Woowa Brothers
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Stürmische Expansion Delivery Hero wagt Milliarden-Asien-Deal

Stand: 13.12.2019, 15:10 Uhr

Der Essenslieferdienst Delivery Hero nimmt richtig viel Geld in die Hand. Für vier Milliarden Euro steigt das MDax-Unternehmen groß in Asien ein.

Das Berliner Unternehmen kauft den größten südkoreanischen Essenslieferanten Woowa Brothers. Verkäufer von 88 Prozent der Woowa-Anteile sind Finanzinvestoren wie Goldman Sachs und GIC, der Staatsfonds von Singapur. Die restlichen zwölf Prozent will Delivery Hero binnen vier Jahren vom Woowa-Management übernehmen.

Mit 1,9 Milliarden Euro zahlt Delivery Hero mehr als die Hälfte des Kaufpreises von insgesamt 3,6 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Aktien, die Anteile der Altaktionäre werden entsprechend verwässert. Die bisherigen Woowa-Eigentümer werden dann gut 17 Prozent an Delivery Hero halten. Der Rest des Kaufpreises soll in bar beglichen werden.

Hohes Wachstum - harte Konkurrenz

Südkorea ist wegen der hohen Bevölkerungsdichte und der steigenden Zahl an Single-Haushalten der viertgrößte Markt der Welt für Essenslieferdienste - und das Marktvolumen wächst schnell. Woowa ist Marktführer, Delivery Hero mit seiner App Yogiyo die Nummer zwei. Delivery-Chef Niklas Östberg ist dennoch zuversichtlich, die Zustimmung der Wettbewerbshüter zu erhalten. "Der Wettbewerb ist hart und auch nach der Fusion werden wir nur einen sehr kleinen Teil des Markts kontrollieren", argumentiert er.

Trotz der harten Konkurrenz, die sogar Uber mit dem Lieferdienst UberEats vom dortigen Markt fegte, ist Östberg optimistisch. Woowa sei seit einigen Jahren profitabel und werde seine Gewinne in der Zukunft weiter steigern. Zudem will man mit dem Woowa-Management ein Gemeinschaftsunternehmen in Singapur aufbauen.

Die Börse reagierte begeistert auf die Pläne. Die Delivery-Hero-Aktie legte in der Spitze um fast 24 Prozent auf glatt 62 Euro. Das ist der höchste Stand seit dem Börsengang Mitte 2017. Nach dem Kursanstieg ist Delivery Hero mit mehr als zehn Milliarden Euro bewertet und damit eines der teuersten Unternehmen im MDax.

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist in Deutschland selbst nicht mehr als Essenslieferant aktiv, nachdem das Geschäft hierzulande mit Marken wie Foodora, Lieferheld oder Pizza.de an den niederländischen Rivalen Takeaway für 930 Millionen Euro verkauft wurde.

ME/dpa/rtr