Hingucker der Woche

Frischer Schwung dank Berichtssaison? Dax zwischen Zoll und Zahlen

Stand: 15.07.2018, 12:28 Uhr

Handelsstreit und die US-Zollpolitik Donald Trumps werden die Anleger weiterhin auf Trab halten. Mit Rückschlägen ist zu rechnen. Aber vieles dürfte auch von den Unternehmensgewinnen abhängen, denn jetzt geht die Berichtssaison richtig los.

Die Aktienmärkte in den USA und Deutschland gehen derzeit getrennte Wege: In der vergangenen Woche verbuchte der Dax ein kleines Plus von knapp 0,4 Prozent. Am Freitag war er mit 12.540,73 Punkten aus dem Handel gegangen. In den USA lief es deutlich besser. Der S&P 500 gewann 1,5 Prozent, der Dow Jones 2,3 Prozent und der Nasdaq-Index 1,8 Prozent. Kann der deutsche Leitindex in den nächsten Tagen nachziehen oder sollten sich die Anleger weiterhin auf turbulente Zeiten vorbereiten?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Woche
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Vermutlich der langfristig wichtigste Faktor für Kursgewinne sind erfolgreiche Unternehmen. In der kommenden Woche werden mit dem Streamingdienst Netflix, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America, mit IBM, Microsoft und General Electric wahre Schwergewichte aus den USA berichten. Je besser die Zahlen, desto stärker der Aktienmarkt? Grundsätzlich ja, aber Fachleute mahnen auch zur Vorsicht.   

Zurückhaltende Prognosen wegen des Zollstreits?

Analyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg erwartet die Ausblicke betreffend deutlich vorsichtigere Töne als sonst. Grund hierfür sei der eskalierende Handelsstreit. Und da sich die Investoren naturgemäß vor allem für die Zukunft interessieren, könnten also selbst gute Zahlen nicht ausreichen, um die Kurse anzutreiben.  

Streich zufolge könnte das Gewinnwachstum ferner den Zenit überschritten haben. Im ersten Quartal seien die Gewinne der Unternehmen im Index S&P 500 um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Aktuell deuteten die Prognosen auf ein Plus von 20 Prozent hin. Zudem bleibt der Zollstreit ein Sorgenfaktor für die Märkte: "Ein möglicher Handelskrieg bedroht die globalen Produktionsketten und sorgt bei den Investoren weltweit für Nervosität", erklärte Helaba-Stratege Ulf Krauss.

US-Berichtssaison 2. Quartal

US-Berichtssaison: Hat das Gewinnwachstum den Zenit überschritten? . | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

"Die Frage ist, wie stark sich ein Handelskrieg nach Meinung der Firmen auf ihre Geschäfte niederschlagen könnte", sagte Marktexperte Ewout van Schaick vom Vermögensverwalter NN Investment Partners.

„Antrieb aus den USA“

Die Fachleute von ING argumentieren aus charttechnischer Sicht: Die Erholung müsse  weitergehen, der Dax müsse liefern und 12.500 Punkte nachhaltig erobern. „Sonst droht eine neue Abwärtswelle“. Antrieb sollte der DAX aber weiterhin vom US-Aktienmarkt erhalten, schreiben die Fachleute und verweisen auf die anhaltend starke Konjunktur, die sich zuletzt in den Daten vom US-Arbeitsmarkt gezeigt hätte. Es zeige sich, dass der US-Aktienmarkt kaum Grund habe, kräftig abzutauchen. Charttechnisch deutet ebenfalls nichts darauf hin, allen Unkenrufen in den Medien zum Trotz.“

Ob die gute Konjunktur in den USA tatsächlich anhält werden frische Wirtschaftsdaten zeigen. Am Montag steht der Einzelhandelsumsatz an, am Dienstag folgen Daten zur Industrieproduktion. Sie befände sich in einem klaren Aufwärtstrend, schreiben die Experten der Postbank. Hieran sollte sich auch im Juni nichts Grundlegendes geändert haben. „Vielmehr weist der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe mit seinem jüngsten Anstieg auf über 60 Punkte sogar darauf hin, dass die Dynamik noch einmal zugelegt haben könnte.“

US-Arbeitsmarktdaten: Im Moment brummt die Konjunktur. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Am Donnerstag warten wir auf den Philly Fed. "In den USA spricht mehr und mehr dafür, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal so kräftig wie seit fast vier Jahren nicht mehr expandiert hat", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. In der Eurozone stehen nur sehr wenige Konjunkturdaten auf dem Kalender. Die meiste Beachtung dürften noch die Verbraucherpreise in der gesamten Eurozone finden. Es handelt sich allerdings um die zweite Erhebung.

ts