von fallenden Kursen profitieren

Gesunkene Quartalsergebnisse Dax-Firmen: Gehen die fetten Jahre zu Ende?

Stand: 15.05.2019, 14:56 Uhr

Nur zehn der 30 im Leitindex Dax enthaltenen Unternehmen haben im ersten Quartal ihr operatives Ergebnis weiter steigern können. Bei den übrigen Firmen ging die Rentabilität zurück, wie die Unternehmensberatung EY herausgefunden hat. Doch noch besteht kein Grund zur Beunruhigung.

So ist das operative Ergebnis (Ebit) der 30 im Dax enthaltenen Unternehmen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum in der Summe um 20 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro eingebrochen, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY hervorgeht. Dabei ist der Umsatz - ohne die Deutsche Bank - um 4,8 Prozent auf knapp 350 Milliarden Euro gestiegen.

Allerdings ist das Ausmaß des Rückgangs nicht Ausdruck einer generellen Schwäche, sagte Hubert Barth, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung - wenngleich es offensichtlich sei, dass "die Zeiten ungemütlicher werden".

Exportabhängigkeit belastet

Vor allem die Exportabhängigkeit vieler Dax-Konzerne erweise sich in Zeiten internationaler Handelskonflikte als Belastung. Je internationaler die Unternehmen geworden seien, desto stärker könnten sich politische Entwicklungen in anderen Ländern auf ihr Geschäft auswirken, argumentierte Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung.

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Es gebe viele Baustellen, wie die ungelöste Brexit-Frage und den Handelsstreit zwischen China und den USA. Am schwersten betroffen von dem Ergebnisrückgang waren im ersten Quartal die Autohersteller. So verzeichnete BMW den stärksten Einbruch aller Dax-Konzerne. Ausschlaggebend dafür waren Rückstellungen für ein EU-Kartellverfahren in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

Autobauer schwer getroffen

Aber auch Daimler musste in den ersten drei Monaten einen Rückgang des Ebit um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro vermelden. Daimler schnitt damit schlechter ab als von Analysten erwartet. Der VW-Konzern hatte in den ersten drei Monaten des Jahres einen Ebit-Rückgang um "nur" sieben Prozent auf 3,9 Millionen Euro zu verkraften. Auschlaggebend waren auch hier, wie bei BMW, die Rückstellungen für eine drohende EU-Strafe wegen im Zusammenhang mit dem Dieselskandal.

Neben den Autobauern mussten auch Konzerne wie der Konsumgüterhersteller Henkel oder der Rückversicherer Münchener Rück deutliche Ergebniseinbrüche vermelden. Allerdings hat die MüRü ihre Jahresprognose bekräftigt. Weil es sich bei vielen Rückgängen um einmalige Belastungen handelt, bleibt zu hoffen, dass sich die Gewinnsituation im zweiten Quartal wieder verbessert.

100.000 neue Stellen

Insgesamt konnten den Berechnungen von EY zufolge nur zehn Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ihren Gewinn steigern. Die Mitarbeiterzahl der 30 Dax-Konzerne stieg um zusammengerechnet 100.000 auf 3,7 Millionen. Einen weiteren Anstieg hält EY allerdings für unwahrscheinlich.

Hoffnung auf Besserung machen die jüngsten Konjunkturdaten. Danach ist die deutsche Wirtschaft, wie die im Euroraum, zum Jahresanfang um 0,4 Prozent zu gestiegen. Im vierten Quartal 2018 war die Wirtschaft nur um 0,2 Prozent gewachsen. Binnen Jahresfrist wuchs das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 0,6 Prozent.

Die Bundesregierung und zahlreiche Ökonomen hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen für Gesamtjahr gesenkt. Die Bundesregierung rechnet 2019 nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent statt zuvor erwarteten 1,0 Prozent. Hauptgrund ist die Abkühlung der Weltwirtschaft. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 1,4 Prozent gewachsen.

lg/dpa