Frau mit Fernglas

Rezessionsängste & Zentralbankhoffnungen Dax: Unsicherheit bestimmt das Handeln

Stand: 18.08.2019, 12:05 Uhr

Die Furcht vor einer Rezession und die globalen politischen Turbulenzen werden die Anleger auch in der kommenden Woche auf Trab halten. Wie immer setzen die Marktakteure auf die Zentralbanken – und sogar auf Donald Trump.

Auf Wochensicht lag der Dax 1,2 Prozent im Minus, der Dow Jones büßte 1,5 Prozent ein – und das, obwohl die Indizes am Freitag mit deutlichen Gewinnen aus dem Handel gegangen waren. Der deutsche Leitindex hat vom Hoch Ende Juli in nur gut drei Wochen mehr als 1.000 Punkte oder fast neun Prozent eingebüßt. Dürfen wir darauf hoffen, dass der Rückenwind auch in der nächsten Wochen anhält, oder war es nur ein kurzes Aufbäumen, bevor es weiter abwärts geht?  

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.283,51
Differenz relativ
+0,65%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.689,88
Differenz relativ
+0,03%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.712,20
Differenz relativ
+0,42%

Der Dealmaker braucht einen Deal  

Die Preisfrage lautet also: Warum auzsgerechnet jetzt Aktien kaufen? Denn die Lage ist unverändert ernst. Die Rezessionssorgen verdichten sich, der Handelskonflikt bleibt ungelöst, der Brexit steht bevor, in Italien ist wieder einmal Regierungskrise. Hinzu kommen noch die Furcht vor einer Staatspleite in Argentinien sowie die Unruhen in Hongkong.           

„Unsicherheit ist Gift für die Börse“, sagt Analyst Markus Reinwand von der Helaba. Erfahrungsgemäß würden solche Kapitulationsphasen aber auch Chancen bieten, meint der Fachmann. Kurzfristig könne sich die Situation jedoch noch zuspitzen, bevor es an den Börsen wieder aufwärts geht. Reinwand argumentiert: „Trump kann es sich angesichts der im kommenden Jahr anstehenden Wahlen nicht leisten, dass der Aktienmarkt einbricht und die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittert.“ Die Schlussfolgerung: Trump habe ein hohes Interesse an einer Deeskalation im Zollstreit.

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader ist weniger optimistisch: „Von einem Handelsabkommen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt können die Anleger weiterhin nur träumen“.  

Donald Trump unterschreibt

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Die Zentralbanken sollen es richten

Und das hat ziemlich direkte Auswirkungen auf die globale Konjunktur und damit im Ergebnis auch auf die Aktienkurse. „Unser hauseigenes Konjunkturzyklusmodell signalisiert schon seit Jahresbeginn, dass sich die globale Konjunkturlage deutlich eingetrübt hat und mittlerweile so schlecht ist wie zuletzt in den Jahren 2008/2009“, führte Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg aus.

Inzwischen schwinde laut Klude allerdings der Glaube an die Wirkungsmacht neuer Geldspritzen der großen Notenbanken, der den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten Auftrieb gegeben habe. Der Konjunktureintrübung im Rest der Welt würden sich auch die USA langfristig nicht entziehen können.

Trotzdem hoffen viele Marktbeobachter auf die Zentralbanken. Jeff Schulze vom Vermögensverwalter Clearbridge setzt ganz auf die Fed. „Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht, und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft.“

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / newscom

Am Donnerstag beginnt in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming das jährliche Notenbanker-Treffen. Dirk Friczewsky vom Online-Broker Lynx stellt fest: „In der Vergangenheit wurden dabei auch konzertierte Aktionen der Zentralbanken beschlossen, um die Märkte zu stützen“, sagte der Finanzanalyst. Grundsätzlich aber müssten Notenbanken „Marktkorrekturen zulassen“, statt sie mit immer neuen geldpolitischen Anreizen zu „manipulieren“.

Die Konjunkturdaten der Woche

Vor diesem Hintergrund warten Marktteilnehmer auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Mittwoch. Aus den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen erhoffen sie sich Hinweise auf Tempo und Zeitpunkt der erwarteten Zinssenkungen.

Am Tag darauf liefern die US-Frühindikatoren Hinweise auf die Wachstumsaussichten der weltgrößten Volkswirtschaft. Parallel dazu werden die deutschen Einkaufsmanager-Indizes veröffentlicht. Commerzbank-Analyst Christoph Weil prognostizierte eine trübere Stimmung vor allem im Dienstleistungssektor. „Dies wäre ein Zeichen dafür, dass dieser Sektor zunehmend von der schwachen Industriekonjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Was wird aus den Unternehmensgewinnen?

Von den Unternehmen erwarten wir noch einige Quartalsberichte. Die Berichtssaison ist aber im Wesentlichen gelaufen. „Unsere Erwartung war seit einigen Monaten, dass die Unternehmensgewinne der Dax-Gesellschaften in diesem Jahr schrumpfen werden“, schreiben die Experten der DZ Bank und werfen einen Blick voraus: „Nach dem jüngsten Reigen der Gewinnwarnungen während der Berichtssaison zum zweiten Quartal, insbesondere aus den zyklischen Sektoren, spricht einiges dafür, dass dies auch geschehen wird.“ Das dritte Quartal dürfte nach Ansicht der DZ Bank kaum Besserung bringen.   

ts/dpa/rts

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