Wochenausblick

Politische Lage undurchsichtig Dax zwischen Eurokrise und Handelskrieg

Stand: 03.06.2018, 12:25 Uhr

Die Anleger sollten sich auf turbulente Tage vorbereiten, denn die schwierige Situation in Italien und die drängende Zollfrage dürften die Stimmung deutlich beeinträchtigen.

In der abgelaufenen Woche hatte der Dax trotz eines famosen Freitags 1,7 Prozent eingebüßt und sich damit weiter von der Marke von 13.000 Punkten entfernt. In den USA sank der Dow Jones im Wochenvergleich um 0,5 Prozent. Der S&P 500 gewann dagegen 0,5 Prozent, der Nasdaq stieg sogar  1,6 Prozent zulegten. Die Aussichten für die kommenden Tage sind bestenfalls gemischt.    

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.776,55
Differenz relativ
+1,40%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.798,42
Differenz relativ
+2,17%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.809,92
Differenz relativ
+2,15%

Ciao Entspanntheit!

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Bildung einer europakritischen Regierung in Italien die Finanzmärkte auch weiterhin beschäftigen wird. „Zur Entwarnung besteht kein Anlass", meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, mit Blick über die Alpen. Zwar sei der Wechsel in der Besetzung des Finanzministeriums ein weiteres Indiz dafür, dass die neue Regierung nicht auf einen schnellen Ausstieg aus dem Euro abzielt.“ Dies ändere nichts daran, dass sie gegenüber Brüssel einen Konfrontationskurs verfolgen werde.

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Was nächste Woche wichtig wird... [1.6.18]

Mit Blick auf die Kursgewinne nach der Regierungsbildung am Freitag sagte Anlagestratege Antoine Bouvet von der Investmentbank Mizhuo: „Die Erleichterungsrally wird nur von kurzer Dauer sein. Die fiskalpolitisch verschwenderische Agenda bleibt.“ Claudia Windt, Analystin bei der Helaba teilt die Skepsis: „Die Tage europäischer Entspanntheit dürften erst einmal vorüber sein".

„Phasen der Panik“

Julien-Pierre Nouen, Chef-Wirtschaftsstratege des Vermögensverwalters Lazard Frères Gestion, fasst die Lage folgendermaßen zusammen: „Solange die Situation in Italien nicht geklärt ist, dürften die Aktienmärkte volatil bleiben und wir könnten Phasen der Panik erleben. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt jedoch positiv, mit einem robusten globalen Wachstum, was wiederum das Gewinnwachstum je Aktie unterstützt. Das Problem ist, dass der Markt in Krisenzeiten nicht auf derlei gesunde Grundlagen achtet. Sobald aber die Angst nachlässt, sollte sich dies ändern.“

Aber nicht nur die Sorge um Italien bringt die Märkte in Wallung. Auch der sich verschärfende Handelskonflikt mit den USA ist geeignet, die Anleger zu höchster Vorsicht zu treiben. Guido Schäfers meint im aktuellen Bernecker-Börsenbrief „Termin-Börse“: „Die Lage spitzt sich zweifelsohne zu. Sollte es tatsächlich zu einem massiven Handelskrieg kommen, sind die Tage der steigenden Kurse an den wichtigsten Aktienmärkten gezählt."

Handelsstreit zwischen USA und Eurozone

Der Handelsstreit zwischen USA und Eurozone verschärft sich. | Bildquelle: Imago

Industriedaten aus Deutschland erwartet

Die Berichtssaison ist vorbei, von Unternehmensseite sind derzeit nur wenige Termine zu erwarten. Etwas aufregender wird die Lage an der Konjunkturfront sein. Am Dienstag stehen in den USA Stimmungsdaten der Dienstleister an.„In den USA laufen die Geschäfte in den Branchen außerhalb des verarbeitenden Gewerbes weiterhin sehr gut", lautet die Einschätzung des Experten Ralph Solveen von der Commerzbank.

Hierzulande warten wir auf die Daten zu den Auftragseingängen und zur Industrieproduktion im April. Die deutsche habe einen "missglückten Jahresstart" hingelegt, schreibt die Dekabank in einem Wochenausblick. Daran habe auch die positive Überraschung bei der deutschen Produktion im März nichts mehr geändert. Ein Trendwende sei nicht zu erwarten. Die Dekabank erwartet auch bei den Auftragseingängen eine Enttäuschung.

ts