Handelssaal der Frankfurter Börse

Wochenausblick Zähe Börsenwoche oder Ausbruch nach oben?

Stand: 27.08.2017, 12:41 Uhr

Wohin geht die Reise für den Dax in der neuen Börsenwoche? Das Politchaos in den USA ist kein förderliches Klima. Der starke Euro macht dem Dax zusätzlich zu schaffen. Andererseits: Die Wirtschaft läuft.

Ausgesprochen zäh war der August bisher für den Dax. Der deutsche Leitindex war in einer Spanne zwischen 12.000 und 12.300 gefangen. Doch bald könnte das Börsenbarometer die 12.300er Marke überspringen, prognostiziert Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank. Schließlich laufe die heimische Konjunktur rund.

Das sehen auch andere Analysten so. Angesichts der positiven Gewinnentwicklung der Unternehmen setzten Anleger auf steigende Dividenden. Die Entwicklung des Euro dürfe aber nicht aus dem Auge verloren werden, warnt Anlagestratege Tobias Basse von der NordLB. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich seit Jahresbeginn um etwa zwölf Prozent und kostete zuletzt etwa 1,19 Dollar, woran auch EZB-Chef Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen ihren Anteil hatten.

Durch einen stärken Euro werden Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig. Ein Sprung über die psychologisch wichtige 1,20er Marke sei aber nicht zu erwarten, betont Bremer-LB-Volkswirt Hellmeyer. "Das ist politisch nicht gewollt."

Der Trumpinator droht

Dem Dax droht eine zähe letzte August-Woche, meint dagegen Hans Bernecker. Der Börsenbrief-Autor sieht nicht viel Luft nach oben: "Es fehlen speziell in Europa klare Kaufsignale", schrieb er in seiner "Termin-Börse". Als Belastung sei neben dem Euro das Politchaos in Washington, wo US-Präsident Donald Trump an Rückhalt verliere.

Auch Dirk Rogowski, Geschäftsführer der Veritas Investment GmbH, rät Anlegern dazu, wegen der Entwicklungen im Weißen Haus achtsam zu bleiben. "Es gilt wie immer seit November 2016 die einschränkende Bemerkung, dass der "Trumpinator" alles durcheinander bringen kann", sagt der Experte.

Anleger sorgen sich mehr denn je um die Umsetzung von Trumps zahlreichen Versprechungen. Hinzu kommen die Gefahren, die von einem möglichen neuen Säbelrasseln mit Nordkorea ausgehen können. Und droht noch Ungemach, weil Trump damit droht, einen Stillstand der Verwaltung zu riskieren, wenn der Kongress keine Mittel zum Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko bewilligt. In den kommenden Wochen stehen Verhandlungen zum US-Haushalt und zur Anhebung der Schuldenobergrenze an. Ohne Einigung können Etatmittel für Gehälter oder den Schuldendienst nicht mehr freigegeben werden. NordLB-Experte Basse riet allerdings zur Gelassenheit. "Die USA werden alles tun, um ihre Anleihen zu bedienen."

Und dann kommt ja noch der September

Rogowski sieht die neue Woche als richtungweisend für den September, der unter Anlegern gefürchtet ist. Von Statistikern historisch nachgewiesen, ist er der schwächste Börsenmonat. Daher resultiert auch die alte Börsenweisheit "Sell in May and go away, but remember to come back in September" - wonach Anleger ihr Pulver den Sommer über trocken halten und spät im September wieder zugreifen sollten.

Konjunkturseitig ist die neue Woche gut bestückt. Die US-Jobdaten sind da das wichtigste Event der Woche. Der Beschäftigungszuwachs in den USA werde zwar geringer ausfallen als in den Vormonaten, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Dennoch entstehen weiterhin monatlich mehr neue Jobs, als Personen auf den Arbeitsmarkt drängen. Dies sollte sich früher oder später in höheren Löhnen niederschlagen."

Steigende Löhne führen üblicherweise zu einer anziehenden Inflation. Dies würde den Spekulationen auf einen baldigen Start des Abbaus der billionenschweren Fed-Wertpapierbestände und eine weitere US-Zinserhöhung vor dem Jahresende befeuern. Die Wahrscheinlichkeit von Letzterem sehen Anleger derzeit allerdings bei weniger als 40 Prozent.

Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Job-Daten am Freitag bieten die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Mittwoch. Außerdem stehen am Donnerstag Informationen zu Einkommen und die Konsumausgaben an. Die Einkäufe der US-Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Daneben warten Investoren gespannt auf die europäischen Inflationszahlen am Donnerstag. Ein Anstieg der Kern-Teuerung - ohne Berücksichtung der stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel - würde den Befürwortern einer baldigen Drosselung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) Rückenwind geben, sagt Commerzbank-Experte Weil. "Wir rechnen allerdings mit einem leichten Rückgang der Rate von 1,2 auf 1,1 Prozent." Die EZB strebt eine Inflation von knapp zwei Prozent an.

bs

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