Mann vor Fernglas

"Gespalten in die zweite Jahreshälfte" Dax: Hoffen auf einen weiteren Schub

Stand: 05.07.2020, 10:18 Uhr

Ob sich die Kurserholung auch in der kommenden Woche fortsetzt oder die Investoren eine Atempause nehmen, wird von frischen Impulsen abhängen. Nur: Woher sollen sie eigentlich kommen?

In der vergangenen Woche hatte der Dax immerhin 3,6 Prozent zugelegt. Obwohl an der Wall Street am Freitag wegen eines Feiertages nicht gehandelt wurde, lief es auch in den USA glänzend. Im Wochenvergleich ergab sich für den Dow ein Plus von 3,3 Prozent, den S&P ein Aufschlag von vier Prozent und den Nasdaq ein Gewinn von 4,6 Prozent. So sieht ein gelungener Start in das zweite Halbjahr aus. Aber was bedeutet das für die Zukunft?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.674,88
Differenz relativ
+0,66%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.351,69
Differenz relativ
+0,07%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.438,31
Differenz relativ
+0,20%

"Atempause schadet nicht"

Der Markt brauche aktuell neue Impulse, meint David Iusow, Analyst bei DailyFX. "Bleiben die aus, könnte es sehr schnell auch negativ werden." Portfoliomanager Olivier Marciot vom Vermögensverwalter Unigestion bezweifelt, dass es für die Börsen in diesem Tempo weiter aufwärtsgeht. "Eine Atempause schadet nicht und schließt eine Fortsetzung der Rallye nicht aus."

Die Aktienmärkte gingen gespalten in die zweite Jahreshälfte, konstatierte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Einerseits signalisieren die globalen Frühindikatoren mit tatkräftiger Hilfe von Geld- und Fiskalpolitik sogar V-förmige Wirtschaftserholungen. Andererseits muss die Konjunktur-Saat auch tatsächlich aufgehen, zumal weltweit wieder zunehmende Corona-Infektionszahlen Sorgen vor erneuten Shutdowns nähren." Nun stelle sich laut Halver die Frage, welches Lager der Investoren am Ende die Oberhand gewinnt.

Menschen mit Atemmasken in einer Fußgängerzone

Shoppen in Zeiten von Corona. | Bildquelle: imago images / photonews.at

Zwischen Hoffen und Bangen

Elmar Völker von der Landesbank Baden Württemberg sieht die Märkte derzeit in einer Art Schwebezustand zwischen Hoffen und Bangen. Positiv ist: Die überraschend positiven US-Arbeitsmarktdaten hielten die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung der Wirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Pandemie am Leben, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Sollte es tatsächlich so kommen, ist noch viel Luft nach oben."

Anlagestratege Axel Botte vom Vermögensverwalter Ostrum erwartet dagegen größere Rücksetzer. Aktien seien kurz vor Beginn der US-Bilanzsaison sehr teuer. Schließlich werde für die Unternehmen im Index S&P 500 ein Gewinnrückgang von durchschnittlich neun Prozent prognostiziert. "Der erwartete Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte erscheint angesichts des Wiederanstiegs der Corona-Infektionen optimistisch. So lassen die aktuellen Bewertungen wenig Raum für Enttäuschungen."

Jobsuchende in New York

Jobsuchende in New York. | Bildquelle: picture-alliance/imageBroker

Hoffnung auf schnelle Erholung

Wie seit Wochen schon werden sich die Anleger besonders für aktuelle Konjunkturdaten interessieren. Zu den wenigen Zahlen auf dem Terminkalender in den nächsten Tagen gehören die Auftragseingänge (Montag) und die Produktion (Dienstag) der deutschen Industrie. "Auch wenn die Vorkrisenniveaus wohl noch weit entfernt sind, dürfte dies der Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft zunächst einmal Auftrieb geben", sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

In den USA steht am Montag das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor auf dem Plan. Hier erwartet Commerzbank-Experte Solveen ebenfalls einen Anstieg.

Industrieanlage

Industrie. | Bildquelle: imago images / McPHOTO

Nach Einschätzung von Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba hätten die Konjunkturdaten der vergangenen Woche durchweg positiv überrascht. Allerdings sei laut Windt die Frage nach der Nachhaltigkeit einer solchen konjunkturellen Aufwärtsbewegung mit einigen Fragezeichen zu versehen.

Denn nicht nur die rasant steigende Zahl der Neuinfektionen biete Anlass zur Sorge, sondern auch der weiter schwelende Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China.

ts