Wochenausblick

Bilanzsaison erreicht Höhepunkt Dax zwischen Politik und Zahlen

von Robert Minde

Stand: 05.08.2018, 15:22 Uhr

Wer an der Börse in der kommenden Woche nach dem Sommerloch sucht, kann lange suchen. Der Handelsstreit zwischen den USA und China wird die Anleger ebenso in Atem halten wie eine wahre Flut neuer Bilanzdaten.

Während die Börse schon länger mit einer Spirale aus Drohungen und Gegendrohungen im Handelsstreit zwischen den USA und China zu kämpfen hat, erwarten die Marktteilnehmer hierzulande einen weiteren Höhepunkt der laufenden Berichtssaison zum Halbjahr 2018.

Dax

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Fast ein Drittel der Dax-Mitglieder öffnen nämlich ihre Bücher (siehe hierzu die "Hingucker der Woche"), hinzu kommt eine ganze Reihe von Unternehmen aus der zweiten Reihe. Da dürfte wenig Zeit für diejenigen bleiben, die nicht im Urlaub sind. Die Tatsache, dass viele Marktteilnehmer wohl noch in den Ferien weilen führt dabei zu der Gefahr, dass bereits geringe Umsätze für größere Bewegungen am Markt sorgen könnten. Gut anschnallen, könnte also die Devise der kommenden Woche heißen.

"Die aktuelle Berichtssaison der Unternehmen und der immer wieder aufkeimende Handelskonflikt bietet genug Potenzial für einen spannenden August", sagt Weberbank-Analyst Jan Nießen.

Wird der Handelsstreit zum offenen Handelskrieg?

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Was nächste Woche wichtig wird... [3.8.18]

Entscheidend wird sein (nicht nur in der kommenden Woche), ob es zwischen Amerika und China zu einer Verständigung kommt, die den Namen verdient. Derzeit sieht es nicht so aus, nachdem Präsident Trump zuletzt die Ausweitung der Zölle für chinesische Importe auf 25 Prozent angekündigt hatte bei Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar.

Erwachse aus all den gegenseitigen Drohungen ein ernsthafter Handelskrieg, hätte dies "deutliches Potenzial für Verwerfungen an den Börsen", warnt Analyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Während noch zwei Jahre zuvor dank der sehr starken Unterstützungen durch die weltweite Geldpolitik exogene Schocks wie der Brexit an den Börsen gut hätten abgefedert werden können, sei dieser Rückenwind nun deutlich abgeflacht.

Auch europäische Unternehmen blicken mit Sorgen auf die Lage, denn angesichts der Komplexität der globalen Warenströme wären auch sie von Sanktionen im chinesisch-amerikanischen Streit betroffen. Und der Konflikt mit Europa ist lediglich aufgeschoben, nicht aber aufgehoben.

Berichtssaison mit Volldampf voraus

Hinzu kommt, dass anders als in den USA die europäischen Unternehmen bisher eher gemischte Zahlen präsentiert haben. "Die laufende Berichtssaison zeigt bisweilen, dass es nicht mehr in allen Branchen rund läuft", kommentiert Christian Schmidt von der Landesbank Helaba.

"Bemerkbar macht sich auch, dass die europäischen Firmen im Gegensatz zu ihren US-Pendants keinen Rückenwind durch Steuersenkungen haben", sagt Analyst Markus Glockenmeier von der National-Bank.

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Die neue Woche wird zumindest in dieser Richtung etwas mehr Klarheit bringen, legen doch mit der Commerzbank, der Deutschen Post und Telekom, Beiersdorf, Eon, ThyssenKrupp, der Münchener Rück und Adidas immerhin neun Dax-Mitglieder ihre Zahlen vor. Hinzu kommen zahlreiche Firmenausweise aus der zweiten Reihe, unter anderem der Flughafenbetreiber Fraport, Hannover Rück oder der Online-Modehändler Zalando, alle aus dem MDax.

Am Donnerstag wird dann voraussichtlich noch die Entscheidung der EU-Kommission zur Linde-Praxair-Übernahme erwartet. Während hier mit Zustimmung gerechnet wird, hat sich die Lage am Wochenende aus US-Sicht deutlich verschärft. Die Linde-Aktie dürfte daher die ganze Woche im besonderen Fokus der Anleger stehen.

Nicht so viele Konjunkturzahlen

Auf der Konjunkturseite ist es dafür eher ruhig. Für Deutschland werden aber gleich zum Wochenstart Zahlen zu den Auftragseingängen erwartet und am Dienstag die Handelsbilanz und die Industrieproduktion (alles für Juni). Nach kräftigen Erholungen im Mai sei nun die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung hoch, schrieben die Experten der Postbank.

In den USA gibt es am Freitag dann mit den Verbraucherpreisen für Juli weitere für die Notenbank Fed wichtige Inflationsdaten. Diese dürften ihren Aufwärtstrend fortgesetzt haben. Hier rechnen die Postbank-Analysten mit einer Stabilisierung der Kerninflationsrate, die schwankende Preiskomponenten wie Energie ausklammert, bei 2,3 Prozent. Die Gesamtinflationsrate dürfte zugleich auf 3,0 Prozent und damit auf das höchste Niveau seit Ende 2011 gestiegen sein.