Wochenausblick

Geopolitische Risiken Dax: Noch gibt es keine Entwarnung

Stand: 19.08.2018, 10:54 Uhr

Der Dax hat in der vergangenen Woche 1,7 Prozent eingebüßt, und damit seine Talfahrt die dritte Woche in Folge fortgesetzt. Auch in der neuen Woche deutet zunächst nichts auf eine Trendwende hin. Dabei kommt es entscheidend auf eine wichtige Marke an.

"Der Dax hat seit vergangenen Montag mit Unterschreiten wichtiger Unterstützungen im Bereich von 12.400 Punkten weitere Verluste erlitten", erläutert Ulrich Wortberg von der Helaba und befürchtet nun, dass bald schon die Unterstützung bei rund 12.100 Punkten getestet werden könnte. Falle das deutsche Börsenbarometer unter diese Linie, könnte dies "zu einem Rückfall bis 11.726 Punkten führen, dem Ende März erreichten Jahrestief". Am Freitag schloss der Leitindex bei 12.210 Punkte.

Hauptursache für die schwächelnden Märkte ist der Mangel an kursbewegenden Themen aus den Unternehmen, nachdem die Berichtssaison weitgehend beendet ist. Für Verunsicherung sorgen dagegen geopolitische Risiken, allen voran der schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China für Verunsicherung. Hierzulande spielt auch der Türkei-Konflikt eine herausragende Rolle, obwohl das Land für die deutsche Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Woche
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Übertriebene Vorsicht oder Warnsignal?

CvD Detlev Landmesser
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Was nächste Woche wichtig wird... [17.8.18]

Für die deutsche Industrie sei eine mögliche Gefahr sogar zu vernachlässigen, schreibt die IKB-Bank. Die Türkei sei weder als Absatzmarkt noch als Zulieferer von Vorleistungsgütern für die deutsche Produktion von Bedeutung. Zudem sollte das Risiko von globalen Implikationen aus den Problemen des Landes nicht überbewertet werden. Es handele sich primär um eine Krise "Made in Turkey“.

Trotzdem sehen viele Anleger in den Problemen des Landes ein Warnsignal für die gesamten Schwellenländer. Diese würden durch die steigenden Zinsen in den USA und den festen Dollar zunehmend belastet, glaubt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

Wie geht es weiter im Handelsstreit?

Das wichtigste Thema an der Börse bleibt aber der Handelsstreit. Besondere Aufmerksamkeit dürfte daher die am Montag offiziell beginnende Ausarbeitung der Vereinbarung zwischen der EU und den USA, die beim Besuch von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Washington zustande gekommen war.

Jean-Claude Juncker und Donald Trump

Jean-Claude Juncker und Donald Trump.

Im Verlauf der Woche will außerdem China eine Delegation in die US-Hauptstadt schicken. Auch Peking hofft, über Gespräche den Handelskonflikt zu entschärfen. Es wäre das erste offizielle Treffen beider Seiten, seit Verhandlungen zwischen Chinas Vize-Premierminister Liu He und US-Handelsminister Wilbur Ross Anfang Juni in Peking gescheitert waren.

Eine kurzfristige Lösung gilt zwar als unwahrscheinlich, doch Donald Trump ist bekanntlich völlig unberechenbar und immer für Überraschungen gut. Manche Experten zeigen sich auch optimistisch, denn bald schon stehen die Midterm-Elections in den USA an, und da müsse Trump Erfolge vorweisen. "Wir setzen weiterhin auf eine Verhandlungslösung noch vor den Zwischenwahlen im November", schrieben Experten der LBBW, und auch seitens Oddo BHF oder Merck Finck & Co. ist man diesbezüglich zuversichtlich.

Notenbank-Konferenz in Jackson Hole

Jerome Powell

Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Wichtige Wirtschaftsdaten stehen in der neuen Woche nur wenige an. Neben Stimmungsdaten für August aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor aus Deutschland, ganz Europa und den USA am Donnerstag, dürften Daten zum deutschen Wirtschaftswachstum (BIP) im zweiten Quartal am Freitag noch von besonderem Interesse sein. Insgesamt wird mit einem leichten Anstieg der soliden, sich im expansiven Bereich befindenden Daten gerechnet.

Darüber hinaus steht die jährliche Notenbanken-Konferenz in Jackson Hole kurz bevor, wobei besonders die Rede des Fed-Chefs Jerome Powell am Freitag Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte.

Unternehmensseitig stehen kaum noch Quartalsberichte auf der Agenda. In den USA berichten am Donnerstag die beiden Nachzügler, der PC- und Druckerhersteller HP Inc und der Online-Händler Alibaba über ihr abgelaufenes Jahresviertel. Zuvor legt in Deutschland der Ticketvermarkter CTS Eventim seinen Halbjahresbericht vor. Am Freitag steht erneut der Industriegasehersteller und Anlagenbauer Linde wegen der Übernahme des US-Wettbewerbers Praxair im Fokus. Kurz vor dem Ziel könnte der Deal womöglich noch platzen.

lg