Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Anleger müssen vorbereitet sein Politische Börsen: lange oder kurze Beine?

Stand: 26.08.2018, 12:42 Uhr

Auch in der nächsten Woche werden sich die Investoren wieder viel mit Politik befassen müssen. Deshalb ist auf jeden Fall für Spannung gesorgt, denn dank US-Präsident Donald Trump ist von Schmusekurs bis Gewaltandrohung alles möglich. Diese Ungewissheit könnte den Dax belasten.

In der vergangenen Woche hatte der Dax immerhin rund 1,5 Prozent zugelegt. Am Freitag war er bei 12.394 Zählern aus dem Handel gegangen. In den USA hatte der Dow Jones auf Wochensicht 0,5 Prozent gewonnen, der S&P 500 0,9 Prozent und die Technologiebörse satte 1,7 Prozent. Das sieht zwar zunächst nach einer guten Basis für weitere Gewinne aus – Analysten und Marktbeobachter unterstreichen aber, dass die Börse jederzeit mit Gegenwind von politischer Seite rechnen muss.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
10.865,77
Differenz relativ
-0,54%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
24.098,73
Differenz relativ
-2,01%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
2.599,86
Differenz relativ
-1,86%

Ansteckungseffekte bei Schwellenländern?

Guido Schäfers schreibt im aktuellen Bernecker-Börsenbrief "Termin-Börse", dass eine nachhaltig freundliche Tendenz sich angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und China noch nicht durchsetzen dürfte. In der vergangenen Woche war der Zollstreit zwischen China und den USA in die nächste Runde gegangen. Mit Eskalationen ist praktisch immer zu rechnen.

Die Fachleute der Helaba weisen zudem darauf hin, dass der US-Präsident auch innenpolitischen Querelen ausgesetzt ist: Da er dem Verdacht ausgesetzt sei, Gesetze zur Wahlkampffinanzierung gebrochen zu haben, brächten seine Gegner nun die Möglichkeit eines Amtsenthebungsverfahrens ins Spiel: „Die Börsianer hat das wenig beeindruckt.“ Aber das muss ja nicht so bleiben, zumal auch der US-Konflikt mit der Türkei weiter schwelt. Fachleute schließen Ansteckungsgefahren in den Schwellenländern keineswegs aus.

Dominoeffekt Türkei und Schwellenländer

Dominoeffekt. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

In einer Spanne gefangen

Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank sieht die Sache gelassen:  „Insgesamt hat das Thema Handelskrieg an Bedeutung verloren.“ Nach der zwischenzeitlichen Aktienkonsolidierung im Rahmen der türkischen Währungskrise habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass wirklich schädliche Ansteckungseffekte für andere Schwellenländer ausbleiben würden.

Aus charttechnischer Sicht ist die Lage nach Ansicht der Experten von ING tendenziell eher negativ: Der Dax sei weitgehend in der Spanne von 12.350/12.400 Punkte gefangen. „Sollte ihm nicht doch noch ein Befreiungsschlag über 12.400/12.450 Punkte gelingen, ist ab jetzt mit verstärkt fallenden Kursen Richtung 12.300 Punkte und tiefer zu rechnen. Sollte eine neue Abwärtswelle starten, dürfte 12.050 und eventuell 11.900 Punkte angelaufen werden.“ Dann wäre ein Richtungswechsel möglich, lautet ihre Einschätzung.

Robert Halver

Robert Halver. | Bildquelle: Baader Bank

„Ausmaß und Richtung unsicher“

Nachdem die Berichtssaison im Wesentlichen zu Ende ist, achten die Märkte nun wieder verstärkt auf Konjunkturdaten. „Die wieder zahlreicheren Makrodaten werden nächste Woche ein noch klareres Bild des soliden Wachstumstrends zeichnen“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. „Nach den Unternehmensstimmungsdaten sollten auch die zahlreichen Stimmungsbarometer der Verbraucher in der kommenden Woche einmal mehr belegen, dass ihr Optimismus stabil ist“, so Greil.

In der Eurozone stehen eine Reihe von wichtigen Konjunkturdaten auf dem Kalender. In Deutschland wird das viel beachtete Ifo-Geschäftsklima veröffentlicht. „Im August dürfte die Unternehmensstimmung in nicht unerheblichem Maße von einer Reihe politischer Entwicklungen beeinflusst werden“, schreiben die Analysten der Postbank. „Da von diesen aber teilweise positive und teilweise negative Impulse ausgehen sollten, sind Ausmaß und Richtung des Einflusses unsicher.“

Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex von November 2017 bis Juli 2018

Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Aus der Eurozone erwarten wir Zahlen zu den Verbraucherpreisen im August. Die Commerzbank erwartet bei der Inflationsentwicklung in der Eurozone nur wenig Veränderungen. Die Jahresrate dürfte von 2,1 Prozent im Vormonat auf 2,2 Prozent steigen.

ts