Hingucker der Woche

Hauptsache über 11.000 Punkten Dax stolpert in unsicherem Terrain

Stand: 25.11.2018, 12:49 Uhr

Wo stünde der Dax, wenn die akuten politischen Probleme nicht wären? Aber es ist ja nicht nur die Politik, auch die Konjunktur macht den Anlegern Sorgen. In der kommenden Woche ist ein Befreiungsschlag eher unwahrscheinlich.

Derzeit hat nicht nur der Dax zu kämpfen. In der vergangenen Woche knickte er um 1,3 Prozent ein. Immerhin gelang ihm am Freitag ein versöhnlicher Wochenschluss. Deutliche schlechter lief es in den USA, wo der S&P 500 auf Wochensicht 3,8 Prozent nachgab. Der Dow Jones sank um 4,4 Prozent und der Nasdaq-Index 4,3 Prozent - für die beiden letzteren ist es der größte Wochenverlust seit März. Leider sieht es nicht danach aus, als würde sich das Blatt demnächst entscheidend wenden.  

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
12.143,47
Differenz relativ
+0,85%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
2.863,17
Differenz relativ
+0,82%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
25.811,65
Differenz relativ
+0,53%

Es ist wieder einmal die Politik, die den Investoren die meisten Sorgen macht. Dabei gibt es beim Brexit zumindest Fortschritte: Die EU hat den Vertrag über den EU-Ausstieg Großbritanniens verabschiedet. Fraglich bleibt aber, ob auch das britische Parlament dem Brexit-Deal zustimmen wird. „Zwar könnten einige Punkte des Abkommens May helfen, sowohl den Skeptikern als auch den Pro-Europäern die Vereinbarung schmackhaft zu machen. Ob aber Mitte Dezember tatsächlich das 'Go' des britischen Parlaments erfolgt, ist unsicherer denn je“, meint die Helaba-Expertin Claudia Windt. Es ist folglich nicht ausgeschlossen, dass dieses Thema ein Belastungsfaktor bleibt.   

Die nächste Schuldenkrise?

Spannend ist auch die Lage in Italien. Zuletzt hatte der schleppende Verkauf der sogenannten Patriotenanleihe für Verstimmung gesorgt. Die Tür für ein EU-Defizitverfahren gegen Italien sei jetzt offen, meint Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank. „Doch bis es tatsächlich anläuft und Sanktionen drohen, ist es noch ein langer Weg.“       

„Je länger der Konflikt anhält, desto eher werden Anleger nervös", warnt Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. „Die EU darf nicht vergessen, dass der italienische Bondmarkt der drittgrößte der Welt ist.“ Ein abrupter Anstieg der Renditen könnte eine Schuldenkrise auslösen. Die zehnjährigen italienischen Anleihen rentieren aktuell bei etwa 3,4 Prozent, rund drei Punkte über vergleichbaren Bundestiteln.

Brüchige Wand in grün-weiß-rot

Italien. | Bildquelle: Imago

Trübes Chartbild

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer steht ebenfalls unter Beobachtung. Eine umfassende Lösung für den Zollstreit sei im Rahmen des G20-Gipfels unrealistisch, sagt Robert Greil, Chef-Anlagestratege der Privatbank Merck Finck. "Zumindest aber sollte die in den Raum gestellte Ausweitung der US-Zölle auf alle chinesischen Importe vom Tisch kommen. Sonst droht den Börsen noch mehr Ungemach."

Die Charttechnik macht zudem Sorgen: „Erst über 11.400 Punkten würde sich die Lage im Dax wieder aufhellen und ein Anstieg bis 11.600 Punkte möglich werden“, schreiben die technischen Analysten der ING  Unter 11.000 Punkten dürfte der Dax zunächst bis 10.800 Punkte abgeben. Außerdem würde sich die Lage im großen Bild von Long auf Short drehen.“ Der Bereich um 11.000 Punkte sei die letzte Verteidigungslinie der Bullen. Gehe es weiter runter, wären deutlich tiefere Kurse möglich, so das Fazit.

Die Anzeichen für einen weiteren Kursrückgang des Dax seien kaum noch zu ignorieren, schreibt auch Andreas Büchler von Index-Radar. „Vor allem die jüngste Kursentwicklung spricht Bände.“

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Abschied von der Berichtssaison

Da die Bilanzsaison im Wesentlichen vorbei ist, stehen vor allem Konjunkturdaten im Fokus. Am Montag steht hierzulande der Ifo-Index an. Des Weiteren warten wir auf Hinweise auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank während der turnusgemäßen Anhörung des EZB-Chefs Mario Draghi vor dem Europäischen Parlament am Montag. Am Donnerstag folgen die deutschen und am Freitag die europäischen Inflationsdaten.

In den USA stehen vor allem Daten zur Preisentwicklung im Fokus der Anleger. "Der zuletzt stärkere Lohnanstieg in den USA hat Erwartungen geweckt, dass nun auch der Inflationsdruck zunimmt", sagte Experte Christoph Weil von der Commerzbank. Er geht aber davon aus, dass sich diese Entwicklung noch nicht in den Oktober-Daten zeigen dürfte. Außerdem werden Zahlen zu den Konsumausgaben und das Verbrauchervertrauen des Coneference Board veröffentlicht.

ts