Handelssaal der Frankfurter Börse

Trump und Johnson beflügeln Kurse Dax auf Jahreshoch

Stand: 13.12.2019, 10:41 Uhr

Anleger feiern den Ausgang der Großbritannien-Wahl. Und auch in Sachen Handelsstreit gibt es neue Hoffnung. Das hievt den Dax auf ein neues Jahreshoch.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Wir werden die EU am 31. Januar verlassen - ohne Wenn und Aber." Das stellte Boris Johnson gleich am Freitagmorgen klar. Seine konservativen Tories haben bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit errungen. Damit ist der Weg frei für einen geordneten Brexit Ende Januar.

US-Präsident Donald Trump hat dem britischen Premierminister Boris Johnson zu dessen "großartigen Sieg" via Twitter gratuliert. "Feiert Boris!"

Dieser Aufforderung kommen die Anleger in der Tat nur allzu gerne nach. Die Hoffnung auf ein Ende des Brexit-Dramas treibt die Aktienkurse in Europa in die Höhe. In Frankfurt schnellte der Dax am Vormittag um bis zu 1,4 Prozent auf 13.410 Punkte in die Höhe - ein neues Jahreshoch.

"Klarheit" beflügelt Pfund

Das britische Pfund stieg zeitweise auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 1,3516 Dollar. Zum Euro markierte es mit 1,2079 sogar den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Mit einem Plus von 2,1 Prozent steuerte das Pfund zudem auf den größten Tagesgewinn seit elf Jahren zu.

"Dieses Ergebnis gibt den Märkten, was sie sich wünschen: Klarheit", sagte Volkswirt Dean Turner von dem Vermögensverwalter UBS Wealth Management. Er geht aber nur von einer kurzfristigen Beruhigung aus, da die Verhandlungsphase über die künftigen Handelsbeziehungen ebenfalls schwierig werden dürfte.

Doch es besteht offenbar Hoffnung. "Johnson sei kein ideologisch gefestigter Brexiteer", so Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. "Dass er sich bislang so gab, dürfte vor allem daran liegen, dass das seine einzige Möglichkeit war, die Kontrolle über Partei und Fraktion zu erlangen. Sollte seine neue deutliche Mehrheit diesen Druck von ihm nehmen, könnte er praktikabler agieren. Eine Verlängerung der kurzen Übergangsfrist (in deren Spanne kaum ein vernünftiges Handelsabkommen zu erstellen ist) könnte ihm leichter fallen; er könnte nachgiebiger sein bei Details des Handelsabkommens", so Leuchtmann. Das sei aber keineswegs sicher.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßt, dass nach der Wahl klare Verhältnisse herrschten. "Der politische Nebel in London lichtet sich", sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Mit dem Wahlausgang ist der Auftrag verbunden, das Austrittsabkommen jetzt rasch anzunehmen." Erforderlich sei nun ein klarer Kurs der Regierung, wie das künftige Verhältnis zur EU aussehen solle. "Spätestens 2020 oder 2022 müssen die Verhandlungen zum zukünftigen Verhältnis abgeschlossen sein", forderte Lang. "Auch wenn der Zeitplan sportlich ist, verlangt die deutsche Wirtschaft eine Lösung." Sonst drohe zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ein harter Brexit.

Handels-Deal noch heute?

Rückenwind für die Kurse kommt jedoch nicht nur aus Großbritannien, sondern auch aus den USA: Im Handelskrieg zwischen den USA und China deutet sich ein Teilabkommen an. Trump twitterte, man sei einem Deal "sehr nahe". Ein Phase-eins-Abkommen stehe vor der Unterzeichnung.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete sogar, US-Präsident Donald Trump habe die Vereinbarung bereits unterschrieben. Ohne Einigung würden am Sonntag neue amerikanische Strafzölle auf chinesische Waren in Kraft treten.

"Anleger haben zwei der größten Geschenke auf ihrem Wunschzettel bekommen", sagte Analyst Sean Callow von der Westpac Bank. "Daran sollten sie zumindest eine Weile Freude haben."

Etwas kritischer sieht das die Commerzbank-Analysten Hao Zhou und Christoph Balz: "Selbst wenn es zu einem Teilabkommen kommt, wird die Ruhe an der Handelsfront zerbrechlich sein. So wird in dem anstehenden US-Wahlkampf die "chinesische Bedrohung" ein großes Thema sein, und zwar nicht nur seitens Präsident Trump." Bei dem nun wahrscheinlichen Teilabkommen handele es sich wohl nur um einen zeitweiligen Waffenstillstand. Früher oder später drohe eine neue Eskalation.

Rekorde in New York, Nikkei auf 14-Monats-Hoch

Bereits am Donnerstag hatte der Trump-Tweet die Anleger an der Wall Street elektrisiert. Die großen Aktienindizes in New York erklommen allesamt neue Jahreshochs.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial gewann am Ende 0,8 Prozent auf 28.132 Punkte. Seine neue Bestmarke liegt nun bei rund 28.225 Punkten. Der marktbreite S&P 500 zog um 0,9 Prozent an auf 3.169 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 0,8 Prozent auf 8.467 Zähler nach oben.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
28.335,56
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-0,14%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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3.465,63
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+0,32%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.692,57
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+0,25%

ag/ME/dpa/rtr

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"Nach dem Brexit ist vor dem Brexit" Experten zum Wahlausgang in Großbritannien

Jörg Zeuner, Chefökonom Union Investment

Jörg Zeuner, Chefökonom Union Investment:
"Mit dem Sieg von Johnson bei den britischen Unterhauswahlen ist der Weg frei für einen baldigen, geregelten Brexit. (...) Für die Kapitalmärkte sind das gute Nachrichten, denn das Randrisiko eines "harten Brexit" ist vom Tisch. Allerdings wird das Thema die Börsen weiter verfolgen. Denn: Im nächsten Schritt steht die Neuverhandlung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien auf der Agenda. Dabei ist eine solche Vielzahl komplexer Fragen zu klären, dass im Vergleich hierzu die Aushandlung des Austrittsvertrages allerhöchstens einen leichten Aufgalopp darstellte. So lange die künftigen Handelsbeziehungen nicht festgezurrt sind, bleibt die Lage deshalb unsicher."