Ein Fahrer des Lieferdienstes
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Verkauf an Takeaway.com Delivery Hero nimmt Deutschland aus der Menüliste

Stand: 21.12.2018, 11:07 Uhr

Im boomenden Essenslieferdienst-Geschäft verschieben sich die Machtverhältnisse. Delivery Hero trennt sich von seinem Deutschland-Geschäft und gibt es an den niederländischen Rivalen Takeaway.com. Die Aktie macht einen Freudensprung.

Wer in Frankfurt, Berlin oder Hamburg sein Essen online bestellt und sich liefern lässt, landet höchstwahrscheinlich bei Takeaway. Denn künftig wird der niederländische Unternehmen den deutschen Essens-Lieferdienst dominieren. Für rund 930 Millionen Euro schluckt Takeaway die deutschen Dienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora von Delivery Hero.

Damit zieht der weltgrößte Essens-Lieferant Konsequenzen aus dem harten Verdrängungswettbewerb in Deutschland. Delivery Hero hatte sich seit längerem einen Kampf um die Vorherrschaft am deutschen Markt geliefert.

Delivery steigt bei Takeaway.com ein

"Diese Transaktion bringt dem Unternehmen vielerlei Vorteile und verbessert unsere Positionierung", sagte Delivery-Chef Niklas Östberg. "Ungeachtet des Verkaufs des Deutschlandgeschäfts werden wir unsere Umsatzziele für 2019 nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen. Gleichzeitig werden wir einen Anteil an Takeaway.com halten und über deutlich mehr liquide Mittel verfügen."

Delivery erhält für den Deal mit Takeaway 508 Millionen Euro in Bar und 9,5 Millionen Aktien von Takeaway im Wert von 422 Millionen Euro. Delivery hält damit künftig rund 18 Prozent an Takeaway. Das Vorhaben soll im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden.

Teil des Geldes wird reinvestiert

Die Berliner erklärten, etwa die Hälfte der zufließenden Barmittel sollten reinvestiert werden. Für 2019 wird ein Umsatz zwischen 1,08 und 1,15 Milliarden Euro angepeilt. Dabei rechnet der Vorstand mit einem Verlust (angepasstes Ebitda) von 270 bis 320 Millionen Euro geplant.

Das MDax-Unternehmen hatte im Sommer zusätzliche Investitionen im Volumen von 80 Millionen Euro angekündigt. Aufgrund der Aufwendungen verschoben die Berliner ihr zunächst für Ende 2018 angestrebtes Ziel, die Ergebnisschwelle beim bereinigten Betriebsergebnis (Ebitda) zu knacken.

Aktien von Delivery und Takeaway.com im Höhenflug

Die Transaktion sorgt bei den Anlegern von Delivery Hero und Takeaway für Festtagsstimmung, Die Aktien von Delivery Hero springen zeitweise um 25 Prozent. in die Höhe. Am späten Vormittag schmelzen die Kursgewinne auf elf Prozent. Ein Händler lobte die Chancen, die eine gemeinsame Verschlankung der Aktivitäten mit sich bringe. Fraglich sei nun aber, wie Delivery Hero die Gelder im kommenden Jahr reinvestieren wird. Ein weiterer Börsianer sprach von einem "strategisch vorteilhaften Deal".

Noch stärker explodiert der Kurs bei Takeaway. Die Aktien schießen um über 30 Prozent nach oben auf höchsten Stand seit knapp drei Monaten. Der Kaufpreis von insgesamt 930 Millionen Euro beinhalte einen Aufschlag von rund 35 Prozent auf die letzte Bewertung von Delivery Hero, schrieb Sherri Malek vom Analysehaus RBC. Sie wertet die Transaktion als positiv für die Niederländer, die damit ihr Umsatz- und Gewinnpotenzial steigerten und zum dominanten Akteur auf dem deutschen Markt würden.

nb

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Essenslieferanten an der Börse Von Delivery Hero bis Takeaway

<b>Delivery Hero</b><br />Das 2011 gegründete Berliner Start-up legte Ende Juni ein beeindruckendes Börsendebüt hin. Die Aktie schoss gleich am ersten Handelstag um neun Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Aktuell notiert der Titel 38 Prozent über dem Ausgabekurs. Delivery Hero liefert in über 40 Ländern Essen aus. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda präsent. Zwar wächst Delivery Hero rasant – 2016 stieg der Umsatz um fast 80 Prozent –, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. 2016 fiel ein Verlust von 195 Millionen Euro an. Das ist fast so viel wieder Umsatz (297 Millionen).: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

Delivery Hero
Das 2011 gegründete Berliner Start-up legte Ende Juni ein beeindruckendes Börsendebüt hin. Die Aktie schoss gleich am ersten Handelstag um neun Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Aktuell notiert der Titel 38 Prozent über dem Ausgabekurs. Delivery Hero liefert in über 40 Ländern Essen aus. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda präsent. Zwar wächst Delivery Hero rasant – 2016 stieg der Umsatz um fast 80 Prozent –, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. 2016 fiel ein Verlust von 195 Millionen Euro an. Das ist fast so viel wieder Umsatz (297 Millionen).