Delivery Hero

Prognose erhöht Delivery Hero im Bestell-Boom

Stand: 28.10.2020, 10:20 Uhr

Ausgangsbeschränkungen – dieses Wort ist Musik in den Ohren von Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg. Die Corona-Krise sorgt bei dem Essenslieferdienst für Rekordbestellungen.

Wegen der Ausgangsbeschränkungen und Hygieneregeln bestellen immer mehr Menschen weltweit ihre Mahlzeiten online bei Restaurants und lassen sie sich nach Hause liefern. Der Essenslieferdienst Delivery Hero hat dank dieses Booms für Außerhaus-Bestellungen in der Corona-Krise seinen Umsatz erneut fast verdoppelt.

Die Erlöse kletterten im dritten Quartal um 99 Prozent auf 776 Millionen Euro. "Das dritte Quartal war für uns ein weiterer Rekord in Bezug auf Umsatz- und Bestellwachstum", sagte Firmenchef Niklas Östberg.

Starkes Kursplus

Das bewegt den in Berlin ansässigen Dax-Neuling zu einer leicht erhöhten Umsatzprognose. Delivery Hero erwartet für das laufende Geschäftsjahr nun Erlöse von 2,7 bis 2,8 (zuvor: 2,6 bis 2,8) Milliarden Euro.

Anleger reagieren begeistert. Die Aktie steigt in einem überaus schwachen Gesamtmarkt im frühen Handel um bis zu 5,7 Prozent auf 101,15 Euro. In der Zwölf-Monats-Perspektive hat sich das Papier mehr als verdoppelt.

Wachstumsregion Asien

Große Hoffnungen liegen nun auf der Region Asien: Asien habe sich als attraktive Region mit "beträchtlichem Wachstumspotenzial" erwiesen, hieß es dazu am Mittwoch.

Nicht zuletzt aus diesem Grund setzt Delivery-Hero-Chef Östberg große Hoffnungen darauf, dass die vier Milliarden US-Dollar schwere angestrebte Übernahme des südkoreanischen Woowa bis Ende des Jahres die behördliche Genehmigung erhalten wird.

Erst im September hatte Delivery Hero den Start seines Japan-Geschäfts über die Tochter Foodpanda bekannt gegeben. Diese operiert bereits in knapp einem Dutzend anderer asiatischer Länder, unter anderem Singapur, Hongkong, Thailand, Pakistan und den Philippinen.

Von Profitabilität weit entfernt

Wie tief das Unternehmen weiterhin in der Verlustzone taumelt, ist derweil nicht bekannt. Ergebniskennzahlen legt Delivery Hero nämlich nur halbjährlich vor. Im ersten Halbjahr lag das operative Minus noch bei rund 320 Millionen Euro.

Dass das Unternehmen auch im Gesamtjahr operativ Verluste schreiben wird, daran ließen die Berliner am Mittwoch keinen Zweifel: Sie blieben bei ihrer Einschätzung, dass die bereinigte Ebitda-Marge 2020 bei minus 14 bis minus 18 Prozent liegen dürfte.

Mit anderen Worten: Sogar vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wird Delivery Hero Verluste schreiben. Kein Wunder, dass sich daher so manch ein Marktbeobachter fragt, was so ein Unternehmen überhaupt im Dax zu suchen hat.

ag