Frau mit Fernglas

Zwischen Hoffen und Bangen Dax: Wird die Luft bald dünner?

Stand: 13.05.2018, 11:14 Uhr

Nachdem der Dax sieben Wochen in Folge zulegen konnte, zeigten sich zuletzt einige Ermüdungserscheinigungen. Dennoch attestieren Experten dem Makt weitere Zugewinne - trotz anhaltender geopolitischer Risiken.

Die demonstrative Gelassenheit an den Finanzmärkten grenze schon an Sorglosigkeit, erklären die Fachleute der Helaba mit Blick auf die geopolitischen Risiken im Iran-Konflikt. Dass die Aktienmärkte sowohl in Europa als auch an der Wall Street dennoch zulegen, habe einen gewichtigen Grund. Die Anleger können sich derzeit auf einen wichtigen Verbündeten stützen: die US-Notenbank.

Video

Was nächste Woche wichtig wird... [11.5.18]

Nachlassende Inflationssorgen dämpfen die Furcht vor steigenden Zinsen. Die Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr langsamer und moderater anheben wird als zunächst befürchtet. Also doch nur drei Zinsschritte und nicht vier. Dies hat zu einer Entlastung an den Rentenmärkten beigetragen, wo die Renditen für zehnjährige US-Bonds erst einmal nicht weiter gestiegen sind.

Schwacher Euro und Berichtssaison

Darüber hinaus milderte die Erwartung einer nicht weiter auseinanderlaufenden transatlantischen Zinsdifferenz den Aufwertungsdruck auf den Dollar. Der Euro konnte sich gegenüber dem Greenback zuletzt wieder etwas festigen, kletterte sogar wieder in Richtung 1,20 Dollar. Dennoch hat die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Wochen um gut fünf US-Cent abgewertet. Das macht Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt attraktiver - und befeuert die Aktienkurse.

Getrieben wird der Markt auch von der laufenden Berichtssaison. Sie zeigt, dass die meisten Unternehmen prächtig verdienen. Sollte die derzeitige Gelassenheit anhalten und es nicht zu einem abrupten Ende der guten Konjunktur kommen, erwarten die meisten Experten in den kommenden Wochen weitere Kursgewinne, so dass der deutsche Leitindex sein altes Rekordhoch bei 13.559 Punkten wieder erreichen oder sogar übertreffen könnte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
12.374,66
Differenz relativ
+0,19%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
26.525,78
Differenz relativ
-0,14%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
1,1765
Differenz relativ
+0,13%

Steigt der Ölpreis weiter?

"Wenn der Dollar stark bleibt, rechnen wir bis zum Sommer mit Dax-Gewinnen von zwei bis vier Prozent," sagt Thomas Romig, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. Fragt sich nur, wie lange der Markt die Warnzeichen einer sich abkühlenden Wirtschaft sowie die bedrohlichen geopolitischen Risiken ausblenden wird. "Noch perlt die politische Unsicherheit an den Märkten ab, doch die Luft wird dünner", sagte der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers Robert Greil.

Tatsächlich hat die Aufkündigung des Atom-Abkommens mit Iran einige Kopfschmerzen bereitet. Nicht wegen den Folgen der Sanktionen für die Wirtschaft - der Anteil der Exporte in den Iran ist für die deutsche Wirtschaft verschwindend gering - sondern wegen dem Anstieg der Ölpreise. Bereits jetzt ist der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee zeitweise auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 77,57 Dollar je Barrel (159 Liter) geklettert. "Mit Blick auf die US-Außenpolitik spricht zur Zeit wenig für Entspannung und damit für wieder moderatere Ölpreise in nächster Zeit", sagt Martin Lück vom Vermögensverwalter Blackrock.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
81,88
Differenz relativ
+1,83%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
72,21
Differenz relativ
+0,33%

Fünf Dax-Konzerne legen Zahlen vor

In der kommenden Woche dürften erneut die Firmenbilanzen für große Aufmerksamkeit sorgen. Außerdem müssten die Risiken mit einer vollständigen Handelswoche ohne Feiertag neu bewertet werden, sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research.

ZEW-Konjunkturindex April 2018: -8,2

ZEW-Konjunkturindex April 2018. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

Am Dienstag allein legen fünf Dax-Werte Geschäftszahlen vor. Dazu gehören die Commerzbank, der Versicherer Allianz und der Versorger RWE. Im Ausland öffnen unter anderem der Telekom-Rivale Vodafone (Dienstag) und der Einzelhändler Wal-Mart (Donnerstag) ihre Bücher.

Konjunkturseitig warten Investoren unter anderem auf die Zahlen zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum sowie den ZEW-Index, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt (allesamt Dienstag). Der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes habe sich voraussichtlich auf jeweils 0,4 Prozent abgeschwächt, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Ein weiterer Rückgang des ZEW-Index dürfte zeigen, dass dies zunehmend auch die Analysten nervös macht." Jenseits des Atlantiks stehen die Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von New York (Dienstag) und von Philadelphia (Donnerstag) auf dem Terminplan. Dazu kommen die US-Industrieproduktion am Mittwoch und die Frühindikatoren am Donnerstag.

lg

1/12

Die Hingucker der Woche Von Borussia Dortmund bis Walmart

Den Auftakt macht am Montag Borussia Dortmund. Der Fußballverein präsentiert die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Den Auftakt macht am Montag Borussia Dortmund. Der Fußballverein präsentiert die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal.