Denn ein sich ausweitender Handelskrieg zwischen Europa und den USA ist nach dem verhängnisvollen Treffen in Kanada immer wahrscheinlicher geworden. Und der Streit mit dem Riesen China ist ebenfalls noch nicht vom Tisch.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.350,82
Differenz relativ
-0,64%

Da kann es nur Verlierer geben, denn die Erwartungen an die zukünftigen Gewinne der Unternehmen trüben sich bei solchen Szenarien zwangsläufig ein - und nichts anderes wird bekanntlich an der Börse gehandelt, da sitzen alle Firmen weltweit in einem Boot.

Fazit: Die Luft dürfte rauher werden. Zumal der Dax ohnehin technisch angeschlagen ist, nachdem der Sprung über die Marke von 12.900 Punkten angesichts von Gewinnmitnahmen im Technologiesektor nicht gelungen war.

Blick auf die Notenbanken

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Was nächste Woche wichtig wird... [8.6.18]

Immerhin fällt Trump der zweifelhafte Verdienst zu, dass sogar das Treffen der beiden wichtigsten Notenbanken der Welt in den Hintergrund tritt. Am Mittwoch erwarten die Märkte nämlich die zweite Zinserhöhung in den USA in diesem Jahr, nachdem die Fed bereits im März angezogen hatte. "Der starke Arbeitsmarktbericht für Juni dürfte die Zweifel der bis dato noch unschlüssigen Fed-Führungsmitglieder ausgeräumt haben", sagt Ökonom Mark Holman vom Vermögensverwalter Vontobel Asset Management. Ein Viertelpunkt auf dann 1,75 bis 2,00 Prozent dürften es werden und mindestens eine weitere wird 2018 noch kommen - so die offizielle Lesart.

Aber es kommt, wie immer bei Notenbanken, auf die Zwischentöne an. Kommt da womöglich noch mehr als bisher auf der offiziellen Agenda steht? Eine Unsicherheit, die die Börsen weltweit schon lange beschäftigt und mit jeder neuen US-Konjunkturzahl neu thematisiert wird.

Und die gravierende Konsequenzen haben kann, besonders für die Gruppe der Schwellenländer. Denn ein fortgesetzter Abzug der dort investierten Dollars ins zinsträchtigere Heimatland wäre ebenfalls verheerend. Die aktuelle Schwächen der Währungen dieser Länder, etwa des brasilianischen Real, der türkischen Lira oder des südafrikanischen Rand, sprechen für sich.

Bleibt die EZB, um die es zuletzt ruhiger geworden war. Bis in der letzten Woche Chefvolkswirt Peter Praet ungewöhnlich deutlich geworden war; seitdem spielen die Märkte ein baldiges Ende der Anleihenkäufe der Bank. Derzeit werden noch rund 30 Milliarden Euro pro Monat aufgekauft.

Peter Praet, Mitglied des EZB-Direktoriums

Peter Praet, Mitglied des EZB-Direktoriums. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ein Ende des QE-Programms gilt als Vorstufe auch für höhere Zinsen im Euroraum, die aber frühestens ab Mitte 2019 erwartet werden (wobei "hoch" relativ ist wenn man von Null Prozent kommt). Aber auch hier reicht die Ankündigung, wie man am Euro sieht, der sich zumindest etwas von seinem jüngsten Tief gelöst hat.

Bei Italien bleiben viele Fragezeichen

Von der EZB ist der Bogen schnell gespannt zu Italien. Der neue italienische Finanzminister Giovanni Tria kündigte am Sonntag an, nicht aus dem Euro aussteigen und das Wachstum nicht durch Schulden finanzieren zu wollen. Damit will Tria wohl die Märkte beruhigen. Trotzdem, auch in der kommenden Woche dürfte sich die Börse wohl weiter fragen, wie die neue populistische Regierung in Rom die ganzen Wohltaten bezahlen will, die sie über das Volk ausschütten will.

Ärger mit Brüssel und den Defizitnormen der EU ist vorprogrammiert. Noch ist die Panik am Anleihenmarkt nicht ausgebrochen, aber die Renditen für italienische Staatsanleihen sind schon deutlich auf aktuell 3,1 Prozent gestiegen. Verlieren die Märkte das Vertrauen in den Willen der EZB die Schuldenmacherei zu decken, kann alles ganz schnell gehen. Dann hätte Europa nicht nur Donald Trump (der reicht alleine schon), sondern auch noch eine neue Schuldenkrise zu bewältigen.

Konjunktur: Blick in die USA

Hauptsächlich US-Konjunkturdaten bestimmen die neue Woche. So werden am Dienstag, parallel zur Fed-Sitzung, die Verbraucherpreise für den Mai erwartet. Am Donnerstag folgen die wichtigen Einzelhandelsumsätze und am Freitag das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.

Hierzulande werden am Dienstag die ZEW-Konjunkturerwartungen für den Juni erwartet, auf EU-Ebene gibt es am Donnerstag noch Zahlen zur Industrieproduktion im April sowie zur Beschäftigung im ersten Quartal.

Hexensabbat am Freitag

Hexensabbat

Hexensabbat . | Montage: boerse.ARD.de, colourbox.de

Wie immer im Quartalsmonat werden am Freitag Future- und Optionskontrakte gleichzeitig fällig. Entsprechend könnte es volatil werden am Aktienmarkt. Viel Neues aus dem Unternehmenssektor gibt es in der nächsten Woche nicht. Einige Unternehmen halten Kapitalmarkttage ab, so Merck, Infineon und HeidelbergCement aus dem Dax oder Rheinmetall aus dem MDax.

Hinzu kommen noch vereinzelt weitere Hauptversammlungen aus der zweiten Reihe. Harte Zahlen gibt es nur ganz vereinzelt, so vom Ingenieurdienstleister Bertrandt oder dem US-Softwarekonzern Adobe am Donnerstag. Am Mittwoch könnte das Aktionärstreffen der US-Telekomtochter T-Mobile US für Aufmerksamkeit sorgen.

Am Montag beginnt dann noch in Hannover die Cebit, die bis zum 15.6. dauert. Zahlreiche Schwergewichte, die nicht mehr alle aus dem Sektor sein müssen, geben zur Eröffnung Presseerklärungen ab, so VW, aber auch Huawei, Vodafone oder IBM.

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