Frau mit Fernglas

Krise als Chance? Dax: "Mit weiteren Beben ist zu rechnen"

Stand: 11.02.2018, 14:09 Uhr

Wann ist der Kurssturz endlich zu Ende? Für die Anleger bleiben die Zeiten aufregend. Denn obwohl viele Fachleute meinen, dass die Verluste übertrieben sind, möchte noch niemand Entwarnung geben.

Der Dax will einfach keinen Boden finden. Seit dem Rekordhoch bei 13.596 Punkten im Januar hat er rund 10 Prozent verloren. Allein in der vergangenen Woche büßte der deutsche Leitindex mehr als 5 Prozent ein. Der S&P 500 und der Dow Jones sackten um 5,2 Prozent, die Nasdaq verlor 5,1 Prozent - die größten Wochenverluste seit Anfang 2016.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.864,83
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In einem Interview mit „Spiegel Online“ fand Thomas Mayer von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch vor einigen Tagen eine griffige Formulierung für die aktuelle Lage an den Aktienmärkten: An den Märkten bleibe die Furcht, dass die Zentralbanken sie nicht mehr so reichlich mit frischem Geld versorgen würden. „Und wenn man befürchtet, dass man in den Entzug muss, dann haut man schon mal im eigenen Haus die Möbel kurz und klein.“

Wenn man sich die Charts der großen Indizes ansieht: Es ist noch einiges an Mobiliar vorhanden, das zerschlagen werden könnte. Immerhin hält sich der Dax noch immer solide oberhalb von 12.000 Punkten. Fachleute sind sich deshalb keineswegs sicher, dass es nicht noch weiter abwärts gehen kann.          

Jetzt wieder einkaufen?

Für Markus Reinwand, Analyst bei der Helaba, bleibt die Lage angespannt, auch wenn sich bei Euro-Aktien durch die jüngsten Kursabschläge die akute Überhitzung abgebaut habe. Risiken berge vor allem die noch immer zu hohe Bewertung der US-Leitindizes, so Reinwand. Hier sei die Bereinigung vermutlich noch nicht abgeschlossen. Vorsicht sei angebracht, auch wenn der Rückschlag für mittelfristig orientierte Anleger durchaus einige Chancen biete.

Für die Experten des BlackRock Investment Institute sind die jüngsten Kursstürze nicht der Auftakt zu einer längerfristigen Talfahrt. "Wir sind vom guten und stabilen Konjunkturausblick überzeugt", so die Analysten des weltgrößten Vermögensverwalters. Erneute Rücksetzer seien daher eine Gelegenheit zum Einstieg.

Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
6.594,96
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-2,56%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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2.607,15
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+0,28%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.143,32
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+0,18%

"Hysterie-Abteilungen" bei der Arbeit

Robert Halver

Robert Halver. | Bildquelle: Imago

Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank fasst noch einmal die Lage zusammen und gibt auch einen Ausblick auf die nahe Zukunft: Auslöser für die von den US-Märkten ausgehenden Korrekturen seien die ‚Hysterie-Abteilungen‘, die Terminmärkte. Deren Spekulanten hätten in die bereits bestehende Kerbe von Überbewertung und Zinsangst geschlagen. Die Gefahr von Kursverlusten habe wie ein Brandbeschleuniger zu immer größeren Kursverlusten geführt, die auch von Algorithmen der Hedge Funds über automatisierte Verkaufssignale dynamisiert worden seien. Halvers Fazit: „Mit weiteren Beben ist jederzeit zu rechnen. Die Aktienmärkte sind auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht. Dieser Prozess wird einstweilen anhalten.

„Das von uns genannte größte Risiko für die Märkte im Jahr 2018, nämlich stärker als vom Markt erwartet steigende Inflations- und Zinstrends, sorgt bereits früh im Jahr für Unruhe“, kommentiert Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Angesichts weltweit positiver Konjunktur- und Ergebnistrends der Unternehmen blieben die Aussichten für Aktien aber grundsätzlich weiterhin positiv, so der Fachmann.

Was meint die Charttechnik?

Christian Kahler, Analyst bei der DZ Bank ist der Ansicht, eine Gegenbewegung nach dem starken Anstieg sei überfällig gewesen, wenngleich das Ausmaß auch angesichts der Wirtschaftsperspektiven übertrieben erscheine. Insgesamt rechnen die meisten Experten also damit, dass es sich derzeit eher um eine Episode handelt als um einen echten Umschwung. Aber wann es wieder aufwärts geht? Wer würde sich da schon festlegen wollen. Immerhin war der Dow Jones am vergangenen Freitag wieder mit einem deutlichen Plus aus dem Handel gegangen.

Sollte es weiter abwärts gehen, sieht Chartexperte Franz-Georg Wenner von Index-Radar um 11.850 Punkte eine wichtige Unterstützung für den Dax. "Doch selbst wenn er sich erst am nächstfolgenden Haltebereich um 11.400 wieder fängt, wäre er noch gut davon gekommen." Ein Ende der Schwächephase würde sich zudem erst über etwa 12.750 Dax-Punkten andeuten.

Wie ist die konjunkturelle Lage?

Skyline von New York vor US-Flagge.

Die US-Konjunktur bleibt stark . | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Kein Wunder, das sich die Anleger im Moment auch besonders für frische Wirtschaftsdaten interessieren.  "In den USA brummt die Wirtschaft auch im ersten Quartal", sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. "Gleichzeitig nimmt langsam der Inflationsdruck zu." Am Mittwoch stehen Daten zur US-Teuerung auf der Agenda. Parallel dazu werden die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht.

Am Donnerstag folgen Zahlen zur Industrieproduktion. Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg nennt die Furcht vor einer anziehenden Teuerung übertrieben. Schließlich beschränke sich der stärkere Anstieg der Löhne bislang auf wenige Branchen. Hier stehen am Mittwoch Daten zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum auf dem Terminplan.

Ferner bleibt die Berichtssaison ein wichtiges Thema. Die Investoren sollten nicht vergessen, dass die Unternehmensgewinne weiterhin das wichtigste Argument für steigende Kurse bleiben.  

ts